Artikel geschrieben am: 01.01.70

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Jazzopen 2006 – Fazit
Glück gehabt! Petrus hat es mit dem 13. Jazzopen-Festival gut gemeint – er scheint tatsächlich Musikfan zu sein. Alle vier Open-Air-Abende wurden von Gewitterstürmen, die ja durchaus in der Luft lagen, verschont. Dem Publikum, das – vom letzten Abend abgesehen - recht zahlreich erschienen war, blieben Regressforderungen für ausgefallene Konzerte erspart, den Veranstaltern von Opus der Verzicht auf lukrative Fernseheinnahmen.
Ärgerlich: Die Hauptkonzerte waren wegen zu langer Umbaupausen und des Überziehens der Vorgruppen oft viel zu kurz. Und um 23 Uhr war Polizeistunde. Die von vielen als langweilig empfundenen Auftritte der Dicken Fische und von San Glaser etwa wurden von Willy-Rufen und dünnem Applaus begleitet, während Top Act Willy DeVille mit seiner mitreißenden Musik und seinem Goldzahncharme nur gut eine Stunde blieb. Da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr.
Und: Trägt das Festival den Namen Jazz zu Recht? Wenn „open“ nicht „unter freiem Himmel“, sondern „für andere Stilrichtungen offen“ heißt, ja. Die Pianosolo-Performance von Randy Newman mit seinen bitterbösen Texten und den süßen Harmonien bot eine der höchst seltenen Gelegenheiten, den genialen Songschreiber in Deutschland zu erleben. Joe Jackson danach fiel kein bisschen ab; er ist älter geworden, aber er hat durchaus noch den Biss, den seine stachligen, aber nicht unmelodiösen Tunes brauchen. Der Konzertauftritt von Nina Hagen mit dem Capital Dance Orchestra aus Berlin war schlicht sensationell. Die Dame wurde am Montag noch in Barcelona wie ein Weltstar gefeiert, am Freitag war das Stuttgarter Publikum aus dem Häusle. Auch OB Schuster ließ es sich nicht nehmen, der Dame seine Aufwartung zu machen.
Und der Jazz? Am Dienstag beim Tribute für Albert Mangelsdorff präsentierten sich Elke Balzer von Opus und Werner Schretzmeier im Theaterhaus Arm in Arm wie ein Traumpaar: Madame Pop und Mister Jazz. Wer den Theaterhauschef kennt, weiß, dass der unter allen Umständen die Kontrolle behalten will. Mal schauen, wie diese Kooperation verlaufen wird. Der Abend auf der Prag jedenfalls bot Jazz pur: einen Wolfgang Dauner in Hochform und einen sehr begabten, professionell eingestellten Posaunisten namens Nils Wogram. Wohl ein künftiger Duopartner des großen Stuttgarter Jazzpianisten.
Unten auf dem Pariser Platz, in dessen Glasfassaden sich nicht nur flüchtiges Gewölk, sondern auch die Macht des Kapitals spiegeln, war der Jazz Herbie Hancock vorbehalten. Auch Menschen, die dieser Sparte eher misstrauisch gegenüberstehen, hat dieser ruhelos Kreative im Sturm erobert hat: Ein ganz Großer hat da in Stuttgart Station gemacht. Und auch die etwas Kleineren, die Musiker aus der Nähe, kamen beim Jazzopen 2006 nicht zu kurz. Randy Newman hat seinen Hit „Short People“ bestimmt nicht für sie gesungen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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