Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Haffner Wolfgang)

Wolfgang Haffner: Shapes, 4.10.2006 TH
Ein Trommelknecht sieht anders aus. Wolfgang Haffner, Deutschlands Schlagzeuger Nr.1, ein geborener Rhythmusmensch, ist einer, der sich in allen möglichen Kontexten wohl fühlt, allseits begehrt wegen seiner geschmeidigen Grooves. Albert Mangelsdorff hat den damals 18-jährigen Sohn eines Kirchenmusikdirektors in seine Gruppe geholt. Der inzwischen 40-jährige Drummer, in mehreren Bands reguläres Mitglied, hat bei 300 CDs mitgemischt: Hiphop, Bebop, Pop – alles dabei. Nun tritt der viel beschäftigte Sideman als Bandleader mit einem eigenen Projekt ins Scheinwerferlicht. Mit von der Partie sind zwei Musiker, die in Stuttgart groß geworden sind: Sebastian Studnitzky, Trompete und Keyboards, und Gitarrist Frank Kuruc. Der schwedische Bassist Lars Eriksson komplettiert die Nu-Jazz-Formation.
Die will die Hörer trotz melodiöser Eingängigkeit nicht für dumm verkaufen. Haffner und seine Kollegen machen angenehme Musik, bei der alles im Fluss ist. Schroffe Spitzen, scharfe Kanten hat ein stetig fließender Rhythmus weggespült. Das tut gut, könnte aber langweilig werden, gäbe es da nicht die subkutane Wirkung von raffinierten harmonischen Verschiebungen, rhythmischen Gegenläufigkeiten, überraschend eingeblendeten Versatzstücken. Großstadtgeräusche und süße Harmonien verdichten sich zu einer wohltuenden, aber durchaus spannenden Musik. Musik, die atmet. Doch im Unterschied zur neuen CD „Shapes“ gerät das Tourkonzert hart und rockig. Mit wuchtigen Trommelschlägen und zischelnden Becken treibt Haffner den Rhythmus vorwärts. Seine Härte ist aus der Weichheit entstanden; nie brutal, immer stark. Eriksson am E-Bass grinst. Er weiß, wenn er einsteigt, werden seine Bassfiguren der Sache gut tun, sie abrunden und ihr die nötige Tiefe geben. Sebastian Studnitzky bedient links das Keyboard, mit der Rechten hält er das Horn. Verhangene Trompetentöne öffnen den Klangraum, Melancholie weht herein. Frank Kuruc lässt über einer eintönig wabernden, elektronisch programmierten Klangfläche einen Gitarrenlauf aufblühen. Wie Heckenrosen an grauem Beton. In diesem Traumland sorgt der Rhythmus für Bodenhaftung. Haffner verkörpert das Realitätsprinzip. Schön, dass er so exzellent Schlagzeug spielt, so raffiniert und hübsch komponieren kann, so viel lächelt, lacht und strahlt. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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