Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Krill Jazzpreis06)
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Torsten Krill erhält im Theaterhaus den Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg 2006
Das Los von Schlagzeugern ist es, hinten zu sitzen und zu begleiten. Als Rhythmusknechte werden sie verspottet. Doch jetzt erhält einer dieser Zunft den Jazzpreis des Landes: Alles dreht sich an diesem Abend um Torsten Krill, der aus dem Hintergrund der Bühne in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist.
Werner Schretzmeier („Im Theaterhaus hat der Jazz Heimspiele“) mahnt die Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender für den Jazz an, Prof. Bernd Konrad von der Musikhochschule Stuttgart begründet die Vergabe des Preises, der dieses Jahr zum 22. Mal verliehen wird. Kunstminister Peter Frankenberg übergibt ihn schließlich dem strahlenden Sieger. Die Urkunde sei, sagt Frankenberg und zitiert Heine „der Lorbeer“, das bereits überwiesene Preisgeld von 15000 € „der Karpfen“.
Locker geht es zu auf der Jazzszene, es wird geschmunzelt und gelacht, und Schlagzeuger, Komponist und Produzent Torsten Krill, Jahrgang 1971, bedankt sich mit einer kritischen, charmant vorgetragenen Rede. Bevor er sich ans Drum-Set setzt, gibt der 28-jährige Pianist Kristian Randalu, der Zweitplatzierte, Proben seines Könnens.
Randalus Klaviertechnik ist derart stupend, dass die Vokabel „virtuos“ das meist benutzte Wort im Saal ist. Früher stellte er diese Technik noch mit einem Schuss Selbstgefälligkeit zur Schau, heute ist der in Karlsruhe wohnende Este reifer geworden und schält - rhythmisch raffiniert - den musikalischen Kern der Jazznummern heraus. Piano solo oder in seinem jungen Quartett.
Dann der Auftritt des ersten Preisträgers:
Torsten Krill lässt den Rhythmus marschieren - je nach Bedarf streichelzart oder knüppelhart - er lässt ihn Kapriolen schlagen, ausgelassen über Hindernisse springen, um traumhaft sicher und kraftvoll federnd in den ursprünglichen Takt zurückzufallen. So inspiriert er seine Mitspieler, die sich ohne ihn ihrer Sache nicht so sicher wären. Und was für Kollegen bevölkern die Bühne! Die beiden ehemaligen Landesjazzpreisträger Ralf Schmid, Piano, und Veit Hübner, Kontrabass, verstärkt durch den Ausnahmesaxophonisten Johannes Enders aus Weilheim, bilden mit Krill eine wirklich wichtige deutsche Jazzcombo. Mit dem Frimfram Collective, lauter ehemalige Studenten der Musikhochschule Stuttgart, wie Bernd Konrad stolz anmerkt – darunter Preisträger Jo Ambros an der Gitarre - bilden sie an diesem Abend ein ganz starkes Septett, das vor Spiellaune nur so sprüht und locker zeigt, auf welch hohem Niveau im Land Jazz gemacht wird. Junger sinnlicher Jazz mit schönen Perspektiven.
siehe auch: www.klangkueche.de
~ Thomas Staiber