Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Jan Garbarek Group 19.11.2010 , LB)

Jan Garbarek Group, 19.11.2009, Forum, LB
Beim Gang über den Parkplatz vor dem Ludwigsburger Forum entdeckt man Autokennzeichen aus der ganzen Region. Während Jazzveranstalter sich sonst mit 100 verkauften Eintrittskarten zufrieden geben müssen, bevölkern nun etwa …. Menschen den großen Konzertsaal. Der norwegische Saxophonist Jan Garbarek - seit Jahrzehnten der wohl bekannteste Jazzmusiker Europas - hat von seiner Anziehungskraft nichts verloren. Im Gegenteil. Da der musikalische Wegbegleiter und enge Freund Eberhard Weber wegen einer schweren Krankheit seit zweieinhalb Jahren nicht mehr Bass spielen kann, musste die Jan Garbarek Group neu zusammengesetzt werden. Der in Portugal lebende Brasilianer Yuri Daniel, 43, bringt mit seinem Kontrabass südliche Töne ins Spiel. Und Marylin Masur, die quecksilbrige Perkussionistin aus Dänemark, wurde durch einen der weltweit besten Schlagzeuger ersetzt: durch Manu Katché, den 51-jährigen Franko-Ivorer. Geblieben ist einzig Pianist Rainer Brüninghaus, 60, der den Norweger seit vielen Jahren beflügelt. Der groß gewachsene Holzbläser steht in sich versunken und hochkonzentriert auf der Bühne. Er hält ein gebogenes Sopransaxophon, das in seinen Händen so klein aussieht wie ein Spielzeuginstrument. Doch welche kraftvollen Töne entströmen ihm! Sie füllen den Klangraum, die Menschen halten den Atem an. Garbarek – ganz in sich gekehrt – erreicht mit dem ersten Ton das Innerste der Zuhörer. Liegt das an der archaischen Folklore Norwegens, die ihn prägt? An der Unmittelbarkeit der Improvisation, wie Garbarek sie bei George Russell, dem im Sommer verstorbenen Erfinder des modalen Jazz, oder dem Trompeter Don Cherry so geschätzt hat? Schwer zu sagen. Ganz bestimmt liegt es daran, dass Garbarek seinen Ton, seine Musik gefunden hat, dass er absolut glaubwürdig wirkt. „Authentisch“ – dieses Wort hört man nach diesem intensiven Konzert immer wieder.
Yuri Daniel spielt durchaus wie einer, der von Eberhard Weber gelernt hat. Sein Bassspiel ist von einer elegischen Wärme, die sich, wenn das Tempo angezogen wird, zu einer südamerikanisch-temperamentvollen Glut erhitzen kann, mit der die musikalischen Abläufe befeuert und die Verhältnisse zum Tanzen gebracht werden. Und dazu der wunderbare Rhythmusmann Manu Katché, vielen von seiner monatlichen von arte ausgestrahlten Live-Sendung bekannt. Ihn zu erleben, mit welcher Geschmeidigkeit er zu Werke geht, wie seine Stärke sich aus der Weichheit entfaltet, ist schon ein Erlebnis. Garbarek ist mit sichtlichem Vergnügen bei der Sache und spielt altes Material und neue Kompositionen. Alles wie aus einem Guss. Thomas Staiber
Nachzuhören auf dem eben erschienenen Live-Album „Dresden“ (ECM)

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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