Artikel geschrieben am: 01.01.70
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Veit Huebner + Frank Kroll. Landesjazzpreis 2003
Veit Hübner und Frank Kroll, die beiden diesjährigen Landesjazzpreisträger, sind echte Achtundsechziger. In diesem Jahr nämlich kam der eine in Stuttgart, der andere in Hildesheim auf die Welt.
Hübner wuchs als Spross einer Musikerfamilie mit ungarisch-böhmischen Wurzeln in Ravensburg auf. Mit sechs Jahren Klavier-, mit acht Cellounterricht (, was ihm heute im Arco-Spiel auf dem Kontrabass sehr zugute kommt). Der große Bruder Gregor - 1998 mit dem Landesjazzpreis ausgezeichnet - lernte Klavier und Geige. Die beiden Knaben bewunderten im Fernsehen die „Glenn Miller Story“ und gründeten sofort eine Dixieland-Band. Bei einem Workshop in Burghausen wurden sie dann mit dem modernen Jazz konfrontiert – für beide ein heilsamer Schock.. „Von nun an gab’s kein Halten mehr“, sagt Veit Hübner. Er wechselte definitiv zum Kontrabass, spielte – immer an der Seite Gregors – im Bel Art Trio, das 1987 auf Anhieb den Jugend-jazzt-Wettbewerb gewann. Es folgte das Abitur.
Das zweite einschneidende Erlebnis kam mit dem Umzug nach Stuttgart, wo er bei Prof. Lau Klassik und bei Thomas Stabenow Jazz studierte. Das „Landei“ aus dem Oberschwäbischen stand im Theaterhaus plötzlich als Bassist der Vorgruppe des Weltstars Al DiMeola auf der Bühne und erntete beste Kritiken. Seinen Hochschulabschluss meisterte er derart bravourös, dass er ein Stipendium in New York erhielt, das ihn mit dem Pianisten Richie Beirach zusammenbrachte. Eine prägende Begegnung, die übrigens auch Frank Kroll, der andere Preisträger machte.. Mit ihm gelang das, was Hübner sich immer erträumt hatte: die Verbindung von Klassik und Jazz, die große Form. Pianist Ralf Schmid, ein weiterer Landesjazzpreisträger, Ausnahmeschlagzeuger Thorsten Krill und er holten sich vor einem Riesenpublikum in Köln den Hennessy-Jazz-Preis 1999.
Und nun der Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg – im letzten Moment sozusagen, denn nächstes Jahr hätten Veit Hübner und Frank Kroll die Altersbeschränkung überschritten. Hübner ist nicht nur ein exzellenter, vielseitiger und musikantischer Begleiter am Kontrabass und traumhaft sicherer Notist, er profiliert sich seit Jahren mit einfallsreichen, anspruchsvollen und gefühlsstarken Kompositonen. Das schätzen die Musiker in der Region seit langem, nun weiß es auch die Öffentlichkeit. Und der jüngere hat endlich mit dem großen Bruder gleichgezogen – was für eine Familie!
Frank Kroll, der nicht in einer oberschwäbischen Kreisstadt wie Die Hübner-Brüder aufgewachsen ist, sondern in einer niedersächsischen, wo er im Musikverein die Klarinette blies und den es ebenfalls durch – heute von ihm belächelte - Glenn-Miller-Nummern zum Jazz hinzog. 1992 bestand er die Aufnahmeprüfung in Stuttgart und studierte bei Prof. Bernd Konrad im Hauptfach Saxophon. Auch Kroll erhielt ein Stipendium, lebte eine Zeitlang in den USA, wo er sich bei David Liebman (Saxophon) und – noch eine Koinzidenz - beim Pianisten Richie Beirach weiter bildete.
Dem Avantgarde-Jazz und der improvisierten Musik aus anderen Kulturen gilt Krolls Hauptinteresse. Bekannt wurde er durch seine Zusammenarbeit mit Landesjazzpreisträger Patrick Bebelaar (Piano) und die Gruppe Limes X. Im Bereich Klassik und macht Kroll gerade erste Erfahrungen: „Ein total spannendes Feld“, sagt der Böblinger Holzbläser. Während Veit Hübner mit den 6500€ Preisgeld sein Trio um eine hochkarätige Streichersektion erweitern will und sich so einen Traum erfüllt, finanziert Kroll damit die Kosten seiner letzten viel beachteten CD, dem „Hörtrip“ Landscape.
Veit Hübner und Frank Kroll sind in der Öffentlichkeit bislang beide als Sidemen, als sehr gute Begleiter, in ganz unterschiedlichen Formationen wahrgenommen worden. Mit dem zum 19. Mal verliehenen Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg ändert sich das: Endlich wird die Eigenständigkeit, das musikalische Potenzial, die Ausdrucksstärke und Zukunftsfähigkeit der beiden Musiker hervorgehoben. Völlig zu Recht.
Thomas Staiber
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber