Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: M - Mathieu Chedid)
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M – Matthieu Chedid, ein neuer Superstar aus Frankreich
Was ist denn das?! Sind sie verrückt, die Franzosen? Sieht aus wie eine Kreuzung aus Prince und arabischem Gartenzwerg, wie ein rosarotes Hybridteufelchen im Gehrock, eine phantastische Pink-Panther-Silhouette mit Riesengitarre und herzförmigen Schallloch. Wurde etwa der Kitschkünstler Jeff Koon beauftragt, einen neuen französischen Popstar zu klonen? Oder ist M vielleicht ein uneheliches Kind von Superman, ist er ein Vogelmensch oder ein Außerirdischer? Und was bedeutet dieses M, zu dem sein extrahart gegeltes schwarzes Haare sich auftürmt? Schlicht M wie Matthieu oder M wie Musiker, Magier, Meister oder ist es gar eine perfide Produktwerbung für eine Hamburgerkette? Die Franzosen jedenfalls sind verrückt - nach dieser Kunstfigur: Qui de nous deux, das aktuelle, nun auch in Deutschland erhältliche Album, ist ein Renner und Ms spektakuläre, im Nu ausverkaufte Konzerte, bei denen seine Transpiration schnell die Mephistophelesfrisur ruiniert, werden bejubelt - fast wie einst die der Beatles. Im Schweiße seines Angesichts wird M zu Matthieu Chedid. „Je me démasque“ heißt ein Titel auf der neuen CD.
Wer ist das, der da zum Vorschein kommt? Ein ausgezeichneter Komponist und raffinierter Arrangeur, ein charismatischer Sänger mit süßer hoher Stimme und ein hervorragender Gitarrist, ein lustiges Kerlchen, ein liebenswerter Mensch mit diskutablem Geschmack, ein Showman, dessen flammender Enthusiasmus das Publikum auf Touren bringt. Immédiatement – sofort, um sein Lieblingswort zu zitieren. Kurz: Matthieu Chedid ist ein exzellenter Musiker, den der grelle Glanz einer Kultfigur wie aus einer Comicserie umgibt. Ein Heiligenschein, wie gesagt, ist das eher nicht.
Aber Humor kann man dem 1971 geborenen Pariser nicht abstreiten. Er geht auf die Menschen zu, bezieht sie bei seinen Auftritten mit ein. Da wird gesungen, getanzt und gelacht. Und es gibt etwas zu sehen: jedes seiner meist ausgesprochen hübschen Lieder wird neu inszeniert. Diese Mischung aus schriller Theatralik, witziger optimistischer Poesie und eingängiger Popmusik lieben die Leute. Früher, als er noch in Pariser Clubs auftrat, war er ein Geheimtipp von Kunststudenten. Inzwischen – nach den Alben LE BAPTEME, JE DIS AIME und QUI DE NOUS DEUX ist M in der gesamten Frankophonie populär.
Am 19. Juni trat er auch in Kairo auf, der Geburtsstadt seines Großvaters. Großmutter Andrée Chedid ist eine bekannte Dichterin libanesischer Herkunft. Auf jeder seiner CDs finden sich neben eigenen auch Texte von ihr. Louis Chedid, Matthieus singenden Vater, kennt in Frankreich fast jedes Kind. Schon mit sechs Jahren begleitete Klein-M den Herrn Papa im Chor mit seiner älteren Schwester, auf der Mundharmonika und später auf seinem Hauptinstrument, der Gitarre. Natürlich wuchs er in Studios und Konzertsälen auf und wusste, dass er Musiker werden würde. Gitarre spielte er bald so gut, dass er für die Crème der französischen Popmusik in die Saiten griff.
Da er von Natur aus eher schüchtern und schamhaft war, erfand er für die eigene Karriere die surrealistische Kunstfigur M, hinter deren Egozentrik er sein wahres Selbst verstecken konnte. Erfolgsverwöhnt und verantwortungsvoller Papa einer kleinen Billie geworden, träumt er nun davon, einfach nur noch Matthieu Chedid zu sein. Auf der Bühne und im Leben. Doch wird er die Geister, die er einmal rief, auch wieder los? Man erinnere sich an David Bowie und dessen Ziggy-Stardust-Schizophrenie! So leicht funktionieren Rückverwandlungen im Show-Geschäft nicht. Auch in Frankreich nicht, denn zu sehr schon lieben die Fans diese Kultfigur namens M. Thomas Staiber
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~ Thomas Staiber