Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Hyman, Dick 06)
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German Jazz Trophy 2006: Dick Hyman.
Preisträgerkonzert 26.10.06 Sparda-Bank
Die Vielseitigkeit und Virtuosität des diesjährigen Preisträgers Dick Hyman sind wirklich faszinierend. Der heute 79-jährige Jazzpianist aus New York spielte die Ballade „A Child Is Born“ von Thad Jones in elf verschiedenen Stilen. Von Scott Joplin über Oscar Peterson bis Cecil Taylor. Spätestens seit diesem Album war klar, warum Art Tatum nur einen Nachfolger nennen wollte: Dick Hyman. Nun erinnerte man sich daran, dass der schüchterne junge Mann am Klavier einst in den Bands von Charlie Parker und Benny Goodman in die Tasten gegriffen hatte. Das Rampenlicht jedoch wurde ihm schnell zu grell, und er bevorzugte die Arbeit als Studiomusiker. Hyman spielte unter Pseudonymen Honky Tonk, er bediente die Hammond-Orgel und stellte als einer der Ersten einen Synthesizer aufs Klavier. Er machte soliden Rock und ließ beim Free Jazz die Fetzen fliegen. Bei hunderten von Alben mischte er so mit - als geschmackvoller Arrangeur und als vortrefflicher Pianist. Dann holte ihn Leonard Feather, der bekannte Jazzautor, auf die Bühne zurück und produzierte mit ihm eine Reihe von History-Of-Jazz-Konzerten. Im Zuschauerraum wurde ein ganz besonderer Jazz-Fan auf den Pianisten aufmerksam: Woody Allan. Für den schrieb Hyman von nun an Soundtracks: „The Purple Rose Of Cairo“, „Bullets Over Broadway“ und – besonders hübsch - „Sweet And Lowdown“.
Nun ist Dick Hyman 79 Jahre alt. Als Workshop-Lehrer in New York gibt er, wenn er nicht an einem Streichquartett komponiert, sein enzyklopädisches Jazzwissen weiter. Mit der spektakulären CD-ROM „Dick Hyman’s Century Of Jazz Piano“ hat er noch einmal seine Vielseitigkeit und seine Virtuosität unter Beweis gestellt.
Die letzte Europa-Tour seines Musikerlebens führt ihn am Donnerstag nach Stuttgart. Da wird ihm Prof. Erwin Lehn, 87, eine Skulptur von Otto Hajek überreichen: die German Jazz Trophy. Ausgelobt von der Sparda-Bank, der Jazzzeitung und der Kulturgesellschaft Musik und Wort. Nach Erwin Lehn, Paul Kuhn, Toots Thielemans, Wolfgang Dauner und Kenny Wheeler ist Dick Hyman der sechste Preisträger.
Freuen darf man sich auf dessen Konzert. Zusammen mit drei jüngeren Pianisten geht es in verschiedenen Formationen an die Besteigung des „International Stride Summit“. Stride, ein durchaus anspruchsvoller Klavierstil, wie ihn Jelly Roll Morton, Fats Waller oder Duke Ellington pflegten, sorgt mit rasantem Swing auch im 21. Jahrhundert für fröhliche Stimmung. Garantiert auch morgen (?) beim Preisträgerkonzert in der Sparda-Bank. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber