Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Lady Gaga und die Zukunft der Pop)
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Wie wirst du der größte Pop-Star der Welt?
Gaga has been influenced by glam rock artists such as David Bowie and Queen,[61] , as well as pop music artists such as Madonna and Michael Jackson.[15][62] The Queen song "Radio Ga Ga" inspired her stage name, "Lady Gaga".[63][11] She commented: "I adored Freddie Mercury and Queen had a hit called 'Radio Gaga'. That's why I love the name [...] Freddie was unique – one of the biggest personalities in the whole of pop music."[62] Madonna told Rolling Stone that she sees "[her]self in Lady Gaga."[64] In response to the comparisons between herself and Madonna, Gaga stated: "I don't want to sound presumptuous, but I've made it my goal to revolutionise pop music. The last revolution was launched by Madonna 25 years ago."[62] Actress and singer Grace Jones was also cited as an inspiration by her.[65] She has often been likened to Blondie singer Debbie Harry.[66][67]
Gaga wearing a plastic bubble dress while performing on The Fame Ball Tour.
Gaga's vocals have drawn frequent comparison to Madonna and Gwen Stefani, while the structure of her music is said to be reminiscent of classic 1980s pop and 1990s Europop.[68] While reviewing her debut album The Fame, The Sunday Times asserted "in combining music, fashion, art and technology, Lady GaGa evokes Madonna, Gwen Stefani circa 'Hollaback Girl', Kylie Minogue 2001 or Grace Jones right now."[69] Similarly, The Boston Globe critic Sarah Rodman commented that she draws "obvious inspirations from Madonna to Gwen Stefani... in [her] girlish but sturdy pipes and bubbly beats."[70] Though her lyrics are said to lack intellectual stimulation, "[she] does manage to get you moving and grooving at an almost effortless pace."[71] Music critic Simon Reynolds wrote that "Everything about Gaga came from electroclash, except the music, which wasn't particularly 1980s, just ruthlessly catchy noughties pop glazed with Auto-Tune and undergirded with R&B-ish beats.[72]
Gaga has stated that she is "very into fashion" and that it is "everything" to her.[6][14] She considers Donatella Versace her muse.[6] Gaga has her own creative production team called the Haus of Gaga, which she handles personally. The team creates many of her clothes, stage props, and hairdos.[73] Her love of fashion came from her mother, who she stated was "always very well kept and beautiful."[3] She said that: "When I'm writing music, I'm thinking about the clothes I want to wear on stage. It's all about everything altogether—performance art, pop performance art, fashion. For me, it's everything coming together and being a real story that will bring back the super-fan. I want to bring that back. I want the imagery to be so strong that fans will want to eat and taste and lick every part of us."[14] The Global Language Monitor named 'Lady Gaga' as the Top Fashion Buzzword with her trademark 'no pants' coming in at No. 3.[74] Entertainment Weekly put her outfits on its end of the decade "best-of" list, saying, "Whether it's a dress made of Muppets or strategically placed bubbles, Gaga's outré ensembles brought performance art into the mainstream."[75]
Lady Gaga kennt Antworten
The Fame Monster
Stefani Germanotta will keine Eintagsfliege sein, sondern als Lady Gaga die nächsten 25 Jahre Popmusik bestimmen. In ihrer Musik mischen sich gekonnt R&B mit Synthiepop und Glamrock-Einflüssen à la David Bowie. Zahlreiche Auszeichnungen waren die Folge. Hier informieren wir über neue Songs und spektakuläre Auftritte.
Herr, Fräulein, Hermaphrodit? Ist ihr doch egal! Zum Auftakt ihrer Deutschlandtournee präsentierte sich Pop-Phänomen Lady Gaga in virtuos lächerlichen Kostümen und inszenierte sich in einer pompösen Show zu einer Ikone weiblicher Selbstbestimmung. Ein grandios trashiger Befreiungsakt.
Kaum ging Montagabend das Licht aus, stand sie wieder im Raum, die Penis-Frage. Aufgrund von wackeligen Filmaufnahmen glaubten besonders aufmerksame Beobachter bei Lady Gaga unlängst ja ein männliches Genital ausgemacht zu haben, was die Popkünstlerin dazu trieb, Spekulationen über ihren geschlechtlichen Status noch einmal launig zu befeuern: Herr, Fräulein, Hermaphrodit? Ist ihr doch egal!
Ihre Vorband Semi Precious Weapons, alte New Yorker Freunde von Lady Gaga aus den Zeiten, als sie noch erfolglos durch die Schwulenclubs tingelte, trieben nun die P-Frage gleich zu Anfang ihres sehr schönen Auftrittes auf die Spitze. An der Bühnenfront spreizte sich nämlich eine mit Highheels 2,20 Meter große Blondine namens Justin Tranter, die wie eine Mischung aus Amanda Lear und Brad Pitt daherkam.
Tranter lüpfte kokett sein Röckchen, um dem Publikum Einblick in den Intimbereich zu geben; später zog er sich noch einmal komplett auf der Bühne um, dann bespritzte er die vorderen Reihen mit Champagner. Immer wieder wollte er wissen: "Are you wet and excited for Lady Gaga?" Jaja, waren alle feucht und aufgeregt. Direkt vor der Bühne standen vor allem die Hardcore-Fans, und das sind bei Lady Gaga Mädchen zwischen 13 und 15 sowie Schwule aller Altersklassen.
Die heterosexuellen Erwachsenen, die vor der Halle auf ihre Kinder warteten, verpassten indes am Montagabend beim Start von Lady Gagas Deutschlandtour tatsächlich allerhand. Wunderbar, wie sich die sterile, hässliche (und nicht ganz gefüllte) Hamburger O2 World für zwei Stunden in ein gemütliches New Yorker Transen-Theater verwandelte. Forcierte Hysterie, verwegene metallische Kleiderkonstruktionen und ein angenehm fadenscheiniger Illusionismus prägten den Auftritt jener Frau, die gerade vom "Time Magazine" zur einflussreichsten Popmusikerin 2010 gewählt wurde.
Peformative Transformation zur "free bitch"
Ist das Pop-Gigantomanie in seiner modernsten Form? Zum Glück eben nicht. Schon nach einer ersten Viertelstunde des leidenschaftlichen Lederschlüpfergewackels, in der Lady Gagas nihilistischer Dancefloor-Hit "Beautiful, Dirty, Rich" für vielleicht ein bisschen zu viel Aufregung gesorgt hatte, knallte die Anlage durch und musste die nächsten 20 Minuten bei kalter Saalbeleuchtung wieder hochgefahren werden. Die Panne passte dann auch irgendwie ganz gut zu der sympathisch trashigen Bühnendeko, die aussah, als sei sie aus den Resten eines Lloyd-Webber-Giga-Musicals und einer Schulaufführung der "Rocky Horror Picture Show" zusammengerauft.
Mal stand da ein dampfendes Autowrack (mit Keyboard in der Motorhaube!), mal ein New Yorker U-Bahnwaggon (vollgepackt mit Nackedeis!). Das waren nun die beiden Haupttransportmittel zu jenem "Monster Ball", nach dem die aktuelle Tournee der Großkünstlerin benannt ist. Auf diese Weise wurden die Hits zu einer losen Handlung zusammengereiht, an deren Finale eben die Befreiung von Hauptperson und Publikum stehen sollte: Eine "free bitch", so betonte Lady Gaga immer wieder in den Zwischenansagen, wolle sie am Ende dieses performativen Transformationsprozesses sein.
Um sie herum hatte sie eine Reihe von tanzenden und singenden Menschen versammelt, die offensichtlich bereits die anvisierte Wandlung zum freigeistigen Miststück vollzogen hatten: wunderschöne Tänzer in Ledercorsagen, kurzgeschorene Damen in Eisenschlüpfern. Dazu gniedelte ein Mann mit freiem Oberkörper Hardrockriffs und eine Frau mit wallendem Haar spielte Playback-Harfe. Umgekehrt freilich wäre es noch aufregender gewesen. Aber okay, man kann ja nicht gleich alle Rollenklischees mit einer einzigen Show ad absurdum führen.
Lady Gaga jedenfalls gab sich reichlich Mühe, durch wechselnde Kostüme den fortschreitenden Befreiungsakt darzustellen. Ihre Garderobe wirkte, als hätte ein Installationskünstler eine S/M-Boutique ausgeraubt: Mal präsentierte sich die 24-Jährige als Gummi-Nonne mit Plastikapplikationen, mal mit Glitzerslip und sofagroßen Schulterpolstern. Zwischendurch sah sie mit einem quadratischen Wollkostüm aus, wie ein tanzender Wäschekorb, und zum großen Finale ihres Selbstbefreiungstrips sprühten ihr schließlich anmutig Feuerfunken aus einem stählernen BH.
50 Jahre S/M-Underground als Teenagergeburtstag
So gesehen bewies Lady Gaga, dass Cyndi Lauper, die Mutter aller feministischen Fun-Girls, mit ihrer Laudatio im "Time Magazine" anlässlich der Kür zur weltgrößten Künstlerin vollkommen Recht hatte: "Sie ist eine Skulptur", schrieb Lauper da bewundernd. Tatsächlich hat sich die New Yorker Italo-Amerikanerin Stefani Joanne Angelina Germanotta, die dort weitermacht, wo Madonna aufgehört hat, in einem Kraftakt zu einer Statue weiblicher Selbstermächtigung geformt: Du bist, was Du Dir greifst. Du bist, was Du Dir an den Körper applizierst.
Spießig könnte man jetzt nachhaken, weshalb denn gerade Lady Gaga zum weltgrößten Popkunstwerk gekürt wurde, wo doch Rihanna die monströseren Stahlkostüme besitzt und auch besser tanzt, oder Alicia Keys die virtuosere Sängerin und Instrumentalistin ist. Doch gerade bei der Darbietung der Solo-Ballade "Speechless" zeigte sich gestern Gagas konservatoriumsferne Musikalität: In immer neuen Variationen verjazzte sie dort ihr gerade erst gelerntes erstes deutsches Wort: Scheiße. Dazu schlug sie mit ihren Leder-Highheels auf die Tasten ihres Flügels. Ein bisschen wirkte sie wie der alte Rock'n'Roll-Stenz Jerry Lee Lewis in Strapsen, zwischendurch grüßt sie ihre ganz besonderen Freunde, "the german gay boys".
Ist das große Kunst? Keineswegs, aber es ist große Kunst, wie Lady Gaga sämtliche Versatzstücke aus fünfzig Jahren New Yorker Schwulen-, SM- und Transgender-Underground als bunten und befreienden Teenagergeburtstag zur Aufführung bringt. Mann oder Frau, Underdog oder Superstar? Du kannst alles sein - nur Angst vor der Lächerlichkeit darfst Du nicht haben.
Bevor es das Schüler-VZ, Facebook oder Skype gab, konnten Gegenwartseindrücke in der Popmusik schneller formuliert werden als in jeder anderen Kunstform. Wer sich nicht fügen wollte, hörte Rock `n Roll, später Punk-Rock, folgte der entsprechenden Mode und fand seinesgleichen. Heute scheinen Subkulturen, die aus der Negation bestehender Verhältnisse entstehen, an Bedeutung abzunehmen. Während früher schon Buttons von den Sex Pistols oder Bob Marley Identitäten stifteten, fungieren heutzutage Klingeltöne als Erkennungszeichen in den Peer Groups der Jugendlichen. Noch etwas ändert sich: Popmusik - einst weltweit beachtet – weist seit ein paar Jahren eine Tendenz zum Lokalen auf. Figuren in Casting-Shows nehmen für die Kinder- und Jugendkultur national an Bedeutung zu, international sind sie irrelevant. Die Performance, Auftritte in Funk und Fernsehen, aber auch in Konzerthallen und auf Festivalbühnen, gewinnt in dem Maß an Bedeutung wie der Verkauf von Tonträgern zurückgeht und die Zahl von Downloads zunimmt.
Die perfekt vermarktete Pose ist das Gebot der Stunde, um Aufmerksamkeit zu erregen. Niemand beherrscht das besser als Lady Gaga. Mehr als eine Milliarde Mal wurden laut Visible Measures, einer Firma, die gesellschaftliche Trends analysiert, Videos von Lady Gaga auf Youtube angeklickt. Beim 100-Million-Club, der monatlich veröffentlicht wird, rangiert die verrückte Dame ganz vorne – weit vor einem anderen Star, weit vor Präsident Obama. In nicht einmal vier Wochen wurde ihr aktuelles Video „Telephone“ mehr als 25 Millionen Mal angeschaut – ein neuer Rekord. Das hat weniger mit Zufall oder Fügung zu tun als mit ausgeklügelten Marktstrategien. Lady Gaga ist weit mehr als eine wasserstoffblonde Sängerin, nach der sich nicht nur Jugendliche umdrehen würden. Eine junge Frau hat sich als Weltmarke etabliert und ist dabei, Pop-Ikonen wie Michael Jackson und Madonna vom Thron zu stoßen.
Wie das geht? Dafür gibt es Werbemethoden, die amerikanische Namen tragen. Buzz Marketing erlaubt es, global im Netz präsent zu erscheinen und immer wieder die Neugierde der Nutzer zu wecken. Lady Gaga, eine Expertin der Provokation, inszeniert, wenn sie nicht gerade in spärlichen Dessous auf den Titelseiten von Hochglanzmagazinen posiert, bei den MTV-Awards den eigenen Tod. So bringt sie sich ins Gespräch. Co-Branding heißt eine zweite Strategie, die Lady Gaga und ihre Crew aus dem Effeff beherrschen. Dabei werden Marken wie Polaroid, High-Tech-Lautsprecher namens Heartbeats oder die limitierte Telefonedition LG/Virgin Mobile Slider KS360 kreiert und Produkte bei Apple (I-Pod), Burberry (Mäntel), La Perla (Unterwäsche), Nemiroff (Wodka) oder Carrera (Sonnenbrillen) platziert. Crowd Sourcing schließlich erlaubt ihr mittels User Generated Content noch häufiger öffentlich in Erscheinung zu treten, beim Zielpublikum „noch besser rüberzukommen“. Mit der Methode des Real Time Marketing bedient sie sich geschickt sozialer Netze wie Facebook, Twitter oder Myspace, um den Fans die Illusion ihrer Nähe zu vermitteln. Facebook nutzt sie dabei als den eher informativen Kanal, mit Mini-Blogs bei Twitter werden Kontakte gepflegt, und Myspace ist für die Promotion der Marke Lady Gaga reserviert. Die Größe ihrer Internetgemeinden ist durchaus beträchtlich.Über sechs Millionen „Freunde“ hat sie bei Facebook, drei Millionen Abonnenten bei Twitter und eine Million Fans bei Myspace. Mit solchen Zahlen rangiert Lady Gaga in der Spitzengruppe weltweit. Jede Menge Arbeit dürfte da der jeweilige Praktikant des Monats zu erledigen haben.
Die Geschäfte laufen wie geschmiert – auch dank des einprägsamen Viersilbennamens, eines außergewöhnlichen Markendesigns und ihres Team von „Kreativen“, das unter dem Namen „Haus of gaga“ firmiert. „Wenn ich einen Song schreibe“, bekennt die clevere Lady, „denke ich auch schon an mein Bühnen-Outfit.“ Angehimmelt wird die Autodidaktin, die sich mit vier Jahren das Klavierspiel selbst beigebracht haben will, von einer wachsenden Fan-Gemeinde, darunter viele Afroamerikaner und Homosexuelle. So ist sie zur Hoffnungsträgerin und Gelddruckmaschine der Musikindustrie geworden.
Um das zu sein, musste sich Lady Gaga komplett neu erfinden. Sie hat ihren Namen gewechselt (eigentlich heißt sie Stefani Germanotta), ihre Haarfarbe (früher war sie braun) und ihren Musikstil. Gerade ein Jahr ist es her, als „Just Dance“, die Single-Auskopplung ihres Albums „The Fame“, ihr erster Nummer-Eins-Hit wurde. Lady Gaga trat damals noch als Vorgruppe der New Kids On The Block auf. Die Zeiten sind vorbei. Heute füllt sie – wie bei ihrer nächsten US-Tour – ganze Stadien. Musikindustrielle reiben sich schon die Hände, denn Stadien füllen heute nur noch wenige Superstars.
Wenn man sie mit ihren 160 Zentimetern und 45 Kilo heute auf der Bühne sieht, würde man nicht annehmen, dass sie einmal ordentlich Fleisch auf den Rippen hatte. „Ein Popstar isst nichts“, flötet sie affektiert. Und fügt hinzu: „Eine Künstlerin wie ich kreiert eine kleine Lüge und macht daraus eine neue Wahrheit. So verliebt sich das Publikum immer wieder auf’s Neue in mich.“ Ein Jahr, nachdem sie mit einem Kleid aus lauter Plastikblasen Aufsehen erregt hatte, ist die Transformation vollends gelungen. Inzwischen hat sie sechs Nummer-Eins-Hits in den Charts. Schon ist Rob Fusari, der Ex-Freund und Co-Autor ihrer ersten Songs vor Gericht gezogen, um dreißig Millionen Dollar einzuklagen. Lady Gaga hat Frauen wie Paris Hilton oder Jessica Simpson die Schau gestohlen, lässt Sängerinnen wie Gwen Stefani oder Fergie alt aussehen, verdrängt aber auch die blutjunge Miley Cyrus oder die R`n`B-Chanteuse Beyoncé vom Schirm.
Nach Madonna schickt sich eine andere Sängerin mit italienischem Hintergrund an, der weltweit größte Star der Pop-Musik zu sein. Während Madonna sich seit über zehn Jahren todernst nimmt, amüsiert sich Lady Gaga diebisch und freut sich wie eine Kunststudentin, die ein eigenes Universum erschaffen hat. Die Gerüchte, in Wirklichkeit sei sie ein Hermaphrodit und habe einen Penis, findet sie ausgesprochen komisch und lacht, wenn man sie fragt, ob sie auch Frauen liebe. Mit Beyoncé nämlich hatte sie ein Lesben-Mörder-Video in einem Frauengefängnis gemacht, das aussieht, als habe es Tarantino selbst gedreht. Ihre Dancefloor-Erfolgsnummer „Telephone“ erreichte in Rekordzeit Doppelplatinstatus. Stets wirkt Lady Gaga bei ihren Auftritten wie ein Mutant, wie eine Science-Fiction-Kunstfigur.
Aufgewachsen ist Stef, wie sie gerufen wurde, in New York. Der Vater leitete eine Firma, die in Hotels Internetanschlüsse einrichtete, die Mutter arbeitete als Vizepräsidentin einer Telekommunikationsgesellschaft, während Stefani mit ihrer jüngeren Schwester Natali eine katholische Schule für Reiche in der Nähe des Guggenheim-Museums besuchte. Sie gehörte zu den Wenigen, die sich ihr Taschengeld verdienen musste. Sie arbeitete als Bedienung in einem Café an der Upper West Side. „Meine Eltern wollten mir keine Handtaschen für 600 Dollar kaufen, mit denen meine Klassenkameradinnen herumliefen.“ Vom ersten Geld leistet sie sich ein Gucci-Täschchen. In der Theater-AG war sie auf die Hauptrollen abonniert und lernte nun auch die ersten Jungs kennen. Trotz ihres Hangs zum Exzessiven blieb sie eine ehrgeizige Schülerin. Sie fand Pink Floyd gut und die Beatles und fing an, selbst Songs aufzunehmen. „Wenn man sie erlebt hat, war klar: Die wird es mal zu was bringen“, erinnert sich eine Mitschülerin. „Sie hatte mit Abstand am meisten Talent von uns allen, aber nie wie eine Diva rumgezickt.“ Wie alle Mädchen war auch ihr Ausweis gefälscht, um in die angesagten Clubs zu kommen. Mit 15 ging sie mit einem hübschen 26-jährigen Kellner. Wegen ihrer üppigen Figur trug sie in der Tisch School, einer New Yorker Kunstakademie, die sie nach der High-School besuchte, den Spitznamen „Big Boobs McGhee“. Dort überflügelte sie rasch ihre Kommilitonen, weil sie in der Kunst lieber ihr eigenes Ding machte anstatt Professoren zu imitieren.
Doch schon nach einem Jahr verlässt sie die Institution mit dem festen Vorsatz, Rock-Star zu werden. Sie zieht in die Lower East Side, lässt sich die Locken glätten, schläft auf einem Futon und hängt ein Platten-Cover von Yoko Ono darüber. Sie gründet die Stefani Germanotta Band, mit der sie ein paar Balladen aufnimmt, stets das Ziel vor Augen, einen Plattenvertrag zu ergattern. Wie die junge Madonna verfügt sie über eine beträchtliche sexuelle Ausstrahlung, und ehrgeizig ist sie auch. So schnell wie möglich will sie berühmt, eine Celebrity werden. Außerdem besitzt sie einen Trumpf, den Madonna so nicht hatte: eine starke Stimme.
Wendy Starland, eine junge Sängerin aus dem Umfeld von Peter Gabriel, erinnert sich an die erste Begegnung: „Sie kam ins Studio, und jeder spürte sofort ihre enorme Präsenz. Angst hatte sie vor nichts und niemand. Beeindruckend fand ich das Timbre und die dichte Textur ihrer Stimme, aber am allermeisten die außergewöhnliche Energie, die von ihr ausging.“ Produzent Rob Fusari sagte, als sie sich ans Klavier setzte und sang, er habe gedacht, einen weiblichen John Lennon vor sich zu haben. Sie spielt Grunge à la Nirwana, Rock à la Led Zeppelin und singt phantasievolle Textzeilen à la Jefferson Airplane. „Eigentlich bin ich ein Hippie-Mädchen“, sagt sie, „und will mir ein Friedenssymbol tätowieren lassen, eine Hommage an John und Yoko“. Tatsächlich zieren ihren linken Oberarm nicht Comics wie Amy Winehouse oder den Namen ihres Liebsten wie Heidi Klum, sondern ein Satz von Rainer Maria Rilke, ihrem Lieblingslyriker: "Dieses vor allem: Fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: Muss ich schreiben?"
Fusari pflegte im Studio das Lied „Radio Ga Ga“ von Queen vor sich hinzusummen - das passende Pseudonym war gefunden. Lady Gaga vertieft sich in eine Biographie von Prince, zieht sehr enge Kleider und am Ende nur noch Unterwäsche an, und sie lernt Discotänze. Die Metamorphose beginnt. Als sie 2006 an die Türen der Plattenlabels klopft, haben sich deren Vertragsangebote verändert: Anstatt bloß die Bänder der Aufnahmen zu besitzen, wollen EMI und die anderen großen Firmen der Musikindustrie auch an den Einkünften aus Konzerten, Sponsoring und Merchandisung partizipieren. Lady Gaga tut sich mit Lady Starlight, einer anderen schillernden Figur aus der Lower East Side zusammen. Die Beiden erinnern bei ihren exaltierten Auftritten an die Rocky Horror Picture Show der 80-er Jahre. Das Label Interscope aus Los Angeles, das sich mit Gangster-Rap von Dr. Dre einen Namen gemacht hatte, nimmt die platinblonde New Yorkerin unter Vertrag. Doch der Durchbruch lässt noch auf sich warten. Lady Gaga hat Zeit, sich mit Warhol zu beschäftigen, dessen Satz, Berühmtheit an sich sei schon ein Kunstwerk, sie von nun an zu ihrem Motto macht. Sie selbst ist jetzt die Show, als sei sie wie eine blonde Scoence-Fiction-Königin Andy Warhols Factory entsprungen. Der Rhythmus ihrer Musik wird schneller, Synthesizer breiten Klangteppiche aus. „Just Dance“ heißt der erste Smash-Hit.
Nun ist für die 23-Jährige, die sich als „Fame Monster“ bezeichnet, die Zeit reif, Brücken hinter sich abzubrechen. Sie legt sich eine neue Handynummer zu und ist für alte Bekannte nicht mehr erreichbar, sie macht mit ihrem Freund Schluss, besucht schrille Clubs mit Drag Queens, knutscht mit Angela Jolie und bewundert Liza Minelli. Wie ihr Idol Warhol trägt sie Perücke und Sonnenbrille. Interviews gibt sie kaum mehr. Stattdessen zitiert sie Warhols Spruch, dass Kritiker immer Recht haben. Sie kultiviert weiter ihre Vorliebe für das Melodramatische und Monströse. Mit blutroter Farbe auf weißem Leib zelebriert sie an einem Haken das Ende ihres Lebens. Mit diesem Kunstbild sei es ihr möglich gewesen, lässt sie verlauten, sich von der eigenen Legende zu befreien.
Dass sie zum größten Pop-Star dieser Welt aufsteigt, konnte keiner ahnen, als sie sich den verrückten Namen gab und ein total irreales Image. „Doch was ist schon die Wirklichkeit“ fragt sie rhetorisch und fügt einen Satz hinzu, der Andy Warhol oder auch Joseph Beuys gefallen haben könnte: „Ich bin bloß ein Mädchen aus New York, das sich für den Erfolg entschieden hat. Jeder kann doch sein Potenzial ausschöpfen. Denn was wäre das Leben, wenn man sich nicht entscheiden könnte.“
www.lady-gaga.de/
Thomas Staiber
Lady Gaga, noch brünett, live at Lollapalooza 2007
Die erblondete Lady Gaga im neckischen Plastikblasenkleid
Lady Gaga, gesehen von David LaChapelle
Lady Gaga und die Kontraste: Eros trifft Thanatos
~ Thomas Staiber