Artikel geschrieben am: 28.02.06
Françoiz Breut / Mathieu Boogaerts 28.2.06 Theaterhaus
Die Nouvelle Vague des französischen Chanson schwappt über den Rhein zu uns.
Durch die Quotenregelung von 1982 für Radiosender in Frankreich, wonach mindestens 40 % der Lieder französisch gesungen und wenigstens 20 % neue Produktionen sein müssen, blüht die Musikszene in unserem Nachbarland. Jahraus, jahrein. Zur Freude der 3000 Franzosen, die in Stuttgart wohnen, zur Freude auch der Frankophilen traten nun Françoiz Breut und Mathieu Boogaerts im Theaterhaus auf und stellten – wie üblich - ihre jüngsten CDs vor.
„Michel“ heißt das neue Werk des 35-jährigen Sängers aus Paris. Der ist ein Minimalist, ein Tagträumer, ein Vagabund. Bloß mit einer E-Gitarre kommt er auf die große schwarze Bühne und wirkt wie von seiner Band allein gelassen. Er möchte das Beste daraus zu machen, aber der Sound bleibt dünn. Boogaerts gibt sich wie ein selbstverliebter Animateur auf einer Kinderparty. Seine Lieder erzählen schlichte Alltagsgeschichten, sein Umgang mit der Sprache: spielerisch, manchmal vulgär. Musikalisch liegt ihm die Skizze, doch rhythmische Raffinesse deutet er nur an. So ein Konzept kann nicht tragen.
Françoiz Breut („Une Saison Volée“) kommt mit nur einem Begleiter aus, dem Belgier Boris Gronenberger, der eine E-Gitarre, ein kleines Drum-Set, ein Xylophon und einen Computer bedient. Nun füllt sich der Klangraum, und die Musik gewinnt an Fahrt und Substanz. Mit Alltagsgeräuschen, dem fetten Beat einer Basstrommel, dem rhythmischen Auf und Ab der Hi-Hat und einer Shadows-Gedächtnis-Gitarre. Endlich spürt auch der Körper die Musik, eine rund laufende, abwechslungsreiche Musik. New Pop, Trip Hop und Noise Art treffen hier französisches, amerikanisches und spanisches Liedgut. Dargeboten von einer richtig guten Sängerin, für die Leute wie Joey Burns von Calexico, der Spanier Jaime Cristobal und ihr Ex-Freund Dominique A starke Songs geschrieben haben. Die dunkelhaarige Vokalistin wiegt sich ein bisschen in den Hüften, und ihre dunkle glühende Stimme verströmt einen Hauch unangestrengter Sinnlichkeit. Sie singt französisch, englisch und spanisch. Und beim Publikum bedankt sie sich strahlend auf Deutsch. So vertritt die in Brüssel lebende junge Frau die aktuelle französische Musikszene - intensiv, weltoffen, sympathisch. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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