Artikel geschrieben am: 13.12.09

Pablo-Held-Trio


Als Pablo Held zwölf war, erhielt er einen ersten Preis bei „Jugend jazzt“. Er war das, was man gemeinhin ein Wunderkind nennt. Elf Jahre sind seitdem vergangen, der Knabe von einst studiert Jazzklavier in Köln, hat ein eigenes Trio und bringt im Januar seine zweite CD mit dem schlichten Titel „Music“ heraus.

Bevor das Konzert in der Dieselstraße anfängt, bemerkt Pablo Held, dass die Band nicht wisse, welche Stücke sie spielen werde. Eins ergäbe sich aus dem andern. Kein schlechtes Konzept, um nicht in die Fallen der Routine zu tappen! Der junge Pianist tastet sich entspannt und behutsam ins Triospiel hinein. Er fächert leise ein paar Mollakkorde aus, ganz dem wohl temperierten Klang des Klaviers verpflichtet. Das Pedal benützt er grundsätzlich nicht. Roland Landfermann wiegt seinen Kontrabass im Arm und wiederholt ostinat eine minimale Klangfolge, bevor zum Bogen greift und mit warmen dunklen Tönen ein harmonisches Fundament einfärbt. Für rhythmische Hochspannung sorgen die anfänglich äußerst sparsam gesetzten Akzente von Jonas Burgwinkel am Schlagzeug. Erstaunlich, dass eine so junge Band derart leise und einfühlsam spielen kann. Doch ahnt man, wenn man die drei milchbärtigen Turnschuhträger sieht, dass es bei den leisen Tönen nicht bleibt. Auch als das Tempo angezogen und die Interaktionen heftiger werden, agiert das Trio wie ein gewachsener Organismus. Keine Egotrips, keine Vorführeffekte – auf die Musik kommt es an. Und die ist lebendig und atmet, auch als die ruhigen meditativen Klänge verdichtet, dynamisiert und in wilde Post-Bop-Bereiche hineingetrieben wird. Die zauberhafte Balance bleibt erhalten. Nun kommt der Rhythmus nicht mehr auf Samtpfötchen, sondern scharf und bissig daher, kraftvoll federt der Bass, und der Flügel klingt nicht mehr piano sondern forte. Man erlebt die Spielfreude von Musikern, die sich gern überraschen, traumhaft sicher reagieren und einander ebenbürtig sind. Bei rasanten Nummern mit virtuosen Läufen, treibendem Bass und einem Schlagzeug auf Hochtouren, bei einer geheimnisvoll klingenden Ballade wie „Forest Of Oblivion“, bei der Zugabe, einer ganz sachten und langsamen Improvisation über ein Thema von Olivier Messiaen, kurz: beim ganzen Konzert.

Anzumerken bleibt erstens: Der Jazz in Deutschland lebt. Und zweitens: Man muss kein Prophet sein, um dem Pablo-Held-Trio eine blühende Zukunft vorauszusagen.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild