Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Lehn, Erwin jazz-night 2009)

Lange Jazz-Night, Hommage an Prof. Erwin Lehn - 24. 7. 2009, Neue Messe, 1200 Besucher
Diese Hommage hat sich Erwin Lehn redlich verdient, dieses ziemlich ausgedehnte Ständchen zu seinem 90. Geburtstag. Auf Lehns Lebenswerk haben Generationen von Musikern aufgebaut, und sie tun es noch. Beim Gentleman-Bandleader mit den hohen Ansprüchen und dem Gerechtigkeitssinn haben alle gelernt, worauf es bei einem Tanzorchester, worauf es bei einer Bigband ankommt: auf Genauigkeit, auf Wohlklang und Swing. Wie er das meint, zeigt der Jubilar selbst, als er zur Freude aller auf die Bühne kommt und bei „Strike Up The Band“ mit seinen neunzig Lenzen lässig den Takt schlägt. Wie einst im Mai. Stehende Ovationen. Ein Höhepunkt der langen Konzertnacht, nein, des ganzen Festivals.
Sehr beliebt waren früher der Treffpunkt Jazz und toll besetzte Jazzmatineen des SDR, der seinem kulturellen Auftrag noch ganz anders nachkam als heutzutage der SWR. Einer der damaligen Auftragskomponisten durfte da nicht fehlen. Wolfgang Dauner, Stuttgarts Jazzkoryphäe, beflügelt mit seinem unverwechselbaren Klavierspiel („Wendekreis des Steinbocks“, „Sketch Up And Downer“) die ebenso kultiviert wie druckvoll aufspielende SWR-Bigband unter der Leitung von Klaus Wagenleiter. In der kommt dann mit Joe Gallardo ein leider abgewanderter Posaunist wieder einmal zum Zug. Endlich nimmt die US-Sängerin Helen Schneider ein wohltuendes Klangbad, das die wie aus einem Guss swingende Bigband für sie angerichtet hat. Sie singt augenzwinkernd die Lehn-Nostalgienummer „Gib mir einen Kuss durchs Telephon“ und interpretiert „Over The Rainbow“. Sensibler und kraftvoller Gesang, charmanter Vortrag, erfreute Minen beim Publikum in der flexibel eingerichteten Halle, lächelnd auch Ehrengast Erwin Lehn. Der durfte dann den Schlusstitel seiner durchaus auf sich und sein reiches Musikerleben beziehen: „I’m Just A Lucky So & So“.
Chris Potter, Shooting Star unter den jüngeren Saxophonisten, hatte zu Beginn dieser langen Nacht mit seinem basslosen Quartett Underground einen spannenden Weg in die Zukunft des Jazz gewiesen: bei Kompositionen wie „Ultrahang“ oder „Rumples“ kompromisslos hart, bei lyrischen Balladen hauchzart und warm. Den würdigen Ausklang der langen Jazznacht für Erwin Lehn besorgte schließlich der Jazzpianist und Grammy-Gewinner McCoy Tyner mit mächtig grollendem Klavierdonner, ein wichtiger Weggefährte von John Coltrane. Als in dessen bärenstarkes Trio dann noch Bill Frisell einstieg, einer der weltweit besten Gitarristen mit seinem typischen gleitenden Saitenspiel und dazu Altsaxophonist Gary Bartz, war die Freude des Jazzpublikums groß, und der Vorhang senkte sich nach einer großen Konzertnacht. Thomas Staiber




~ Thomas Staiber

Deko Füller
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