Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Kühn, Axel Landesjazzpreis 2009)

Axel Kühn – Landesjazzpreisträger 2009
Nach Jazz Open in die Kiste
Ganz entspannt schmiegt sich Axel Kühn an seinen Kontrabass. Beim Spielen öffnet er leicht die Lippen. Bei besonders schönen Passagen lächelt er. Er scheint – fast wie ein Kind – völlig vertieft in sein Spiel. „Polarisation der Aufmerksamkeit“ nennen Pädagogen einen solchen Zustand, „Flow“ sagen die Psychologen. Gleichwohl ist Kühn höchst aufmerksam und reagiert traumhaft sicher auf musikalische Interaktionen seiner Mitspieler. Wenn man ihn mit seiner Band, dem Kühnett, oder als Sideman auf der Bühne erlebt, spürt man zuerst den tiefen warmen Klang des Kontrabasses, der eine geradezu wohlige Ruhe ausstrahlt. „Ja, Sound und Intonation sind mir sehr wichtig“, sagt der 28-Jährige im Gespräch. Gerade hat er den mit 15000 € dotierten Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg erhalten.
Die Begründung formulierte Jury-Vorsitzender Bernd Konrad, Professor an der Musikhochschule Stuttgart: „Der Bassist Axel Kühn gehört zu den Jazzmusikern in Baden-Württemberg, die im vergangenen Jahr durch einfallsreiche und kreative Aktivitäten auf sich aufmerksam gemacht haben. Mit seinem individuellen und meisterhaften Bass-Spiel sowie der Arbeit mit seiner Gruppe Kühntett zeigt er auch in seinen Kompositionen eine eigene, von Spannung und Dynamik getragene Klangsprache.“ Nun darf sich der bei Tübingen wohnende Axel Kühn zur Jazzelite des Landes zählen, in einer Reihe mit den Preisträgern der letzten Jahre: Bodek Janke (Schlagzeug/2008), Kristjan Randalu (Piano/2007), Torsten Krill (Schlagzeug/2006), Thomas Siffling (Trompete/2005) Jo Ambros (Gitarre/2004), Frank Kroll (Saxophon/2003) und Veit Hübner (Kontrabass/2003), Rainer Tempel (Piano/2002), Ralf Schmid (Piano/2001) und Patrick Bebelaar (Piano/2000), seinem Nachbarn in Kusterdingen.
Kühns Kompositionen und Bassspiel ist weit mehr als bloß „handwerkliche Gediegenheit“ zu bescheinigen. Fragt man die besten erfahrenen Jazzer der Region, ist deren Urteil einhellig: absolut sicher, sehr inspirierend, toller Sound.
Nach Kühns Auftritt beim Jazz Open im Bix, bei dem er in der eigenen Formation mit harmonischem Feingefühl, Geschmackssicherheit und verführerisch schönen Melodien bestach, konnte man ihn nun am Montagabend in der Kiste als Sideman erleben. Auch hier war er als Mitspieler „Everybodys Darling“, den Sängerin Anne Czichowski nach dem Konzert ein ums andere Mal herzte, dem Drummer Michael Kersting aus Berlin anerkennend den Arm um die Schulter legte und den Jam-Session-Chefin Gee Hye Lee (Piano) „wunderbar“ nannte.
Bevor Kühn sich ganz auf den Jazz fokussiert hat, spielte er als Gymnasiast E-Bass, machte Funk und Hiphop („Buchstabensuppe“). Das hört man seiner Sprache heute noch an. Kontrabassisten wie Ray Brown oder John Pattitucci findet er „geil“, ein gutes Solo etwa von Örsted-Pedersen hat ihn „geflasht“, Christian McBride „ist noch eine Schippe krasser“.
Das Kontrabassspiel schließlich hat Kühn bei seinem Onkel Paul Müller gelernt, einem Tübinger Jazzer. Studiert hat Kühn, nachdem er das Abitur in Göppingen abgelegt hatte, fünf Jahre an der Musikhochschule Stuttgart bei Prof. Mini Schulz. Der erkannte Kühns großes Talent, forderte und förderte ihn. Wenn Schulz selbst einmal verhindert ist, ersetzt ihn Kühn in der Band von Helen Schneider. Auch im Quartett von Klaus Graf durfte er schon einspringen. Überzeugt hat er jedes Mal. „Er gehört einfach dazu“, sagt Schlagzeuger Obi Jenne beim Konzert in der Kiste. Das ist bei der Qualitätsdichte und Konkurrenz der Jazzszene wohl das größte Kompliment. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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