Artikel geschrieben am: 01.01.70

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Jazzmobil, 18.06.05 Jazzlounge (Hbf)
Ab und zu herzhafter Dixieland, eleganter Swing und knackiger Street Funk – das muss einfach sein, das tut einfach gut. „Makin’ Whoopee“ spielt Werner Forkels Jazzmobil: ein sexy Einstieg, der den Beginn des Trips nach New Orleans markiert. Der „Basin Street Blues“ aus den 20er Jahren darf da natürlich nicht fehlen, man denkt an Honky Tonks, Bars und Cabarets, „where the folks all meet“, voller Ragtime und Jazz, wie ihn der geniale Armstrong mit seiner Hot Five gemacht hat. Auch das Jazzmobil wird an diesem Samstagabend von fünf Musikern bewegt. Ein Kornett ist nicht dabei, aber ein Schlagzeug (Hans Fickelscher) und ein starker Holzbläser mit schwarz lackiertem Zehennagel (Uli Schwarz). Der Bandleader spielt auf dem viersaitigen Banjo, den sechs Saiten einer Birdland Gibson und auf den 88 Tasten des Jazzlounge-Klaviers. Den Ton aber gibt eine kleine temperamentvolle Sängerin mit runder, heller und kräftiger Stimme an. Die Französin Christelle Maechler bringt Leben und Sinnlichkeit in die Bude. „Unsere Kreolin“, nennen sie die Musiker, weil sie astrein englisch singt, französisch spricht -und fast ebenso gut deutsch. Singen kann sie alles: Duke Ellington („Creole Love Call“), B. B. King („The Thrill Is Gone“) ,Cannonball Adderley (“Mercy”) oder Herbie Hancock (“Cantaloupe Island”). Auch als Soul-Sängerin ist sie eine Wucht. Forkels Banjo swingt hell und fröhlich, das Sopransaxophon im Stil von Sydney Bechet steigt jubilierend in höchste Register, das Schlagzeug treibt den Rhythmus an wie einen Kreisel, während der Bass unverdrossen marschiert und die Zuhörer lächelnd mit den Füßen wippen. „When You’re Smiling“. Selbst beim Blues wird heute nicht Trübsal geblasen.
In der Pause vor dem dritten Set erzählt mir Werner Forkel, dass er mit anderen Jazzinitiativen (IG Jazz, Jazzcom, , AT Buch Julius, Jazz Society usw.) versucht, die zerklüftete Stuttgarter Jazzlandschaft zu harmonisieren, eine einheitliche Programmzeitschrift zu lancieren und Termine besser auf einander abzustimmen. Der promovierte Physiker (Fachgebiet Supraleitungen) hat beste Kontakte zu den meisten Jazzern, selbst zu zerstrittenen Parteien wie Pischl und Schulz. Dem frisch gebackenen Wirtschaftscoach und Mediator Forkel ist es also durchaus zuzutrauen, dass wieder alle – Profis und Amateure - an einem Strang ziehen, um den Jazz in Stuttgart wie einen lustigen Hampelmann zum Hüpfen und Tanzen zu bringen. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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