Artikel geschrieben am: 15.01.07

Michael Brecker

Im Alter von 57 Jahren erlag Tenorsaxophonist Michael Brecker in New York einer Leukämie-Erkrankung. Brecker, wohl der bedeutendste Saxophonist nach John Coltrane, war sicher einer der produktivsten populären Musiker überhaupt. Jazz, Funk, Soul, Pop, jede Menge Jingles – Brecker spielte alles. Treffsicher, punktgenau, virtuos. Ein Idol junger Holzbläser. Auf über sechshundert LPs und CDs hat der gut bezahlte Studiomusiker seine Spuren hinterlassen. Mit Frank Zappa, James Brown, John Lennon, Lou Reed und vielen anderen machte er Rock und Pop, Jazzer wie Chick Corea, Pat Metheny oder Gonzalo Rubalcaba wollten sich in ihren Bands von seiner Saxophonstimme inspirieren lassen. Und Mike spielte natürlich immer wieder mit seinem Bruder, dem Trompeter Randy Brecker, 61. Gelernt hat Mike, wie ihn alle riefen, bei diesen ungezählten Begegnungen eine Menge. „Ob du willst oder nicht“, pflegte er lachend hinzuzufügen. Wirklich beeinflusst aber haben ihn nur Wenige: die Beatles, Miles Davis und John Coltrane.

Während der 1949 in Philadelphia aufgewachsene Brecker in den 1970-er Jahren fast ausschließlich in New Yorker Studios arbeitete, zog es ihn später wieder in die Keller und Hallen, um die Live-Atmosphäre auszukosten. „Back to the roots“, nannte er das und legte los. Scharf geschliffen, klar konturiert, mit feinem Rhythmusgespür und starkem Klang, alle Freiräume nutzend. So wurde er zum meist kopierten Saxophonisten der 80er- und 90er-Jahre. Er kassierte elf Grammys, zwei davon erhielt er zuletzt für sein Werk „Wide Angles“, das er 2003 mit einer Fünfzehnmann-Formation namens Quindectet einspielte. Nach Auskunft seines Managers Darryl Pitt hat Brecker im letzten Jahr trotz seiner Krebskrankheit ein letztes Album fertig gestellt: sein musikalisches Testament. Breckers beste Aufnahmen erschienen erst von 1986 an unter seinem eigenen Namen. Fündig wird man im Plattenregal bei Brecker Brothers und auch bei Steps Ahead.

Als er wusste, dass er nicht mehr lange leben würde, rief er in Synagogen und bei internationalen Jazz-Festivals zu Knochenmarkspenden für andere Kranke auf. Und Tausende von Menschen antworteten. Michael Brecker lässt seine Kinder Jessica und Sam zurück, seine Frau Susan und seinen Bruder Randy. Mit ihnen trauern Musikfreunde in aller Welt.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild