Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Greger jun)
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Max Greger junior im AT Buch Julius Musikpodium, 1. Juli 2005
So kann’s weitergehen. Die neue Jazz Location im Schwabenzentrum funktioniert in der Tat. „Unser großes Wohnzimmer“, freut sich Buchhändler Julius Pischl, einer der beiden Macher., und bringt einen Wurstsalat mit dem Prädikat „Emmer anders“ an die Theke. Bei der IHK hat Pischl gerade im Schnelldurchlauf einen Gastronomiekurs absolviert. Peter Haug, sein Partner, lässt zur Einstimmung eine seiner Revox-Aufnahmen aus dem alten AT laufen, Terry Gibbs, den Spitzenklöppler aus New York. Ansonsten tut Haug das, was er am liebsten macht: Er hält sich im Hintergrund und behält die Übersicht.
Das gute Dutzend Tischchen, um die sich rund fünfzig Gäste gruppieren, wird eingerahmt von Buchregalen. Darin finden sich ein Wanderführer „Schwäbische Alb“ und Eichendorff-Bände, die Frankfurter Hölderlin-Ausgabe und Essays von Paul Feyerabend. Für jeden etwas. An den Wänden hängt ein Ben-Webster-Bild von Herbert Joos und alte Jazzphotos von Wolfgang Dauner, Peter Trunk oder den Gebrüdern Kühn, die Jörg Becker vor fast vierzig Jahren im AT aufgenommen hat. Bei manchem Betrachter stellen sich unwillkürlich Ja-Damals-Gefühle ein.
Vorne auf der Bühne werden für die Band des Abends die Deckenscheinwerfer eingeschaltet. Max Greger junior, ein 54-jähriger Sonnyboy aus München, setzt sich strahlend an den Flügel, Max Kinker an das Drum-Set, Mini Schulz stellt sich hinter seinen Kontrabass, den er vor ein paar Jahren Buster Williams abgekauft hat. Das Konzert beginnt publikumswirksam mit einem Blues von Oscar Peterson. Der satte warme Holzton des alten Kontrabasses bildet die tiefe Gegenstimme zum entspannt perlenden, präzisen und geschmackvollen Pianospiel Gregers in der Nachfolge von Eugen Cicero. Der ausgesprochen dynamische Schlagzeuger aus dem Allgäu treibt den Rhythmus vor sich her, manchmal allzu heftig, und bringt mit spektakulären Soli das Auditorium zum Staunen. „My Little Suede Shoes“, eine feurige Latinnummer von Charlie Parker, ist der passende Einstieg für Klaus Graf, den besten Altsaxophonisten weit und breit. Erstaunlich, wie schnell diese Telephonband zu einer Einheit wird, wie unverbraucht und temperamentvoll die bekannten Lieder von Ellington, Jobim, Heft oder Adderley herüberkommen. Den vier Jazzern macht das Musizieren in diesem Rahmen sichtlich Freude, das Publikum taut schnell auf, swingt mit und dankt es dem Quartett mit begeistertem Applaus. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber