Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Günter Lenz06)

Am Dienstag, dem ersten Todestag von Albert Mangelsdorff , präsentiert Jazzopen im Theaterhaus zwei Tribute-Konzerte. Das erste mit seinem alten Freund und Kollegen Wolfgang Dauner, der im Duo mit dem Posaunentalent Nils Wogram zu erleben sein wird. Anschließend musiziert das legendäre Albert Mangelsdorff Quintett zu Ehren des großen Posaunisten, d e r Leitfigur des europäischen Jazz. Mit Mangelsdorffs langjährigem Bassisten Günter Lenz sprach Thomas Staiber.

Herr Professor Lenz, Sie haben mit Albert Mangelsdorff über vierzig Jahre in verschiedenen Formationen Jazz gemacht. Am Dienstag, seinem ersten Todestag, sind Sie im Theaterhaus beim Gedenkkonzert dabei. Mit gemischten Gefühlen? – Sicherlich. An seinem Todestag hatte ich Geburtstag, lag mit einem Trümmerbruch im Krankenhaus und konnte nicht einmal zur Beerdigung gehen. Ich habe Albert viel zu verdanken. 1961 nahm er mich als 22-Jährigen in sein Quintett. So hatte ich Gelegenheit, den zeitgenössischen Jazz zu ergründen und intensiv zu erleben.
Werden ausschließlich Mangelsdorff-Kompositionen gespielt? – Von Albert spielen wir „Certain Beauty“, sonst Kompositionen von Bandmitgliedern. Ich habe Albert „25th of July“ gewidmet.
Der Hessische Rundfunk leistet sich ein Jazzensemble, das Albert Mangelsdorff als Leitfigur des europäischen Jazz jahrzehntelang geprägt hat. Welche Rolle spielen Funk und Fernsehen heute für den Jazz? – Albert hat seine Mitspieler immer ermutigt, Eigenes in die Produktionen einzubringen. Und Menschen wie Joki Freund, Horst Lippmann, Uli Olshausen oder Günter Hottmann haben sich dafür engagiert, Jazz im Sinne der Avantgarde gegen konservative Kräfte durchzusetzen. Im Hörfunk ist der Jazz inzwischen aber auf abseitigen Sendeplätzen gelandet: nach 23h im Hörfunk, nach 1h im Fernsehen. Abstrus! Wo bleibt da die Verantwortung der Verantwortlichen?!
Welchen Stellenwert hatte Stuttgart für Albert Mangelsdorff? – In Stuttgart hatten wir, das AMQ, im Atlantik in der Büchsenstraße unser erstes Engagement außerhalb Frankfurts: einen Monat lang spielten wir von abends acht bis vier Uhr morgens. Wir sind dann jedes Jahr wieder gekommen. Vor treuen Gästen wie Gudrun Endress oder Dieter Zimmerle, die Albert als Solist zu den Formationen von Erwin Lehn und Wolfgang Dauner eingeladen haben. Und: Die Zuckerfabrik in Stuttgart war die Geburtsstätte von „Mood Records“, ein Label, bei dem Produktionen mit höchsten Ansprüchen verwirklicht wurden. Vom United Jazz & Rock Ensemble zum Beispiel.
Worin besteht für Sie Mangelsdorffs Vermächtnis? - Albert war stets ein Verteidiger neuer Ideen, einer, der sich der Avantgarde geöffnet hat. Dabei ging es darum und geht es heute nach 60 Jahren deutscher Jazzgeschichte darum, mit Können, Wissen und einem zuverlässigen Management, Visionen in die Praxis umzusetzen.






~ Thomas Staiber

Deko Füller
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