Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: Evans, Bill + Janke, Bodek 22.7.2010)
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Bill Evans & Robben Ford
global.dance.kulture feat. Olivia Trummer
Ein buntes Häuflein Unerschrockener in roten und blauen Capes hielt dem strömenden Regen in der Open-Air-Arena am Mercedes-Museum stand und machte mit der Vorgruppe gleich eine Entdeckung: Die Soul-Sängerin Kate Leahy („The Life Raft“) - eine australische Antwort auf unsere Eurovisions- und Bundes-Lena.
Im Hauptprogramm nimmt die Multi-Kulti-Truppe des Perkussionisten Bodek Janke die rund 200 Besucher mit auf eine temperamentvolle Musikreise. Der Faszination der universellen Sprache, die man Musik nennt, kann auch der Regen nichts anhaben. Ausgelassen und fröhlich bewegt sich das Tentett über lodernde, von Janke entfachte Rhythmen tänzerisch durch die Musikstile. Als ein Lied von der Elfenbeinküste angestimmt wird, reißt der Himmel auf, und die Abendsonne zeigt sich kurz. Die silberhelle Stimme der Pianistin Olivia Trummer findet im schnurrenden brummenden Basssaxophon von Steffen Schorn ihren reizvollen Widerpart, während die beiden anderen Sängerinnen tanzend ihrer Freude an dieser hochenergetischen und mitreißenden Musik Ausdruck geben. Die polyrhythmische Reise von global.dance.kulture führt in Jankes Heimat Polen, auf den Balkan, in die Türkei, nach Indien, Brasilien und immer weiter: lauter in einander übergehende Lieder wie „Ashanti“ oder „Merengowsky“ mit exzellenten Musikern und einem kräftigen Schuss Jazz.
Rein nordamerikanisch, aber nicht weniger mitreißend präsentierte sich der andere Top-Act in dieser verregneten Festivalnacht. Saxophonist Bill Evans und E-Gitarrist Robben Ford - beide früher Mitglieder der Miles-Davis-Crew - machen mit ihrem neuen Quintett einen stringenten Mix aus hartem Rock, bluesbetontem Funk und elaboriertem Jazz. Ein elektrisch verstärktes, fünfsaitiges Banjo gibt der Sache einen Anflug von Bluegrass, der allerdings mit betulicher Lagerfeueridylle nichts am Cowboy-Hut hat. Der heftige Cross-Over von Evans und Ford klingt eher urban. Den pumpenden E-Bass bedient ein Mann namens Étienne Mbappé aus Kamerun, Drummer Toss Panos bringt die Combo knüppelhart auf Hochtouren. Die produziert druckvolle stark verdichtete Nummern mit funkelnden Gitarrenriffs und außergewöhnlich starken Saxophonsolos ("Lateral Climb" oder "Celtic Junction"). Geradezu erholsam wirkt da die Ray-Charles-Ballade „Don’t Let The Sun Catch You Crying“, die Evans und Ford im Regen sehr laid-back und hübsch unterkühlt präsentieren. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber