Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Landgren Christmas 2008)
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Nils Landgren: Christmas With My Friends. Johanneskirche, 16.12.2008
Mit Bedacht hat der schwedische Jazzposaunist Nils Landgren bei seinem Stuttgarter Konzert eine Kirche als Aufführungsort gewählt, um die besinnliche Adventsstimmung nicht zur Clubatmosphäre werden zu lassen. Zunächst zeigt er sich als einsamer Zugposaunist, der am Altar der festlich beleuchteten Johanneskirche am Feuersee das hohe neugotische Kirchenschiff mit warmen Klängen füllt. Es erwarten den „Mann mit dem roten Horn“ sieben schwedische Musiker - darunter vier junge Frauen, die wie veritable Weihnachtsengel jubilieren und frohlocken - und Eva Kruse, die einfühlsame Kontrabassistin aus Deutschland. Die stacheligen Dissonanzen des Jazz zerkratzen keineswegs - wie manche befürchtet hatten - die heimeligen Erinnerungen, die viele Besucher mit Weihnachtsmusik verbinden. Im Gegenteil: Da erstrahlt bei „Mariä Wiegenlied“ und Händels „Lascia ch’io Pianga“ der kraftvolle Sopran von Jeanette Köhn, antwortet Landgren mit geschmeidigen Posaunenklängen. Dann singen alle einstimmig „Jul, Jul, Stralande Jul“, das bekannte schwedische Weihnachtslied. Jessica Pilnäs mit ihrer sinnlichen Stimme bringt bei der Thad-Jones-Nummer „A Child Is Born“ Soul-Gefühle ins Spiel. Vor fünf Wochen widerfuhr ihr selbst dieses Glück. Johan Norberg, der Vater, begleitet sie einfühlsam auf der Gitarre. Mit Sharon Dyalls „Peace On Earth“ hält mit natürlichem Hall der Gospel Einzug im Gotteshaus. Nun sind die Jazzer in ihrem Element und dürfen nach den vielen getragenen Weihnachtsliedern stärker aus sich herausgehen und improvisieren. Jetzt swingt und groovt die mit 600 Besuchern gefüllte Kirche, und die Band aus dem hohen Norden spielt so lustvoll, dass der Herr Pfarrer schwach besuchte Gottesdienste mit zittrig gesungenen Gesangbuchversen vergessen kann. Landgren, der das Weihnachtskonzert charmant auf Deutsch moderiert, stimmt am Ende mit seiner bubenhaften Stimme „Stille Nacht“ an, seine sieben Musikerfreunde und das Publikum singen mit. Für viele ist das ein unvergesslicher Augenblick, der mit Kitsch gar nichts zu tun hat, aber viel mit der festlichen Weihnachtsstimmung, die aus der Kindheit herauf scheint.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber