Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Haffner - Neergaard, TH, 14.12.2009 StN)

Jazznight: Wolfgang Haffner Trio & Silje Neergaard mit Band, Theaterhaus T1, 14.12.2009
Die Hamburger Konzertdirektion Karsten Jahnke bringt Jazz der Spitzenklasse in deutsche Großstädte - auch nach Stuttgart, eine Stadt, um die manche Rock-, Pop- und Jazzveranstalter einen weiten Bogen machen. Das zeigt ein Blick auf die Tourneepläne vieler Bands. Am Montagabend fand wieder ein Doppelkonzert der Reihe „Jazznights“ im Stuttgarter Theaterhaus auf dem Pragsattel statt. Allerdings in der falschen Reihenfolge: Der Opener war deutlich besser als der Top-Act, um einmal die szeneübliche Begriffe zu benützen.
Schlagzeuger Wolfgang Haffner bestritt mit seinem Trio das erste Konzert des Abends. Haffner ist ein Glücksbub, dem das zufällt, worauf so viele andere vergeblich hinarbeiten. Auf rund vierhundert CDs hat er sich in die Champions League des Jazz getrommelt, alle Jazz- und Popgrößen wollen ihn als Sideman. Natürlich steckt dahinter viel Mühe und Arbeit, aber bei dem Franken, der letzte Woche vierundvierzig geworden ist, sieht alles so leicht und selbstverständlich aus, dass die Konzertbesucher unwillkürlich lächeln, wenn sie diesen Strahlemann spielen sehen. Dabei drängt er sich kein bisschen in den Vordergrund, er setzt nicht auf Vorführeffekte, sondern stellt sich in den Dienst der Musik. Sein Schlagzeug bedient er tiefenentspannt und hochkonzentriert, sein Spiel ist punktgenau und ökonomisch, das heißt, Überflüssiges lässt er weg. Damit gewinnt es an Strahlkraft und Dynamik. Wenn dann einer der weltweit besten Kontrabassisten mit tiefen warmen Tönen Rhythmus und Harmonie so schön verbindet wie Lars Danielsson aus Schweden, dann hat der Pianist im Trio natürlich leichtes Spiel. Hubert Nuss, seines Zeichens Musikprofessor in Köln, zaubert aufblühende Melodien auf Ebenholz und Elfenbein. „Round Silence“ heißt Haffners jüngstes Projekt, eine runde Sache ist auch dieses Konzert. Die Kompositionen des Ausnahmeschlagzeugers sind eingängig und mitreißend, Stücke voller Frische und Lebendigkeit. Die Lockerheit und positive Ausstrahlung des Steuermanns am Drum Set hat auch sie geprägt. Großer Beifall im gut gefüllten großen Saal T1.
An die Intensität dieser Triomusik reichte das anschließende Konzert von Silje Neergaard und ihrer Viermanncombo nicht heran. Was vorher als schön empfunden wurde, ist jetzt bloß noch nett und ganz hübsch. Die Eigenkompositionen der blonden Sängerin bewegen sich an den süßen Rändern des Kitsches und einige mittendrin. Da rümpft der Jazzpurist die Nase, gut gelaunte Pop-Freunde dagegen bejubeln jede Nummer. Wenn es nicht so teuer wäre, hätte die 43-jährige Norwegerin am liebsten das große Streichorchester ihres Arrangeurs Vince Mendoza mit auf die Tournee genommen. Das gießt auf der aktuellen CD „A Thousand True Stories“ musikalischen Zucker auf verträumte Lieder wie „Dreamers At Heart“ oder „While You Were Gone“, bis sie schmecken wie übersüßter Glühwein. Mit ihrer skandinavischen Pop-Band klingen sie etwas knackiger. Silje Neergaard im kurzen Kleidchen und mit weißen Stiefeln locker auf einem Barhocker sitzend, erzählt fröhlich vom Weihnachtsmarkt und Honigkerzen. Ihre Singstimme ist unverwechselbar, sie klingt hell und mädchenhaft ohne irgendein Intonationsproblem. Eindringlich singt sie sich durch ihr hübsches Programm, das durch eine finnische Harfe und Ukuleleneinlagen eine folkloristische Note erhält. Am besten gelingt „Dance Me Through The Dark“ und ihr alter Hit „My Heart Stood Still“, mit dem sie das Konzert eröffnet hat. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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