Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Konrad Eclat)

Bernd Konrad: Stepping Stone. Eclat-Festival 01.02.05, Theaterhaus
Fünfundzwanzig Jahre Eclat – nun wird dem Festival Neue Musik Stuttgart der Geldhahn zugedreht. Ein kultureller Eklat. So empfindet es Bernd Konrad, seit zwanzig Jahren Professor für Jazz und Popularmusik an der hiesigen Musikhochschule. Die Bedeutung dieses Festivals für die Neue Musik sei groß, seine Steigbügelfunktion enorm. Wer auf dieser Bühne erschienen sei, habe auf der Szene einen guten Namen.
Der künstlerische Leiter Hans-Peter Jahn hatte den Jazzprofessor beauftragt, für 2006 eine Komposition zu schreiben. Plötzlich sei das Geld auf Konrads Konto eingegangen mit der Bitte, die Sache jetzt schon zu realisieren. Die Finanzierung und damit die Zukunft des Festivals stehe nach dem Rückzug des SWR in den Sternen.
Der Saxophonprofessor und Weltreisende in Sachen Jazz setzte sich an den Schreibtisch: In seiner Untertürkheimer Wohnung, zwischen all den gesammelten Holzblasinstrumenten, oder in seiner Heimatstadt Konstanz arbeitete er sechs Monate, zwölf Stunden täglich. Entstanden ist ein Opus Magnum, ein Werk für großes Orchester und Big Band mit Solisten. Das Radio-Sinfonieorchester dirigiert bei diesem Aufeinandertreffen zweier musikalischer Welten der Este Olari Elts, Konrad selbst wird die SWR Big Band leiten. Dabei tritt er solistisch als Saxophonist ans Mikrophon - um ein weiteres Mal zeigen, dass er zu den Großen seiner Zunft zählt. Herbert Joos an der Trompete, Günter „Baby“ Sommer am Schlagzeug und die Vokalistin Greetje Bijma aus Holland werden als weitere namhafte Jazzsolisten zu erleben sein.
Konrad sieht die Begegnung dieser beiden Klangkörper nicht als „gegenseitiges Stören“ (Festivalprogramm), sondern als ein Aufeinanderprallen, das in einen Akt des Verschmelzens und schließlich wieder zu einer Lösung führen soll. Dabei agiert die SWR-Big-Band im Stil der sechziger Jahre. Zum einen weil dieses Jahrzehnt in der Geschichte der Jazzorchester herausragt, zum anderen weil Konrad seine Komposition als Hommage an Martin Luther King konzipiert hat. Auszüge aus der berühmten Rede des gewaltlosen Vorkämpfers der schwarzen Bürgerrechtsbewegung wird Greetje Bijma vortragen: I Have A Dream. Konrad weist darauf hin, dass King Jazz liebte – ein Vorwort der Berliner Jazztage 1964 wurde übrigens von ihm verfasst - und dass er den Jazz als praktische Möglichkeit sah, Schwarz und Weiß zusammenzuführen.
Gespannt ist Konrad, wie die Improvisationsteile des ansonsten auskomponierten Stücks ausfallen werden. Er vertraut dabei auf die Spontaneität, auf die positive Energie der Musiker, eine Energie, die Bernd Konrad, 57, auf seine ruhige geschmeidige Art selbst in hohem Maße und für viele vorbildhaft ausstrahlt. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild