Artikel geschrieben am: 01.01.70

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Françoise Hardy: Tant De Belles Choses. Coralie Clément: Indécise. EMI
Im Westen nichts Neues? Doch. Françoise Hardy hat ein neues Album vorgelegt. Frag den Abendwind! „Tant de belles choses“ hat die 60-jährige Chanson-Ikone es genannt und Stimme und Stimmung haben sich seit ihren großen Erfolgen in den Sechzigern kaum verändert. Flaumleicht, melancholisch angehaucht, irgendwie zeitlos klingt das. „Un ange qui passe“. So sagen die Franzosen, wenn in einem lebhaften Gespräch unerwartet ein Moment der Stille eintritt. Françoise Hardy könnte so ein vorbeihuschender Engel sein, der uns flüchtig berührt und den wir – seltsam genug – nicht vergessen. Die Sängerin aus Paris singt von den Spuren des Lebens, von Idealen und Illusionen, von ihrer starken Verbundenheit mit der Natur und den Sternen. Ihr Sohn Thomas Dutronc (genau: der Papa heißt Jacques) spielt in ihrer Begleitband Gitarre. Und Benjamin Biolay, das Wunderkind der neuen französischen Pop-Musik, hat für die Grande Dame ein hübsches Lied -natürlich im Sambarhythmus - beigesteuert: A L’Ombre De La Lune.
Dessen kleine Schwester, die entzückende Coralie Clément, hat nach einem gefeierten Debütalbum - natürlich im Sambarhythmus – in diesen Tagen eine zweite CD mit dem Titel „Bye Bye Beauté“ veröffentlicht und präsentiert zwölf eigensinnige, drängende Pop-Songs. Die musikalischen Zutaten: hier ein scharfer Gitarrenriff, da eine jubilierende Mariachi-Trompete, ein Fender Rhodes, ein trockenes Schlagzeug und ein singender E-Bass (Daniel Lorca von der New Yorker Rockband Nada Surf). Mit hoher Stimme singt Coralie fast flüsternd, als würde sie Geheimnisse aus ihrem Tagebuch preisgeben, von zerbrochenen Idyllen, Höllenqualen und Mordphantasien. Das verströmt einen dunklen melodischen Charme und klingt oft wie eine späte französische Hommage an Velvet Underground mit ihrer kaputten Schönheit.
Am liebsten würde man dieses Mädchen, das da mit so lieber Stimme von so schrecklichen Dingen erzählt, umarmen, um sie in Schutz zu nehmen vor all dieser Kälte und Gewalt da draußen. Thomas Staiber


~ Thomas Staiber

Deko Füller
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