Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Gustavsen-Quartett 2010)

Ganz leise und zart beginnt auch das zweite Konzert, als würden ferne Klavierklänge in einer südlichen Nacht vom Wind hergetragen werden. Wehmütige Saxophontöne legen sich über den tragfähigen, weich fließenden Rhythmus dieser behutsam sich entfaltenden Musik. Es ist eine Musik, in der man sich geborgen fühlen kann wie einer, der aus der Kälte kommt in einen Raum, wo er sich geliebt und aufgehoben fühlt. Der norwegische Pianist, Komponist und Improviastionskünstler Tord Gustavsen hat sich mit seinem Jazzquartett der Entschleunigung verschrieben - wie Sten Nadolny im Roman, Christoph Marthaler im Theater oder Eric Rohmer im Film. Gustavsens Musik führt in Klangräume von unangestrengter Leichtigkeit und warmherziger Freundlichkeit. "Das ist aber eine schöne Einschlafmusik" - mit diesen Worten kommentierte ein Kind das Lied "Being There", als abends die CD aufgelegt wurde. Streichelsanft und höchst präzise bedient Jarle Vespestad das Schlagzeug, tief und voll begleitet Mats Eilertsen auf seinem dunkelbraunen Kontrabass. Neu in der Band ist Tore Brunborg mit seiner eindringlichen, aber nie kühlen Tenor- und Sopransaxophonstimme. Ein ruhiger Atem durchweht diese melodienselige Musik, in die sich die vier Norweger versenken. Sie speist sich aus vielen Quellen: es finden sich meditative Klänge darin, minimalistische Konzepte, der Impressionismus eines Debussy, eine kühle Tonfolge Griegs, skandinavische Folklore, warme iberische Töne, sogar süffige karibische Klänge, ein Löffel voll Blues und gelegentlich temperamentvoller sperriger Jazz, der ins Offene führt. Man kann das Tord Gustavsen-Quartett nur weiterempfehlen, damit aus Lesern Hörer werden.
Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

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