Artikel geschrieben am: 19.04.05
DePhazz: Natural Fake. 19.04.05 TH
Lässig lässt man sich in eine Hängematte sinken, führt das Glas mit einem frisch gemixten Fruchtcocktail an die Lippen, eine leichte Brise lässt die Blätter der Palmen rascheln, das türkisblaue Meer rauscht, man schließt die Augen.
Die Musik zu dieser Ferienphantasie kommt aus der Stadt, in der viele – vor allem in lauen Sommernächten –ihr Herz verloren haben. Sie liegt nicht in der Karibik, sie liegt am Neckarstrand. Aus Heidelberg kommen die Chill-Out-Spezialisten von DePhazz, die ihr jüngstes und fünftes Album mit dem ironischen Titel „Natural Fake“ nun im Theaterhaus vorgestellt haben. Im Publikum gut vertreten: Vertreter der i-Pod-Generation, Adult-Pop-Anhänger, Cabrio-Fans. Nach des Tages Mühen sehnt man sich nach eingängigen Rhythmen, angenehmen Tönen, nach harmonischen Schallwellen, die wie flache Sinuskurven den Körper und möglicherweise auch das Hirn durchströmen.
DePhazz besorgt es ihnen. Mit Mambo und Rumba, mit Reggae-Dub und Soft Soul, sogar mit ein bisschen Jazz verwöhnt die Combo die 1500 Theaterhausbesucher. Gepflegt, stilsicher und groovy – ein reines Easy-Listening-Vergnügen. Von Edelkitsch sprechen da nur Spielverderber.
DePhazz präsentiert diese sämige Melange unter der Ägide von Pit Baumgartner, der als Begleitgitarrist im Hintergrund mit sanften Hüftschwüngen den Rhythmus vorgibt. Am Mikrophon vorne agieren zwei Black-Music-Vokalisten: Karl Frierson, charmant, aber hyperaktiv, und Pat Appleton, sein weibliches Pendant, die rundum eine gute Figur macht. Viel „natural“ und wenig „fake“ bietet die achtköpfige, sehr gut eingespielte Band. Bernd Windisch am E-Bass, ein ausgewiesener Computerfreak, drückt, während er oben slappt, unten diskret auf diverse Pedale: hier ein Sampelchen, da ein Loop – ohne Elektronik geht trotzdem nichts. Viele Nummern plätschern harmlos vor sich hin, ohne die Partygäste in ihrem Mitteilungsdrang zu stören, doch immer wieder mal wird die Musik erdig und der Rhythmus fett. Dann regiert der Funk, das Plaudern verstummt und die unbestuhlte Halle 1 gerät zum Tanzboden. Am Ende spielen sie „Make Heaven My Home“ und man begibt sich hinaus in den Stuttgarter Norden, hinaus in die Realität. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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