Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Laudatio Klaus Graf 2010)
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Klaus Graf - eine Laudatio von Thomas Staiber 11. 11. 2010
Meine Damen und Herren, erlauben Sie mir eine persönliche Vorbemerkung:
Ich bin gern zu Ihnen gekommen, da ich mich durch meine Urgroßmutter und meine Mutter mit der Stadt Ditzingen verbunden fühle. Meine Urgroßmutter Karoline Schmid, die der Bierbrauereibesitzer Jakob Kurz aus Weilimdorf geheiratet hat, kam genau hundert Jahre vor mir zur Welt. Und zwar auf dem Laien. Meine Mutter Ruth Staiber geb. Luipold lebte einige Zeit im Herrenhaus der Nippenburg bei der Familie des Grafen Leutrum als Klavierlehrerin. Doch nun zum heutigen Abend:
Ein Kulturpreis ist eine feine Sache. Alle haben ein frohes Lächeln auf den Lippen, besonders der Preisträger. Wenn der Preis nicht als Feigenblatt dient, um Kürzungen bei kulturellen Einrichtungen und Projekten schamhaft zu verbergen, lächle ich gern mit. Kultur ist für mich keine Schminke auf dem Gesicht der rauen Realität, auf die in Krisenzeiten halt verzichtet wird. Krisenzeiten, die im Übrigen nicht von Bürgern verursacht wurden, sondern von einem die Menschen verachtenden Casinokapitalismus, der weitermacht, als sei nichts geschehen. Aber im kulturellen Leben finden Menschen zueinander, sie entdecken Potentiale und erweitern ihren Horizont. Kultur ist keine Kosmetik, Kultur ist unverzichtbar. (Im Unterschied zum einen oder anderen gigantomanischen Bauprojekt. - Sie merken, ich bin aus Stuttgart.)
Einer, der Kultur täglich lebt, ist unser heutiger Preisträger Klaus Graf. Wenn der auf seinem Saxophon spielt, tut er das als ein ganzer Mensch. Ein Mensch mit Verstand, Herz und Bauch. (Letzteres hätte Oliver Kahn, der bekannte Torwart, wahrscheinlich etwas anders formuliert.) Wenn Klaus Graf spielt, schwingt also in jedem Ton seine komplette Persönlichkeit mit: das, was er in seinem prall gefüllten Musikerleben gehört, erlebt und gelernt hat, was er daheim an Liebe und im Beruf an Anerkennung erfährt, was ihn antreibt, was ihn empört, was ihn beglückt. Klaus Graf weiß, wenn er spielt, ganz genau, was er tut. Er beherrscht sein Instrument meisterhaft. Die Improvisationsmöglichkeiten des Jazz erlauben es ihm, zugleich im Moment des Spielens aufzugehen, sie erlauben es ihm, spontan zu sein. Darum beneiden ihn die Musiker der Klassik, bei der das Allermeiste fixiert und notiert ist.
Als Trainer von großen und kleinen Klangkörpern, als Bigband-Chef oder Band-Leader eines Quartetts, gelingt es ihm spielend, aus verschiedenen Individuen ein funktionierendes Ganzes zu machen. Dazu bedarf es Kompetenz, Einfühlungsvermögen und pädagogischer Begabung. Klaus Graf hat solche Qualitäten. Auf ganz unterschiedlichen Ebenen manifestieren sie sich: von der Grundschule bis zur Hochschule, vom Workshop mit Amateuren bis zum professionellen Jazzorchester. Nicht von ungefähr nennen sie ihn „Sir“.
Humor ist eine weitere Eigenschaft, die ihn auszeichnet und beliebt macht. Grafs Humor ist scharf gewürzt und brottrocken, verletzend ist er nie. Darin erweist sich seine Menschlichkeit. Nicht von ungefähr haben Humor und Humanität dieselbe Sprachwurzel. Mit Klaus Graf zu kommunizieren macht Spaß. Ohne Umschweife kommt er auf den Punkt, und oft sorgt sein Witz für gute Laune. Mit seinen Live-Ansagen etwa bringt er das Publikum stets zum Schmunzeln. - Und mit seinen Chorussen zum Staunen. Grafs Up-Tempo-Solos sind hochenergetische Glanzleistungen und musikalische Parforceritte. Doch beim Balladenspiel beginnt unüberhörbar eine zarte Saite zu tönen und eine große Sinnlichkeit. Wie sagte doch mal eine Konzertbesucherin so goldig: "In einer rauen Schale steckt oft ein süßer Kerl."
Diesem Kerl, dem begnadeten Musiker und fröhlichen Musikanten, dem kompetenten Lehrer und beliebten Bandkollegen heute den Kulturpreis der SPD Ditzingen zu verleihen, freut alle, die ihn kennen. Besonders die Jazzfreunde. Einen besseren Botschafter dieser lebendigen und spannenden Musik als Klaus Graf kann man sich kaum wünschen. Meine Damen und Herren, vielen Dank!
~ Thomas Staiber