Artikel geschrieben am: 01.01.70
--- (Datei: e.s.t.dvd)
---
e.s.t. live in stockholm, ACT DVD 9900-9
Wer etwa seit Weihnachten eine digitale Dolby-Surround-Anlage und einen DVD-Spieler sein eigen nennen kann und Wert auf gute Musik legt, dem sei e.s.t. live in Stockholm (ACT DVD 9900-9) wärmstens empfohlen. Mit acht beweglichen Kameras, ungewöhnlichen Details und nervösen Schnitten wurde ein umjubeltes Konzert von Europas herausragendem Jazztrio aufgenommen und mit 5.1.-Tonqualität ausgestattet. Als Zugabe zwei Videos („From Gagarin’s Point Of View“ und „’Round Midnight“) und ein Interview mit diesen drei bemerkenswerten Schweden, die Jazz präsentieren wie Popstars. Ein Hochgenuss für Augen und Ohren, Herz und Hirn.
Auch Besitzer einer schlichten Stereoanlage mit CD-Player können in den Genuss kommen, e.s.t. zwar nicht zu sehen, aber doch mit offenen Ohren zu rezipieren, ohne ihre Sinne vom optischen Reiz einer Light-Show vernebeln zu lassen. Soeben wurde das jüngste Album „Seven Days Of Falling“ (ACT 9012-2) von der englischen Tageszeitung „Times“ zur Jazz-CD des Jahres 2003 gekürt. Es zeigt Esbjörn Svensson (Piano), Dan Berglund (Kontrabass) und Schlagzeuger Magnus Öström auf der Höhe ihres Könnens. Der Zuhörer kann sich der Sogwirkung dieser verführerisch melodiösen und rhythmisch spannenden Musik kaum entziehen. Da ist Johann Sebastian Bachs kristalline Klarheit hineingeflossen, Maurice Ravels Konzept der nachhaltigen Steigerung, Thelonius Monks Verschiebungen und Auflösungen und Abdullah Ibrahims hypnotischer Jazz, aber auch die heftigen Ausbrüche eines Jimi Hendrix. Doch e.s.t. hat aus dem Steinbruch der Musikgeschichte nicht irgendwelche Teile herausgeschlagen und postmodern zusammengefügt, was nicht zusammen gehört, e.s.t. überzeugt und begeistert gerade mit homogener, punktgenauer, entschiedener und hochsensibler Improvisationsmusik. Viele nennen so etwas immer noch „Jazz“. Thomas Staiber
www.esbjornsvenssontrio.com
(Der nächste e.s.t.-Auftritt findet am 20. März 2004 im Ravensburger Konzerthaus statt.)
~ Thomas Staiber