Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Katché, Manu 2008)

Manu Katché, ein Rhythmuskraftwerk,
23. 3. 2008, Bix
Mühsam bahnen sich Manu Katché und seine vier jungen Kollegen ihren Weg durch das dicht gedrängte Publikum im seit Wochen ausverkauften Bix. In der äußersten Ecke steht das Drum-Set. Da fühlt sich Katché wie der Fisch im Wasser und strahlt schon bei den ersten Schlägen auf Becken und Trommelfelle. Würde man ihn in extremer Zeitlupe aufnehmen, wäre sichtbar, wie rund und geschmeidig auch die härtesten Schläge sind. Und Katché hat einen ordentlichen Punch. Wie ein großes Rad treibt sein Rhythmus die Improvisationen an. Auch vertrackteste Metren spielt der 49-jährige Franko-Ivorer völlig locker. Die Beats, mit denen er seine Mitspieler beflügelt, klingen knackig und melodisch. Marcin Wasilewski, ein Jazzpianist aus Polen, faszniert mit temperamentvollem und glockenklarem Spiel, sein Landsmann Slawomir Kurkiewisz sorgt mit warmen Kontrabassklängen für Orientierung. Beide haben sich dank ihres Bandleaders in die europäische Jazzelite vorgespielt. Dahin gehören auch die Norweger Trygve Seim am Saxophon, immerhin der Nachfolger von Jan Garbarek, und Mathias Eick an der schlanken strahlenden Trompete. Beide überzeugen durch ein inspiriertes, unhektisches Spiel. Ihr Bläsersatz, vom Pianisten unisono begleitet, klingt – vielleicht weil so viel Hall beigemischt ist – wie von einem hohen Berg herübergeweht. Manu Katché, diesem Rhythmuskraftwerk, hat sichtlich Freude daran, es einmal richtig knallen zu lassen und nicht – wie im Studio – eher zurückhaltend zu begleiten. Wie begehrt er ist, zeigt die Liste derer, die sich seiner Dienste versichert haben: Sie reicht von Sting bis zu den Dire Straits, von Joni Mitchell bis Tracy Chapman. Doch im wie immer hervorragend akustisch eingerichteten Bix wird heute gejazzt. Alles vibriert vor positiver Energie, die von dem Mann am Schlagzeug ausgeht. Der scheint nicht Stöcke, sondern Zauberstäbe in den Händen zu halten, so magisch ist die Wirkung, die er erzielt. Ob bei beseelten Balladen oder rasanten Uptempostücken. Die Instrumente der Mitspieler beginnen zu singen, und wunderschöne Melodien blühen aus rohem Jazzmaterial auf: Dornen und Rosen, Scherben und Glück. Voller Aufmerksamkeit und Begeisterung folgen die Menschen wie im Sog dieser lebendigen Improvisationsmusik, die gemeinhin Jazz genannt wird.
Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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