Artikel geschrieben am: 01.01.70

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Nils Landgren, Till Brönner und das Terence Blanchard Quartett– Jazznights 04.12.02 Mozartsaal
Wie, fragen sich die mehr oder minder Erfolglosen, schafft man es, aus der Menge der Durchschnittlichen herauszuragen?
Der schwedische Posaunist Nils Landgren, 46, und der deutsche Trompeter Till Brönner, 30, haben es im Mozartsaal vorgeführt: Sexy, entspannt und geschäftstüchtig sollte man sein. Talent und eine positive Ausstrahlung braucht man natürlich auch.
Landgren lädt im ersten Teil der Jazznight mit ansteckend guter Laune ein zur „Sentimental Journey“, wie er nach 500 (!) Plattensessions unter anderem mit ABBA, einschlägigen funky Erfahrungen („Fonk Da World“) und zarten Jazz-Berührungen mit schwedischen Volksliedern („Swedish Folk“) sein aktuelles Programm und die bei ACT erschienene CD überschrieben hat. Mit dem eher kratzbürstigen als süßlichen Streicherensemble FleshQuartet aus Südschweden musizieren der traumhaft sichere Pianist Roberto Di Gioia, der inspirierte Kontrabassist Lars Danielsson und Wolfgang Haffner, Deutschlands Trommler Nummer 1. Der Mann mit der roten Posaune singt. Ein bisschen heiser, ganz unprätentiös und aufrichtig präsentiert er mit seiner Bubenstimme Balladen-Preziosen aus dem Great American Songbook. Kurt Weills „Speak Low“ aus dem Musical „One Touch Of Venus“ ist dabei, zunächst noch ein wenig Out Of Tune, dann aber sehr hübsch Victor Youngs „My Foolish Heart“. Auch in Pop-Gefilde, ja in Country-Gegenden führt die sentimentale Reise: Stings schönes „Fragile“ ist eine Station, Willie Nelsons „Be There For You“, Leon Russels „This Masquerade“, sogar Gloria Gaynors 80-er Jahre Disco-Hit „I Will Survive“ tauchen da auf. Da kommt dann auch die Posaune virtuos zum Zug und Landgren kann nach all den schmachtenden Balladen sein Temperament kaum mehr zügeln. Dichte Atmosphäre im halbvollen Mozartsaal, beste Stimmung und herzlicher Applaus für den schwedischen Charmeur mit der ehrlichen Stimme und dem roten Horn.
Trompeter Till Brönner hatte im zweiten Konzertteil den erkrankten Terence Blanchard (vor vier Wochen Blinddarmdurchbruch auf offener Bühne ) zu ersetzen. Dem regulären blutjungen Quartett des Star-Trompeters aus Los Angeles schien es ein diabolisches Vergnügen zu bereiten, den jungen deutschen Blechbläser mit pulsierenden Jazz zu fordern: mitreißender zeitgenössischer Jazz in der Nachfolge von Coltrane und Miles, der Sentimentalitäten weg fegte wie ein Herbststurm. Knochentrockene Trommelwirbel und geschmeidige Rhythmusarbeit (Eric Harland), unbeirrbar vorwärts treibende Basslinien (Brandon Owen) und scharf herausgeschlagene Akkordblöcke, hell aufblitzende Pianoläufe des erst 19-jährigen Aaron Parks lieferten die Basis für das helle, mit viel Rhythmusgefühl geblasene Tenorsaxophon von Brice Winston und die Trompete von Till Brönner. Der junge Berliner, der abseits des Mikros leicht unbeteiligt wirkt, zeigt sich der Herausforderung gewachsen und mutiert peu à peu zum Strahlemann. Blitzsaubere Intonation, Schnelligkeit, und ein klarer Ton, Ideendichte und sehr gutes Timing zeichnen den deutschen Vorzeigejazzer aus. Während Terence Blanchard, der junge Löwe aus dem Art Blakey-Rudel von einst, die blanke Attacke bevorzugt, leuchtet Brönner mit hellem strahl den Klangraum aus. Nicht so aggressiv, aber höchst effektiv. Besonders mit gestopftem Horn als Interpret von auf Samtpfötchen federnd daher kommenden Balladen wie „You Don’t Know What Love Is“ oder seiner eigenen Nummer „Diavolo“ braucht der hoch gewachsene Trompeter, übrigens ein Kumpel von NBA-Star Dirk Novitzkya, keinen Vergleich zu scheuen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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