Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Katché 2009 TH)
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Manu Katché- Playground und Anke Helfrich Trio, 1 .2. 2009, Theaterhaus T 1, 500 Besucher
Manu Katché war in der Stadt. Mit dem Jazzquintett Playground begeisterte einer der weltweit besten Schlagzeuger im großen Saal des Theaterhauses die über fünfhundert Besucher. Der 49-jährige Franko-Ivorer spielt so gut, dass internationale Popstars Schlange stehen, um ihn für Studioaufnahmen oder Tourneen zu gewinnen. Peter Gabriel, Sting, Tracy Chapman und viele mehr. Katchés Faible indes ist der Jazz. Auch da überzeugt er als genialer Rhythmusmann, nicht als triumphaler Egozentriker, der sich im Scheinwerferlicht sonnt. Katché wirkt wie ein Kraftwerk auf seine Mitspieler. Er vereint Kalkül und Gefühl. Kalkül, die für die Architektur der spannenden Kompositionen unerlässlich ist und Gefühl für das hochenergetische Spiel, Gefühl für knackige Drum-Sounds, Gefühl für vertrackte Metren und Asymmetrien, die mit erstaunlicher Präzision und Lockerheit bewältigt werden. Mit kolibriflinken Händen bedient er die Stöcke und produziert damit derart druckvolle Grooves, dass man meint, ein Güterzug donnere über die Bühne. Man hört und sieht, dass es für seine Mitspieler Matthias Eick, Trompete, Petter Wettre, Saxophon, Jason Rebello, Klavier, und Jérôme Regard, Kontrabass, die reine Freude ist, mit so einem zu spielen, von Manu Katché inspiriert und gefordert zu werden. Klar, dass der sich Spitzenkräfte zusammengetrommelt hat. Und die präsentieren sich auf dem Playground, ihrer Spielwiese, als formidabel eingespieltes Team in Hochform. Als Kollektiv und mit starken Solos spielen sie sich an die Tabellenspitze der europäischen Charts. Ihr Kapitän kommt aus Paris und trägt eine Kappe. Sein Name: Manu Katché.
Nach der umjubelten Zugabe bittet er die deutsche Jazzpianistin Anke Helfrich, ihren Schlagzeuger Dejan Terzic und Henning Sieverts (Kontrabass) auf die Theaterhausbühne. Die zum Oktett erweiterte Formation spielt zum Schluss „Number One“, eine begeistert aufgenommene Nummer. „Moving In“ hieß die bluesige Komposition von Anke Helfrich, die mit ihrem ausgezeichneten Trio den ersten Teil des Doppelkonzerts eröffnete. Helfrich – derzeit auf dem Februarheft des Fachmagazins „Jazzpodium“ zu sehen - tritt stets im Hosenanzug auf, um nicht als Sex Bomb vermarktet, sondern als Musikerin wahrgenommen zu werden. Trotzdem wurde ihr das nicht allzu intelligente Etikett „Der blonde Monk“ aufgeklebt. Der Zirkelschlag ihres Programms geht von Kurt Weills wunderbaren „September Song“ über starke Eigenkompositionen wie „Upper West Side“ bis zu einem Lied mit dem romantischen Titel „Sehnsucht“, das Sieverts sehr schön auf dem Cello begleitet. Die Frau mit der blonden Mähne versteht es, die Harmonien geschmackvoll aufzufächern, ihr Tastenspiel ist entschieden und elegant, ihre Improvisationen atmen und sind wohl geformt. Kein Wunder, dass Manu Katché es sich nicht nehmen ließ, das Anke Helfrich Trio auf seinen Playground zu bitten und so die Jazznacht gemeinsam ausklingen zu lassen. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber