Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Loch, Siggi)

Stuttgart – Riedenberg, 24. November 2006






Lieber Siggi Loch!



Auch Ihnen und Ihrer lieben Frau, mit der zu plaudern ich im Theaterhaus Stuttgart ich das Vergnügen hatte, frohe Festtage und ein gutes, gesundes und friedvolles Neues Jahr. Ganz herzlichen Dank für das schöne ear-book! Es hat viele intensive Erinnerungen bei mir geweckt.
Ich bin ein paar Jahre jünger als Sie und hab als kleiner Bub erlebt, wie mein Vetter vom Amateur Jazzfestival Düsseldorf zurückkam. Er war der Bandleader der Darktown Jazzband, die damals ganz gut abgeräumt hat. Einmal hat er mir eine 45-er-Platte („When The Saints“) von Bunk Johnson vorgespielt und dabei geweint. Da hab ich gespürt, dass Jazz einen tief in der Seele berühren kann. Doch beim Dixieland war das nicht so oft der Fall. Da war mir das Klavierspiel meiner Mutter, die uns sonntags mit Bach-Chorälen geweckt hat, lieber.
Dann wurden die Haare länger, und ich ließ mich von meinem Vater nicht mehr zweimal hintereinander zum Friseur schicken. Ich hörte mit Freunden Dylan, Joan Baez, Beatles, Kinks und Stones. Zum Studium (Germanistik, Romanistik, Nebenfach Philosophie) ging’s dann nach Tübingen. Am liebsten verbrachte ich die freie – nicht allzu knapp bemessene – Zeit im Jazzkeller. Ich war viel mit Musikern zusammen. Und wär gern auch einer gewesen. Einige machten Brass Rock im Stil von Blood, Sweat & Tears und Chicago. Ich schrieb deutsche und englische Texte für die relativ erfolgreiche „Blutgruppe“, besuchte Proben und Konzerte. Im Radio hörte ich Soul Jazz und machte mit meinem neuen Stereo-Tonbandgerät Aufnahmen. Nun war ich wieder offen und sehr begeistert für Jazz.
Mit ein paar Tübinger Musiker bin ich heute noch befreundet. Neulich haben wir den Parsifal in Bayreuth (Schlingensief) erlebt. Da gibt’s ja auch starke Bläsersätze…
1988 fragte mich ein Redakteur der Stuttgarter Nachrichten, für die ich Bücher rezensierte, ob ich nicht auch über Jazz schreiben wolle. Seither habe ich rund 800 Konzerte besucht. Bei einem der ersten habe ich eine junge Frau kennen gelernt, mit der ich nun seit 18 Jahren zusammen lebe und einen 9-jährigen Sohn habe (, der vor allem auf Rap steht).
In dieser Zeit hab auch ich über viele ACT-Musiker geschrieben und war fasziniert von dem Konzept dieses jungen Labels. Durch die CDs, die Sie mir zuschicken ließen, hab ich dessen Wachsen mitverfolgt. Auch dafür möchte ich bei Ihnen - und Frau Obst – herzlich bedanken.


In Verbundenheit grüße ich Sie freundlich

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild