Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: Brecker, Michael Pilgrimage)

Michael Brecker: Pilgrimage (Universal Music 060251726351) VÖ: 25. 05. 2007
Ein ganz außergewöhnliches Jazzalbum ist anzukündigen: Mit „Pilgrimage“ hat uns der große Tenorsaxophonist Michael Brecker als Todgeweihter sein Vermächtnis hinterlassen.
2005 wurde bei Brecker MDS, eine bösartige Knochenmarkserkrankung, diagnostiziert. Als sich kein Spender fand, wurden ihm Stammzellen seiner Tochter transplantiert. Kurze Zeit ging es ihm besser, bevor er nun am 13. Januar sterben musste. Diese Zeit nutzte Michael Brecker für einige öffentliche Auftritte und ein letztes Jazz-Album.
Im Studio fand sich die Crème des heutigen Jazz ein: Pat Metheny (Gitarre), die Pianisten Herbie Hancock und Brad Mehldau, sowie John Patatucci (Bass) und Jack DeJohnette (Schlagzeug). Sie begleiteten Michael Brecker auf seiner letzten musikalischen Reise. Dabei verausgabte der sich total, und nur seinem unbeugsamen Willen war es zu verdanken, dass „Pilgrimage“ fertig gestellt werden konnte.
„Es war eines der unglaublichsten Dinge, die ich – und alle anderen, die dabei waren – je erlebt habe“, berichtet Pat Metheny, Breckers Freund und Weggenosse seit „80/81“, dem legendären ECM-Album. Die neun Kompositionen, die Michael Brecker für dieses Album schrieb, sind Stationen am bewusst erlebten und durchlittenen Ende eines Musikerlebens. Man hört dabei aber keineswegs einen schwachen Kranken wie einen müden Schatten seiner selbst, sondern einen Künstler auf dem Zenit seines Könnens, der sich in einer unfassbaren Willensanstrengung noch einmal aufbäumt, um ein letztes Mal aufzublühen - wie es Agaven tun, bevor sie sterben.
„When Can I Kiss You Again“ heißt eine ruhig fließende, ergreifende Ballade, die Brecker schrieb, nachdem ihm sein Sohn Sam eben diese Frage gestellt hatte, als jeglicher physische Kontakt im Krankenhaus untersagt worden war. „Tumbleweed“ heißt ein anderes glühendes Stück Jazz, das mit einem rasanten Saxophonpart seinen triumphalen Höhepunkt findet. Bei den Aufnahmen im Studio herrschte eine, wie DeJohnette sagt, „feierliche, spirituelle Atmosphäre. Trotz seiner Krankheit oder gerade deswegen gelang es Brecker, der ja als Sideman mehrere hundert Alben aufgenommen hat, neue musikalische Gipfel zu erklimmen. Dem nahen Tod trotzte er etwas sehr Konstruktives ab.“ Und Brad Mehldau: „Diese Musik klingt vollkommen nach ihm: dicht, drängend, melodisch und rhythmisch – sie ist ein einziges, riesiges kreatives Statement.“
Thomas Staiber

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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