Artikel geschrieben am: 03.11.10

Wolfgang-Haffner-Trio


Klangschlieren wabern durch’s Bix, als drei Männer in dunklen Anzügen auf Chucks die Bühne betreten. Die Computertöne werden leise und verstummen. Der akustische Jazz hält Einzug. Ein kraftvoller, empfindsamer, ein männlicher Jazz. Wolfgang Haffner, der gerade mit dem Echo Jazz 2010 ausgezeichnete Bandleader und Komponist nimmt am Drum-Set Platz und berührt die Felle der Trommeln mit bloßen Händen, und schon fängt der Rhythmus an zu rollen. Christian Diener begleitet ihn mit tiefen warmen Holztönen seines Kontrabasses, Herbert Nuss, ein exzellenter Pianist, tastet sich behutsam in den Klangraum hinein. „Round Silence“ heißt die jüngste CD des Trios, die vorgestellt wird. Die Tour startet in Stuttgart, führt nach Hamburg und Berlin und weiter nach Stockholm und Paris. Der Franke Haffner liebt Stuttgart und sein Jazzpublikum, seit er vor über zwanzig Jahren mit den Musikerlegenden des United Jazz & Rock Ensemble öfter im Theaterhaus gespielt und da „ganz besondere vibrations“ wahrgenommen hat. Inzwischen hat sich der von Albert Mangelsdorff entdeckte junge Mann zu einem der weltbesten Schlagzeuger entwickelt, der bei über vierhundert (!) Plattenaufnahmen den Rhythmus gemacht hat.

Der 45-Jährige muss niemand mehr zeigen, wie gut er ist. Auf Effekthaschereien verzichtet er völlig. Ihm geht es vielmehr um die Lebendigkeit dieser Improvisationsmusik, die man Jazz nennt, um deren melodische Schönheiten. Inzwischen hat das musikalische Miteinander Fahrt aufgenommen. Nuss, ein sehr kontrollierter Tastenkünstler, zeichnet feine melodische Linien, die er mit dynamischem Akkordspiel grundiert. Haffner hat zu den hölzernen Sticks gegriffen und treibt nun den Rhythmus kraftvoll vor sich her. Die Sache wird spürbar härter. Doch ist es eine Härte, die  geschmeidig daherkommt, eine Härte, die aus der Weichheit entstanden ist. Von Brutalität keine Spur. Wie ein großhubiger, rund laufender Motor wirkt Haffners Schlagzeugspiel. Unter schwungvollen Spannungsbögen erklingt das glockenhelle Piano und der tiefe warme Bass. Haffners Kompositionen scheinen aus der Stille zu kommen. Das gilt besonders für hauchzarte Balladen wie „Wordless“, aber auch für Up-Tempo-Nummern wie „Ride“. Sehr anrührend: „Star“, eine Nummer für den verstorbenen Keyboarder Joe Zawinul und „June 14th“, ein Lied, das Haffner unter dem Eindruck des schrecklichen Unfalltodes von Esbjörn Svensson, dem wunderbaren Jazzpianist aus Schweden, geschrieben hat. Die dicht gedrängt stehenden Menschen im Bix lauschen mit entspannten Gesichtern und leuchtenden Augen. Wie Kinder, die etwas Schönes erleben.

 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild