Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Herbolzheimer 70)

Big Band Leader mit Bass-Posaune
Peter Herbolzheimer zum 70. Geburtstag






Ende der 60er-Jahre verstand man in Deutschland unter Big Band den Sound der Rundfunk-Tanzorchester. Erwin Lehn, Paul Kuhn, Max Greger, Hugo Strasser und Kurt Edelhagen. Die Jugend gähnte und strömte in Konzerte von Frank Zappa, King Crimson, Keith Jarrett oder Chick Corea. Fusion war angesagt. Peter Herbolzheimer hatte den richtigen Riecher für die Innovation und schaffte es 1969, mit der Gründung von „Rhythm Combination and Brass“ Big-Band-Sound wieder cool und hip zu machen.









Peter Herbolzheimer weiß die Richtung bei der BuJazzO-Probe. Fotograf: Krieger






Herbolzheimer besetzte Rhythmus- und Bläserformation gleich stark, zahlenmäßig und qualitativ. Und aus seiner Feder sprudelten die Sounds von modernem Fusionjazz und Jazzrock. Damit sprach er die Sprache der jungen Generation. Doch nicht nur mit Rhythm Combination and Brass veränderte Herbolzheimer die deutsche Musikszene nachhaltig. Zwei Jahrzehnte später, 1987, wurde er Leiter des neu gegründeten Bundesjugendjazzochesters, BuJazzO. Am BuJazzO vorbei machen heute nur noch wenige Jazzmusiker Karriere – das Orchester ist inzwischen eine neidlos akzeptierte Plattform für junge Leute, die kurz vom dem Beginn ihrer professionellen Karriere stehen. Unter den „Ehemaligen“, die sich einen internationalen Namen gemacht haben, sind Musiker wie Till Brönner, Steffen Schorn oder Claudio Puntin.
Die Laufbahn des am 31. Dezember 1935 in Bukarest geborenen Peter Herbolzheimer ist – wie bei vielen seiner Generation – nicht so geradlinig wie die eines heutigen BuJazzO-Absolventen. Wie Albert Mangelsdorff lernte auch er zuerst Gitarre. 1951 siedelte er nach Deutschland über, dann folgten drei Jahre in Detroit, USA, wo er zunächst das Abitur machte und eine Ausbildung zum technisschen Zeichner bei Geneal Motors anschloss. 1958 begann Herbolzheimer ein Musikstudium am Konservatorium in Nürnberg, erst 1959 fing er an – hauptsächlich autodidaktisch – Bass-Posaune zu spielen. Die Posaune ist bis heute sein Lieblingsinstrument geblieben – vielen seiner Arrangements und Kompositionen ist das anzuhören.
Als junger Musiker spielte Herbolzheimer mit vielen Jazzern der Nachkriegsgeneration in den amerikanischen Clubs, darunter Heinz Koller oder die Mangelsforff-Brüder. Hier entstand sein Netzwerk aus erstklassigen Musikern, auf das er später als Bandleader immer wieder zurückgreifen konnte. Auch in seiner Funktion als Posaunist bei Bert Kämpfert lernte er entscheidende Musiker kennen, wie Herb Geller, die van Lier-Brüder oder Ack van Royen. Wie seine Kollegen aus der mehr swingenden BigBand-Fraktion fand auch er den Weg ins Fernsehen. 1976 bestritt er die ZDF-„Jazz-Gala“ mit Gerry Mulligan, Stan Getz, Nat Adderley, Toots Thielemans, Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner und Volker Kriegel. 1978 war der Beginn der langjährigen Zusammenarbeit mit Alfred Biolek bei „Bio‘s Bahnhof“.
Herbolzheimers unzählige Festivalauftritte, seine Schallplatten und Preise aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Würdigung sprengen. Am besten, er kommt selbst noch einmal zu Wort: „Ich werde seit 20 Jahren gefragt: ‚Big Bands, gibt es das noch?‘ Es gibt heute zwischen 4.000 und 5.000 Big Bands im Amateur- und im schulischen Bereich. Das glaubt Ihnen aber kein Mensch, denn verfolgt man die Medien, würde man meinen, es gibt nur eine Popwelt. Dabei gibt es ein Leben außerhalb dieser Gegebenheiten und das spiegelt zum Beispiel das Bundesjazzorchester wider.“
Andreas Kolb
Peter Herbolzheimer - Ein Porträt zum 70. Geburtstag

Die Dokumentation "Peter Herbolzheimer - Ein Porträt zum 70. Geburtstag" ist die erste umfangreiche filmische Aufarbeitung vom Leben und Werk des Musikers Peter Herbolzheimer. Zu sehen ist sie am 27. Dezember im WDR Fernsehen.
Kaum ein anderer Komponist der Gegenwart hat die Grenzen zwischen so unterschiedlichen Musikstilen, wie Jazz, Swing, Latin und Rock aufgelöst und zu einem eigenständigen Bigband-Stil entwickelt. Er gehört zu den herausragenden europäischen Arrangeuren und seine Rhythm Combination & Brass ist eines der langlebigsten Großensembles des europäischen Jazz. Die Dokumentation begleitet den fast 70jährigen bei seiner heutigen Arbeit, vom Arrangieren zuhause bis hin zum Reisen mit dem Bundesjugendjazzorchester und belegt mit vielen historischen TV-Aufnahmen sein Wirken und Schaffen, u.a. Bio´s Bahnhof, Harlem Story, Olympische Spiele 72 in München. Viele Zeitzeugen und Weggefährten kommen zu Wort, u.a. Alfred Biolek, Ack van Rooyen, Manfred Schoof, Udo Lindenberg und Till Brönner und geben ein genaues Bild vom Menschen und Musiker Peter Herbolzheimer. Sendetermin: WDR Fernsehen, 27.12.05, 24.00 Uhr
Peter Herbolzheimer - Ein Porträt zum 70. Geburtstag

Die Dokumentation "Peter Herbolzheimer - Ein Porträt zum 70. Geburtstag" ist die erste umfangreiche filmische Aufarbeitung vom Leben und Werk des Musikers Peter Herbolzheimer. Zu sehen ist sie am 27. Dezember im WDR Fernsehen.
Kaum ein anderer Komponist der Gegenwart hat die Grenzen zwischen so unterschiedlichen Musikstilen, wie Jazz, Swing, Latin und Rock aufgelöst und zu einem eigenständigen Bigband-Stil entwickelt. Er gehört zu den herausragenden europäischen Arrangeuren und seine Rhythm Combination & Brass ist eines der langlebigsten Großensembles des europäischen Jazz. Die Dokumentation begleitet den fast 70jährigen bei seiner heutigen Arbeit, vom Arrangieren zuhause bis hin zum Reisen mit dem Bundesjugendjazzorchester und belegt mit vielen historischen TV-Aufnahmen sein Wirken und Schaffen, u.a. Bio´s Bahnhof, Harlem Story, Olympische Spiele 72 in München. Viele Zeitzeugen und Weggefährten kommen zu Wort, u.a. Alfred Biolek, Ack van Rooyen, Manfred Schoof, Udo Lindenberg und Till Brönner und geben ein genaues Bild vom Menschen und Musiker Peter Herbolzheimer. Sendetermin: WDR Fernsehen, 27.12.05, 24.00 Uhr
31. Dezember 1935
Peter Herbolzheimer

Lange musste Peter Herbolzheimer nicht suchen. Bereits die dritte Station entsprach seinen Vorstellungen, zur zweiten kehrte er dennoch zurück, um die Erfahrungen aus der dritten zu vertiefen.
 
Peter Herbolzheimer überzeugte nicht nur als Musiker und Big Band-Leiter, sondern auch als Komponist und Arrangeur. Er war kompositorisch beteiligt an der Einzugsmelodie bei der Olympiade in München 1972, wofür er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und deren Verkaufserfolg ihm eine goldene Schallplatte einbrachte. 1974 erhielt er einen ersten Preis beim „Concours International des Thèmes de Jazz“ in Monaco für eine 12-Ton-Komposition, war 1977 Künstler des Jahres der Phono-Akademie und erhielt 1998 den Musikpreis der Stadt Frankfurt am Main.
Die Rede ist von seinem Weg, der ihn von seiner Geburtsstadt Bukarest in Rumänien über Deutschland in die USA und wieder zurück nach Deutschland führte. In den Vereinigten Staaten lernte Peter Herbolzheimer die Musik kennen und schätzen, der er dann in der damaligen Jazzwüste Deutschland zu Geltung verhalf. Bevor Peter Herbolzheimer als Person, bzw. bevor seine Statur auffiel, wurde sein Sound durch zahlreiche Radioproduktionen bekannt. Und wenn man seinen Sound kannte und dann die Person sah, wurde man sich einer merkwürdigen Übereinstimmung bewusst. Lange bevor das Wörtchen „fett“ im heutigen Jugendjargon gebräuchlich wurde, wurde Peter Herbolzheimers Big Band-Sound als „fett“ bezeichnet und zwar als den fettesten, der in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zu hören war.
 
Ein „fetter“ Big Band-Sound bedeutete, dass die Titel äußerst kraftvoll gespielt wurden, dass die Rhythmik analog auch kraftvoller ausgelegt wurde und dass ein virtuoser Gebrauch der Instrumente im Vordergrund stand. Darin bestand der Grundstein von Herbolzheimers Big Band „Rhythm Combination & Brass“. Sie folgte der musikalischen Entwicklung, der Verschmelzung von altbekannten Jazzelementen mit der aufkommenden Rockmusik. Am 31. Dezember 1935 wurde Peter Herbolzheimer in Bukarest als Sohn eines Kaufmanns geboren. Die Perspektivlosigkeit der Nachkriegsjahre im kommunistischen Rumänien veranlasste die Familie 1951 nach Westdeutschland überzusiedeln. 1953 sollte der Aufbruch in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten folgen. In der Motorcity Detroit machte er das Abitur und absolvierte danach bei General Motors eine Lehre als technischer Zeichner. Die Freizeit gestaltete er mit Auftritten in Nachtclubs oder unterrichtete Gitarre bei Wurlitzer, eines in großen Städten der USA vertretenen Musikinstrumentenhandels. Die Gitarre erlernte er autodidaktisch. 1957 kehrte Peter Herbolzheimer wieder nach Deutschland zurück, wo er in Nürnberg mit dem Musikstudium begann. 1959 wechselte er sein Hauptinstrument und spielte seitdem bevorzugt Posaune, um ab 1960 mit eigener Jazzband in amerikanischen Clubs aufzutreten. Über verschiedene Rundfunk-Ensembles in Hamburg und Berlin kam er Ende der 60er Jahre zur „Radio-Jazz-Group“ von Wolfgang Dauner beim damals noch Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. 1969 gegründete er seine eigene Big Band, die „Rhythm Combination & Brass“. Dieses Ensemble bestand aus exquisiten Solisten aus ganz Europa. Zahlreiche Platten wurden produziert -bis heute mehr als 30 Alben- , zahlreiche Konzerte mit Jazzgrößen -unter ihnen Albert Mangelsdorff, Dizzy Gillespie, Stan Getz und Gerry Mulligan- zogen begeisterte Zuschauer an und in zahlreiche Fernsehshows -Bio’s Bahnhof- übernahm die RC&B die musikalische Gestaltung. Peter Herbolzheimer überzeugte auch als Komponist und Arrangeur, war kompositorisch beteiligt an der Einzugsmelodie bei der Olympiade in München 1972, wofür er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und deren Verkaufserfolg ihm eine goldene Schallplatte einbrachte. 1974 erhielt er einen ersten Preis beim „Concours International des Thèmes de Jazz“ in Monaco für eine 12-Ton-Komposition, war 1977 Künstler des Jahres der Phono-Akademie und erhielt 1998 den Musikpreis der Stadt Frankfurt am Main. Kompositionen für Filme -Das Traumhaus- und TV-Serien -So leben sie alle Tage- bestimmten ebenso sein Schaffen der letzten 20 Jahre wie die Arbeit mit dem 1987 gegründeten BuJazzO (Bundesjugend-Jazzorchester), dessen Leitung er von Anfang an übernahm. Das BuJazzO wurde vom Deutschen Musikrat gegründet, um den qualifizierten musikalischen (Jazz-)Nachwuchs zu fördern. Peter Herbolzheimer, einer der profiliertesten deutschen Jazzmusiker, wird am 31. Dezember 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch vom hr.
 
(brma / vemo)


~ Thomas Staiber

Deko Füller
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