Artikel geschrieben am: 01.01.70
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Eröffnungskonzert der 26. Stuttgarter Jazztage mit Herbert Joos, flh + tr, und Frank Kuruc, g. Merlin, 17.11.2005
„Einen bunten Reigen schöner Melodien“ versprachen augenzwinkernd die beiden Stuttgarter Jazzmusiker Herbert Joos und Frank Kuruc beim Eröffnungskonzert der 26. Stuttgarter Jazztage im Merlin. Recht sollten sie behalten.
Ein spanischer angehauchter Titel des Wiener Tenoristen Hans Koller stand am Anfang. Ein Strom heiserer Flügelhorntöne, gut mit Hall abgemischt und unterlegt vom warm und weich perlenden Saitenspiel des Gitarristen Frank Kuruc, füllte den Raum. Mit blitzlichthellen Akzenten durchsetzte Joos die Nummer und produzierte allerhöchste Gipfeltöne, als ob er eine Nebelschicht von Klängen durchstoßen würde. Die nächste Komposition stammte von ihm selbst. Der hochsensible Blechbläser, der Miles Davis verinnerlicht hat wie kaum ein anderer, offenbarte darin einen Hang zur Melancholie: glasklar, ohne einen Anflug von Weinerlichkeit.
Mit dem vielseitigen Saitenkünstler Kuruc hat er einen jüngeren Duopartner gefunden, der ihm entspricht, der mit leichter Hand begleitet und kongenial improvisiert. Gemeinsam ist beiden, dass sie sich als Jazzmusiker nicht schämen schön zu spielen. Nie allerdings plätschern sie im Traumboot der Liebe oder im Schaumbad billiger Harmonien. Ihre Klangflächen sind zwischendurch geschliffen scharf, in ihre Harmonien mischen sich raue Dissonanzen, und improvisierend begeben sich Joos und Kuruc gern einmal ins Freie. Als wollten sie so schwierige Aspekte des Lebens spiegeln. Doch umso intensiver wirken dann die schönen Momente. Als eine harmonische Erfüllung. Kuruc, Nachfahre böhmischer Musiker, kann wunderbar leicht swingen und bringt Fahrt in Nummern wie Freddie Freeloader von Miles Davis, ein Stück, das Joos so gern hat, oder Autumn Leaves. Die kleben hier nicht nass und tot am Boden, sondern stieben im Herbstwind lustig davon. Also: Ein zauberhafter Auftakt der Jazztage im Merlin. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber