Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Lage + Knaus 29.1.2010)

Jazz Today: Julian Lage Group / Ulita Knaus & Band, 29.1.2010 Theaterhaus T2
Für die meisten Besucher war der Amerikaner Julian Lage ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Nach seinem fulminanten Konzert drehte sich in den Pausengesprächen alles um diesen tollen Gitarristen und seine blutjunge Gruppe: „Kein Wunder, dass der jetzt schon für einen Grammy nominiert wurde!“, sagte ein Jazzfan und ließ sich „Sounding Point“, Lages Debutalbum, signieren.
Tatsächlich zeigte sich Lage, dessen Namen französisch ausgesprochen wird, als großer Melodiker. Immer wieder muss man bei den eleganten Läufen auf seiner akustischen Gitarre an Django Reinhardt denken, den wohl bis heute wichtigsten europäischen Jazzmusiker. Doch der junge Mann imitiert nicht, er hat schon zu einer erstaunlichen musikalischen Reife, zu seinem eigenen Stil gefunden. Auch als Komponist und Arrangeur: eine Klasse für sich. Der Schlagzeuger inszeniert mit bloßen Händen ein rhythmisches Feuerwerk, das der Cellist und der Kontrabassist con arco mit schönen Tönen unterlegen. Die solistische Arbeit teilen sich Julian Lage und Ben Roseth, ein glänzender Saxophonist. Überraschende Brüche, Tempowechsel, die Verwandlung von Geräusch in aufblühende Melodie, Brücken in immer wieder neue Klanglandschaften, Virtuosität und gelassene Heiterkeit – so präsentierte sich die Julian Lage Group.
Nach diesem aufregend frischen und höchst abwechslungsreichen Jazz hatte sich das Publikum umzustellen. Die Hamburger Jazzsängerin Ulita Knaus begab sich mit ihrer nicht allzu voluminösen, aber erfreulich klaren Stimme und ihrer um verführerische Sinnlichkeit bemühten Bühnen-Show in seichtere Gefilde. Ihr reguläres Klaviertrio begleitete sie routiniert und geschmackvoll. Sehr hübsch: der Song „Fly“ und besonders Jobims „No More Blues“, zu dem die Julian Lage Group auf die Bühne zurückkam und alle neun Musiker für einen temperamentvollen Ausklang bei bester Stimmung sorgten. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild