Artikel geschrieben am: 17.10.10
Michael Bublé, Porsche-Arena, 17.10.2010
Spektakulärere Einheizer als Naturally 7 hätte Michael Bublé als Vorgruppe kaum engagieren können. Die Männer aus New York begeisterten mit ihren A-Capella-Darbietungen die Leute in der Porsche-Arena. Erstaunlich, wie naturgetreu die sieben schwarzen Vokalartisten Instrumente imitierten, um über Hiphop- und Soul-Rhythmen mehrstimmig zu singen. „Eine Band ohne Band“. Das Glanzstück: „While My Guitar Gently Weeps“ von den Beatles.
Und dann – lang erwünscht, heiß ersehnt – betritt Michael Bublé die Bühne. Als Frauenschwarm und Schwiegermuttertraum in Personalunion. Ein Jubelschrei aus siebentausend Kehlen begrüßt den kanadischen Crooner. Der antwortet – vom dramatischen Sound einer bärenstarken Bigband unterlegt – mit einem Fluss von Tränen: „Cry Me A River“. In seinem adretten Maßanzug sieht der 35-Jährige ein wenig aus wie Oliver Bierhoff. Aber was für eine Stimme ertönt da, wenn er loslegt! Frisch, ungekünstelt, vibratolos und absolut intonationssicher füllt sie die effektvoll ausgeleuchtete und bestens beschallte Arena. Bublé genießt es offensichtlich, im Mittelpunkt zu stehen und die positive Energie der Menschen in sich aufzunehmen. Die verwandelt er in gute Laune und erzählt dem Englisch verstehenden Publikum lustige, alberne und nicht ganz jugendfreie Geschichten. Gelächter allenthalben. Beim Singen gibt Bublé alles. Bei „All Of Me“, dem Standard aus dem großen amerikanischen Songbook, lässt sich seine kraftvolle Stimme vom elastischen Swing des 13-köpfigen Jazzorchesters beflügeln und holt das Liebeslied - genauso wie kurz darauf die Weill-Komposition „Mack The Knife“ - aus den 30-er Jahren in die Gegenwart. Für viele junge Fans im Publikum ist das die erste Begegnung mit Jazz. Der smarte Sänger fungiert als musikalischer Türöffner und Horizonterweiterer. „Geil!“, entfährt es einem 13-jährigen Gymnasiasten, als sein derzeitiges Lieblingslied „Everything“ erklingt, das er auf youtube schon so oft mitgesungen hat. Seine Eltern freuen sich und fallen in den vieltausendstimmigen Chor ein. Um nicht im Schnulzenschmalz zu versinken, frischt Bublé mit rasanten Nummern aus Jazz, Soul und Pop das Repertoire auf. Umso mehr gehen dazwischen süße Balladen wie „Crazy Love“ oder „You Don’t Know Me” zu Herzen. Bublé hat bestimmt keine so markante Stimme wie Van Morrison oder Ray Charles, aber seine glänzend arrangierten Interpretationen sind gefühlvoll und klar. Die New York Times bescheinigt dem 35-jährigen Fischersohn, er „tropfe förmlich vor Starqualitäten“. Manche sehen in Bublé gar einen neuen Sinatra. Bewundernswert ist es allemal, wie er generationsübergreifend die Menschen mit seiner melodienseligen Musik begeistert. Mit einer Michael-Jackson-Einlage, mit einem ausgelassenen „Twist And Shout“, mit Riesenbällen und Konfettiregen werden sie von Bublé und seinen Musikern bestens unterhalten. Bevor es wieder hinausgeht in die kühle herbstliche Nacht. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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