Artikel geschrieben am: 12.03.06

--- (Datei: Dauner-Bildermusik06)

Wolfgang Dauner – Musikbilder / Bildermusik, 12.03.06 Kunstmuseum Stuttgart
Das Konzept hat funktioniert. Gut vorbereitet, mit leichter Hand realisiert. Nach erbaulichen Reden von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, Akademierektor Ludger Hünnekens und Marion Ackermann, Direktorin des Kunstmuseums, erging sich das Publikum in einem Wald aus lauter Schnüren, an denen siebzig weiße Luftballons befestigt waren. Einundzwanzig dieser großen gasgefüllten Bälle wurden von Kindern, die eigentlich ein langweiliges Erwachsenenkonzert erwartet hatten, zum Klingen gebracht. Die anderen bewegten sich stumm auf und ab. So breitete sich nach und nach eine heitere Atmosphäre aus.
In einem Abstand von vierzehn Metern saßen sich auf erhöhten Podesten zwei Männer gegenüber: der weiß gekleidete Soundartist und DJ Arndt Wirth hinter seinem elektronischen Equipment und Wolfgang Dauner, schwarz gewandet mit weißem Hut, Zöpfchen und Sonnenbrille am neuen Flügel des Kunstmuseums. Auf die vertrauten Kompositionen (Über den Dächern von Stuttgart, Drachenburg, Transtanz etc.) des 70-jährigen Jubilars reagierte Wirth mit Geräuschen vom Band. Idyllisches Vogelgezwitscher, aber auch verfremdete Stimmen und heftige Schreie, die das Vernissagengeplauder der zahlreichen Gäste augenblicklich verstummen ließ.
Die Zahl Sieben und ihre Vervielfachungen strukturierten diskret die Performance, augenfällig dagegen wirkte ein harter Schwarzweißkontrast. Die Stahlplatteninstallation von Jannis Kounellis, die den weißen Raum begrenzt, entfaltete ihre volle Wirkung, als Gasdüsen darauf Flammen züngeln ließen. Dauners virtuos gespielte Jazznummern, deren Partituren von einem Beamer auf die Ballons projiziert wurde, präsentierte sich als gelungene Bildermusik: Musikbilder auf der Höhe der Zeit. Die Künstlerin Randi Bubat, Dauners Frau, hatte die Idee dieser „interaktiven Kollektivimprovisation“, dieser „temporären Raumskulptur“ mit Geschick und Gespür organisiert. Zeitgleich wurde die Boorcet-Edition von Dauners kalligraphisch wirkungsvollen Notationen herausgebracht und an einem Stand neben dem Museum-Shop nebst Around-Dauner-T-Shirts feilgeboten. „Dauner hören, Dauner sehen“ – sind die zehn Jubiläumsveranstaltungen überschrieben. Spötter sticheln, dass einem da mit der Zeit das Hören und Sehen vergehen könne. Die Performance im Kunstmuseum jedoch, die nach sieben Stunden, sieben Minuten und sieben Sekunden mit einem Flug der siebzig Ballone über den Dächern von Stuttgart ausklang, war ein spektakuläres Konzert- und Kunstereignis an einem hervorragenden Ort – im Herzen von Wolfgang Dauners Heimatstadt. Thomas Staiber


 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild