Artikel geschrieben am: 17.10.10

--- (Datei: Bublé Text EZ)

Michael Bublé, Porsche-Arena, 17.10.2010
Ein Jubelschrei aus siebentausend Kehlen erschallt, als der riesige Gazevorhang der Porsche-Arena sich langsam öffnet und Michael Bublé im Scheinwerferlicht die Bühne betritt. Ein dreizehnköpfiges Jazzorchester intoniert mit großer Klangfülle „Cry Me A River“, und der 35-jährige Crooner hebt zu singen an. Seine frische jugendliche Stimme, beflügelt vom satten Sound der Bigband, strahlt wie ein sonniger Morgen, und manches Frauenherz schmilzt dahin. Bublé, Traum zahlloser Schwiegermütter, bekennt zu Beginn der beiden Konzertstunden, die wie im Flug vergehen, er habe sich jüngst mit einem argentinischen Model verlobt und stellt klar, dass das Gerücht, er sei schwul, nicht stimme. „Und wenn, wäre ich stolz darauf.“ Ganz offensichtlich genießt es der gut aussehende Mittdreißiger, im Zentrum des Interesses zu stehen. Er spielt mit dem Publikum wie mit einem Kind, das er zum Lachen bringt, so oft er will, und mit seinen Liedern anrühren und begeistern kann. Wenn er singt, gibt Bublé alles. „All Of Me“, den Jazz-Song aus den 1930-er Jahren, holt er in die Gegenwart, genauso wie eine hübsche Version der Weill-Moritat von Mackie Messer. Und die Bigband swingt dazu. So erleben viele junge Fans in der Halle durch den coolen Bublé ihre erste Begegnung mit dem Jazz. Ein Verdienst, das ihm Jazzer hoch anrechnen werden. Bublé meint, dass sich zwischen Techno-Gestampfe und Motherfucker-Geschrei eine Sehnsucht nach schönen Liedern entwickle. Die erfülle er nun, so gut er könne. Mit elastisch federndem Swing und schönen Melodien aus dem Great American Songbook, mit eingängigen Pop-Songs wie „Heartache Tonight“ von den Eagles oder mit einer schlanken Akustikversion der Beatles-Komposition „I Saw Her Standing There“. Eingestreute Uptempo-Nummern verhindern für Bublé die Gefahr, im Schmalz von Schnulzen stecken zu bleiben und als Kitschsänger den Respekt von Musikfreunden zu verlieren. Umso anrührender wirken dann süße Balladen wie das von Ray Charles bekannte „You Don’t Know Me“ oder „Crazy Love“ von Van Morrison. Solche zu Herzen gehenden Songs präsentiert Bublé in neu arrangiertem Gewand. Er singt sie nicht so markant wie seine Vorbilder, aber seine Stimme klingt gefühlvoll und klar. Herz, was willst du mehr? Die New York Times schwärmt von den Starqualitäten dieses charmanten Entertainers und Sängers in den höchsten Tönen. Manche nennen ihn gar den neuen Sinatra. Eine Viertelmillion Menschen hat seit 2003 seine Live-Auftritte besucht. Die siebentausend im Oval der Stuttgarter Porsche-Arena haben ihr Kommen gewiss nicht bereut. Außer einem „bunten Strauß schöner Melodien“ wurde auch einiges geboten. Eine Michael-Jackson-Show-Einlage beispielsweise, ein ausgelassenes „Twist And Shout“, effektvolles Licht, bester Sound, jede Menge lustiger (und manchmal nicht jugendfreier) Anekdoten, kurzum: Es war ein sehr unterhaltsames Konzert, das unter Konfettiregen und lautstarkem Jubel mit dem programmatischen „Feeling Good“ zu Ende ging. Für viele Besucher war Naturally 7, die Bublé als Vorgruppe engagiert hatte, eine positive Überraschung. Die sieben schwarzen A-Capella-Musiker aus New York heizten dem Publikum mit erstaunlichen Instrumentenimitationen, mitreißenden Hiphop-Rhythmen und dem Wohlklang ihres mehrstimmigen Chorgesangs ordentlich ein. Besonders gelungen: "While My Guitar Gently weeps" von George Harrison. Nach einer Dreiviertelstunde aber hieß es: Bühne frei für Michael Bublé! Thomas Staiber


 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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