Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Foster, Al 4.12.2009)

Al-Foster-Quartett 4.12.2009, Bix
Leicht gebückt, in einen langen schwarzen Mantel gehüllt, unter dem ein T-Shirt hervorleuchtet, mit einem Stirnband wie ein Indianer, so tigert Al Foster – gefolgt von drei halb so alten Jazz Cats – dahin, wo Jazzgeschichte geschrieben wird: hinter ein sparsam ausgerüstetes Schlagzeug. Jetzt kann man sehen, dass auf dem T-Shirt Miles Davis abgebildet ist. Der hat Foster vor vierzig Jahren weltbekannt gemacht. Da ist schon eine gewisse Dankbarkeit angebracht. „Der hat alles, was man von einem Drummer erwarten kann“, sagte einst Miles, feuerte einen Mann wie Jack DeJohnette und heuerte den Autodidakt Foster an.
Im Bix wird schlagartig klar, weshalb. Der 66-Jährige fasziniert mit einem unglaublichen Groove, der nicht mit dröhnender Lautstärke beeindrucken will, sondern durch eine aus dem musikalischen Zusammenhang gewachsene Stärke überzeugt. Foster wirbelt und wühlt den Rhythmus auf wie eine Schiffsschraube die See. Permanent brodelnd, mit überraschenden Akzenten und gegen den Strich gespielten Einwürfen wird die Sache voran getrieben. Hochspannung im Klangraum.
Leicht auszumalen, wie das die drei jungen Jazzer anspornt. Sie stehen mit einer Jazzlegende auf der Bühne und können zeigen, was sie drauf haben. Nicht wenig! Die Band kennt sich seit Jahren, ist bestens eingespielt und verfällt zu keiner Zeit in routinierte Floskeln. Foster spornt sie zu Höchstleistungen an. Da ist Eli Degibri – zuletzt mit Herbie Hancock auf Tournee -ein ganz starker Holzbläser aus Israel, der mit seinem scharfen Sopransaxophonton Leuchtspuren zieht und mit dem weichen warmen Tenor bei Balladen die Menschen im Bix zum Lächeln bringt. Hellwach und entspannt greift Adam Birnbaum in die 88 Tasten und beflügelt mit seinem perlenden Klavierspiel die Kollegen. Unaufdringlich aus dem Hintergrund verbindet das geschmackvolle Kontrabassspiel von Doug Weiss Rhythmus und Harmonie. Ohne je auftrumpfen zu müssen, dominiert der Bandleader das kompakte, aber emotionale Freiräume schaffende Quartettspiel. Dabei strahlt er, als sei schon Weihnachten. Bei geläufigen Bebop-Titeln und Souljazz-Standards, bei Miles-Davis-Nummern wie „So What“ und ansprechenden Originalkompositionen. Al Foster, das Herz der Band, sorgt für einen lebendigen Puls. Warmer Applaus für diese tolle Formation aus New York, die im Bix großen Jazz (aber leider keine Zugaben) bot. Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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