Artikel geschrieben am: 29.01.09
Donnerstag, 29. Januar 2009
BIX Jazzclub & Lounge – Beginn 20:00 Uhr
Wigald Boning & Band
Police in Dub feat. Ranking Rodger: “DubXanne”
Zum Auftakt des boomtown jazzfestival stuttgart 2009 kommt mit Wigald Boning ein Musiker zum Zug, der die aktuelle Debatte um die Kultur im deutschen Fernsehen mit einer Perspektive bereichert, die das scheinbar Gegensätzliche, hier namentlich die Liebe zur Jazzmusik und große TV-Popularität, in seiner Person zu vereinbaren weiß. Im Rahmen seiner Deutschland-Tournee wird der als Komiker und Moderator in den 90er Jahren einem großen Publikum bekannt gewordene Bühnenallrounder im BIX Jazzclub die Songs seines aktuell beim renommierten Label Compost erschienenen Albums „Jet Set Jazz“ vorstellen, mit dem er sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt hat. Denn Anfang der 80er Jahre – unter Einflüssen wie dem Free Jazz eines Albert Ayler und den Acts der No-Wave-Bewegung wie Arto Lindsay, DNA oder David Moss stehend – beginnt Boning seine Bühnenlaufbahn zunächst als Sänger in Punkjazzbands. Mit der vierköpfigen Formation KIXX, der unter anderem sowohl der heute als Schauspieler reüssierende Trompeter Lars Rudolph als auch der Schlagzeuger Jim Meneses angehörten, kommt es 1983 zu ersten öffentlichen Auftritten. Es folgten Tourneen durch halb Europa und die Aufnahme mehrerer Tonträger. Nach einigen Solo-Veröffentlichungen zwischen 1989 und 1991, die nur auf geringe Resonanz stießen, entschloss sich Boning, seine professionelle Karriere als ’recording artist’ vorerst zu beenden. Als Mitglied der Stammbesetzung der legendären Comedyshow „RTL Samstag Nacht“ kam 1994 stattdessen der große Durchbruch für Wigald Boning als Comedian: Grundbestandteil der Show waren Auftritte des Duos Die Doofen, in dem Boning gemeinsam mit Olli Dittrich Körpergerüche, Toastbrotbabys und Segelohren besang. Die dazugehörige CD „Lieder, die die Welt nicht braucht“ verkaufte sich 1995 über eine Million Mal und verharrte 20 Wochen lang auf Platz 1 der Charts. Seit Mitte der 90er Jahre konzentrierte sich Boning mehr auf seine TV-Karriere und feierte dort mit Formaten wie der „WIB-Schaukel“ (ZDF) und „Clever! – Die Show, die Wissen schafft“ (SAT.1) weiterhin große Erfolge: neben Auszeichnungen wie dem ’Bambi’ und dem ’Goldenen Löwen’ erhielt er bereits zweimal den ’Adolf-Grimme-Preis’. Mit „Jet Set Jazz“ erfüllt sich Wigald Boning nun einen Jugendtraum, nämlich die Veröffentlichung einer Instrumentalplatte mit dem Ziel, Musik zu produzieren, die sich auf seinen langen Fahrten zwischen Bernbeuren, seinem Wohnort im Allgäu, und dem Münchener Flughafen möglichst gern, oft und verschleißarm hören lässt. Zu diesem Zweck hat er sich erneut mit dem Münchener Pianisten Roberto di Gioia („Marsmobil“) zusammengetan, auf dessen Album „Strange World“ er bereits 2003 an der Flöte zu hören war. Gemeinsam sind sie für die Kompositionen und Arrangements der Songs auf „Jet Set Jazz“ verantwortlich, wobei Wigald Boning sämtliche Blasinstrumente und Gesang beisteuerte, während Roberto di Gioia Keyboards, Saiteninstrumente sowie die Schlagzeugspuren einspielte und die Produktion besorgte. Als Gaststimmen sind ferner Martine-Nicole Rojina („Marsmobil“) sowie das französische Top-Model Alexa de Puivert zu hören. Bereits vor der Veröffentlichung hat „Jet Set Jazz“ einiges an Presseresonanz erfahren: so widmete etwa Jazz thing die Coverstory seiner aktuellen Ausgabe dem neuen Album von Wigald Boning. Die Band, mit der Wigald Boning „Jet Set Jazz“ live präsentiert, besteht neben Roberto Di Gioia an den Keyboards aus so renommierten Mitstreitern wie dem auch vom Trüby Trio und seinem eigenen Projekt Drumlesson bekannten Percussionisten und Producer Christian Prommer sowie dem Stuttgarter Schlagzeuger Matteo Scrimali, der nicht nur hierzulande als Drummer der Bands von Joy Denalane und Max Herre geschätzt wird. Im Rahmen des boomtown jazzfestival stuttgart 2009 gastieren Wigald Boning & Band nun erstmals in Stuttgart.
Zu Beginn der 80er Jahre zählten sie zu den größten Acts des Planeten, ihre Reunion-Tour füllte 2007 weltweit die Hallen und Stadien: The Police. Wie kaum eine andere Popband profitierte das Trio von Einflüssen afrikanischer und vor allem jamaikanischer Musik. Songs wie „So Lonely“, „Message in a Bottle“, „Roxanne“ und „The Bed's Too Big Without You“ erhielten ihre Identität gleichermaßen durch Stings Vocals wie durch seine subsonischen Basslines, die federnden Offbeat-Grooves von Stewart Copeland und die ornamentalen Gitarrenlicks von Andy Summers – eben typisch jamaikanische Sound-Elemente und -Figuren –, „Walking on the Moon“ basiert auf einem der wenigen authentischen Reggae-Bassläufe, die außerhalb Jamaikas entstanden sind. Zeit für eine Würdigung der besonderen Art: Police in Dub feat. Ranking Rodger – “DubXanne”. Mit dem ausdrücklichen Einverständnis und strategischem Support von Sting, Stewart Copeland und Andy Summers hat sich die Kölner Reggae-Formation Okada, unter anderem als Backing-Band für Zoe und Maxim tätig, der bekanntesten Hits des Trios angenommen und unter Mithilfe von Gastvokalisten wie der Ska-Legende Ranking Roger (The Beat), Earl 16 (Leftfield, Dreadzone), dem Dancehall-DJ-Veteranen Big Youth, Eased (Seeed) und dem Dub-Poeten Benjamin Zephaniah die Songs der britischen Band in einem dekonstruktivistischen Ansatz mit Jazz-Akzenten auf einen ihrer Haupteinflüsse zurückgeführt: den jamaikanischen Dub. Diese Aufnahmen erschienen Ende Mai 2008 weltweit als „DubXanne – The Police in Dub“ mit der begleitenden Single „Message In A Bottle (Message In A Dub) feat. Earl 16“ bei Echo Beach und erhielten durchwegs äußerst positive Reviews und Stories in Fachmagazinen wie Rolling Stone, Piranha, Kulturnews, Riddim, Jazz thing, Blue Rhythm, Jazzthetik oder dem WOM Magazin, wurden aber auch im Stern, im Playboy und von der Tageszeitung Die Welt wohlwollend besprochen. Nun ist das das wohl erste Dub-Showcase, das komplett auf Police-Riddims basiert, auch live zu erleben: zusammen mit Ranking Roger, der in den späten 70er Jahren Mitglied der Ska-Revival-Pioniere The Beat war, später General Public und The Special Beat mitbegründete und auf der Reunion-Tour 2007 auch mit The Police aufgetreten ist, wird Police in Dub im Rahmen des boomtown jazzfestivals erstmals in Stuttgart zu hören sein und diese Rückkoppelung der abstrahierten Reggaeelemente von The Police mit deren jamaikanischen Wurzeln im BIX Jazzclub auf die Bühne bringen.
Freitag, 30. Januar 2009
BIX Jazzclub & Lounge – Beginn 20:00 Uhr
Mark Wyand
Caroline Henderson
Der 34-jährigen Musiker und Komponist Mark Wyand gilt als einer der bemerkenswertesten Tenorsaxophonisten der zeitgenössischen deutschen Jazzszene. Nun kommt er als Bandleader nach Stuttgart und stellt im Rahmen des boomtown jazzfestival stuttgart seine aktuelles Album „Hidden Hill“ vor. Sein Stil ist durch eine äußerst sensible, luzide Handschrift geprägt. In seiner Musik verbinden sich Transparenz und Tiefe zu einer ruhigen und meditativen Atmosphäre. 1974 in Bishop Auckland (England) geboren, wuchs er von seinem sechsten Lebensjahr an in Deutschland auf, wo er eine umfangreiche musikalische Ausbildung zuerst auf dem Klavier und später auf dem Saxophon erhalten hat. Mit 18 Jahren besuchte Mark Wyand das Meistersinger Konservatorium in Nürnberg und war Mitglied des Landes- und Bundesjugendjazzorchesters. Nach dem Abitur wechselte er von der Musikhochschule Köln nach Würzburg und letztlich an die Hochschule für Musik ’Hanns Eisler’ in Berlin, wo er im Jahr 2000 sein Studium mit Auszeichnung abschloss. Er wurde unter anderem von Leszeck Zadlo, Wolfgang Engstfeld und John Ruocco unterrichtet. Seither lebt Wyand als freischaffender Saxophonist in Berlin. Zudem führten ihn Tourneen durch Europa, Amerika und Südafrika. Als eigenständiger Solist und vielseitiger Musiker arbeitet er mit den verschiedensten Formationen aus dem Jazz-, Pop- und Klassikbereich zusammen und wirkte ferner bei zahlreichen CD-, TV- und Rundfunkproduktionen mit. Seine Konzerte und Aufnahmen brachten ihn beispielsweise mit folgenden Musikerpersönlichkeiten und Ensembles auf die Bühne: Kenny Wheeler, Jim McNeely, Clark Terry, Till Brönner, Popsänger Robbie Williams, Klaus Doldinger, Gerard Presencer, Johannes Enders, dem Summit Jazz Orchestra, der Rias-Bigband, dem Deutschen Sinfonieorchester (DSO), dem Radiosinfonieorchester Berlin (RSB) und dem Berliner Saxophonensemble. Zwischen 1997 und 2000 besuchte Mark Wyand regelmäßig für längere Aufenthalte Kapstadt, wo er sich durch Konzerte mit südafrikanischen Musikern wie Winston Mankunku, Basil Moses, Kevin Gibson oder Jimmy Dlulu inspirieren ließ. 2004 veröffentlichte er mit „Lucid Dream“ (Mons Records) sein Debüt als Bandleader. Mit seinem hoch gelobten, von Till Brönner produzierten SonyBMG-Debüt „Eye To Eye“ hat er 2007 der Kunst der Jazzballade zu neuer Blüte verholfen. Jetzt ist Mark Wyand noch einen entscheidenden Schritt weitergegangen: so extrovertiert und freigeistig, wie der Bandleader bei seinen Liveauftritten klingen kann, so introvertiert und kontemplativ wirkt sein im September 2008 erschienenes Studioalbum „Hidden Hill“, das er erneut gemeinsam mit Till Brönner produziert hat. Der metaphorische Albumtitel steht laut Wyand für einen „Ort der Stille und Zurückgezogenheit“ und aus dieser inneren Versenkung heraus hat er das neue Werk auch in Angriff genommen. Neben sieben Eigenkompositionen enthält „Hidden Hill“ vier Interpretationen von Songs aus fremder Feder: die beiden Standards „Once Upon A Summertime“ von Michel Legrand und „Dearly Beloved“ von Johnny Mercer und Jerome Kern sowie „Jóga“ von der isländischen Pop-Avantgardistin Björk und „Paper Bag“ von Goldfrapp. „Eine Bilderreise von sublimer Finesse. Dass es dem Klang von Mark Wyand dabei gelingt, so weit auseinander liegende Kompositionen wie den Johnny Mercer/Jerome Kern-Standard ‘Dearly beloved‘ sowie Björks Pop-Elegie ‘Jóga‘ in eine in sich zusammenhängende und schlüssige ästhetische Konzeption einzufügen, spricht für die eigenständige Klasse eines ausgezeichneten Albums“, attestierte das JAZZ PODIUM dieser Zusammenstellung. Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung jubelte gar: „Ein fabelhaftes Album ohne Beispiel in der jüngeren Jazzgeschichte.“ Tatsächlich gelingt es Wyand auf „Hidden Hill“, einen organischen, lyrischen Ton zu entwickeln, der jeden Atemzug spürbar macht und jenseits aller Candle-Light-Klischees einen fragilen Jazzimpressionismus realisiert, der dennoch Kraft und Verbindlichkeit ausstrahlt. Völlig zu Recht resümiert die Jazzthethik: „'Hidden Hill' ist ein innerer Rückzugsort, der Ruhe und Kraft schöpfen lässt. Dennoch ist eine hohe Energiedichte spürbar.“
Selbst oberflächlichen Lesern der Jazz-Fachpresse wird im Herbst dieses Jahres ein Name und ein Gesicht nicht entgangen sein: Caroline Henderson – bislang hierzulande noch kaum bekannt – ist mit ihrem aktuell bei Stunt/Sunnymoon erschienenen Album „No. 8“ eine der Entdeckungen der Saison. Dabei gilt die 1962 in Stockholm geborene, seit 1983 in Kopenhagen lebende Sängerin in ihrer Heimat bereits seit geraumer Zeit als eine der prägnantesten Stimmen der vitalen skandinavischen Jazz-Szene. 1989 gründete Henderson zusammen mit Maria Bramsen die Popgruppe RayDeeOh. Nach Auflösung der Formation begann sie ihre Solokarriere; ihren Durchbruch hatte sie 1995 mit ihrem ersten Album „Cinemataztic“. Seitdem hat Caroline Henderson weitere sieben Soloalben veröffentlicht, darunter „Metamorphing“ (1998) und im Jahr 2000 das Disco-Coveralbum „Dolores J – The Butterfly“. 2002 nahm sie das experimenteller angelegte Album „Naos“ auf. Als Jazzsängerin reüssierte Caroline Henderson 2003 mit „Don't Explain“. Es folgte „Made in Europe“, welches 2004 in Dänemark, Schweden, Norwegen, Polen, Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, den USA und Kanada erschien. Für „Love Or Nothin’“ wird sie mit dem Danish Music Award für das beste Vocal-Jazz-Album des Jahres 2007 ausgezeichnet. Mit „No. 8“ legt Caroline Henderson nun einen der schlüssigsten Vocal-Jazz-Entwürfe des Jahres vor. Darauf gelingt ihr das Kunststück, ein Repertoire aus Standards und Popsongs in ein Album aus einem Guss zu verwandeln: ob in Sonny Bonos „Bang Bang“, bekannt geworden in der Interpretation von Cher und erst jüngst in der Version von Nancy Sinatra in Tarantinos „Kill Bill Vol.1“-Soundtrack zu neuen Ehren gekommen, im Righteous-Brothers-Klassiker „Unchained Melody“, in der Folk-Song „Ribbon Bow“, den Karen Dalton 1969 bekannt gemacht hat, bei Gershwins „It Ain’t Necessarily So“, Billie Holidays „When You’re Smilling“ und Irwin Berlins „I Got Lost In His Arms“ auf der einen Seite, oder auf „Riverman“ von Nick Drake und „There Will Be Time Enough For Rocking When We Are Old“ von den Magnetic Fields auf der anderen – stets strahlen die Interpretationen von Caroline Henderson, die die bekannteren Titel auch gerne mal gegen den Strich bürstet, eine enorme Sicherheit aus: in der Organisation der Musik, ihrer Stimme, in der Eartha Kitt auf Shirley Horn und Roisin Murphy trifft, und der Art ihres Storytellings. Die beiden neuen Originals, die Anders Christensen im einen Fall als neue Melodie zu einem bestehenden Text von Duke Ellington, im anderen für Owar Shargawis preisgekrönten dänischen Film „Gå med fred Jamil“ (Geh mit Frieden Jamil) – hier mit einem Text von Caroline Henderson und Mikkel Hess – geschrieben hat, fügen sich nahtlos in das authentische Klangbild ein, das völlig unaufgesetzt Hendersons Vorliebe für Pop im Jazz und Soul im Swing belegt. Die Bläserarrangements von Arrangeur-Legende Butch Lacy, der bereits für Größen wie Sarah Vaughan gearbeitet hat, erden die schwebende Modernität von „No. 8“. „Das ganze Album strahlt unterkühltes Understatement und gelassene Nonchalance aus, wie es heute selten geworden ist“, urteilte Jazzthetik. Und JAZZ PODIUM ergänzt: „das vielleicht zeitgemäßeste Vocal-Jazz-Album, das sich denken lässt.“ Erstmals in Stuttgart, wird Caroline Henderson die Songs von „No. 8“ beim boomtown jazzfestival stuttgart im BIX Jazzclub vorstellen.
Samstag, 31. Januar 2009
BIX Jazzclub & Lounge – Beginn 20:00 Uhr
Hyperactive Kid
Panzerballett
Das junge, talentierte Trio Hyperactive Kid aus Berlin überrascht mit einer außergewöhnlichen Besetzung: Ronny Graupe an der siebensaitigen Gitarre, Philipp Gropper am Tenorsaxophon und Christian Lillinger am Schlagzeug. Die Musiker verzichten auf ein Bassinstrument und gehen somit einen unkonventionellen Weg innerhalb der modernen Musik. Seit 2003 verschmelzen sie Jazz mit Rock, Drum’n’Bass und Neuer Musik. Themen und Improvisationen verbinden sich zu einem expressiven, kraftvollen Spiel. Es gibt keine Rhythmusgruppe und keine Solisten: Alle sind alles. Urplötzlich werden Stimmungen über Bord geworfen und ebenso überraschend wieder zurück ins Boot geholt. Bereits mit ihren ersten beiden Alben – dem im Oktober 2004 im A-Trane Studio aufgenommenen, unbetitelten Debütalbum sowie dem im Oktober 2005 im AudioCue Studio eingespielten, ebenfalls namenlosen Nachfolger – avancierten sie zum Geheimtipp der Berliner Jazz-Szene. Ihr jüngstes Album „3“ ist im April 2008 bei der Jazzwerkstatt Berlin-Brandenburg erschienen und hat einige hervorragende Kritiken erhalten: „Diese drei Musiker spielen auf höchstem Niveau des Jazz. Alle ausgestattet mit großer Musikalität und Instrumentenbehandlung und einer Vision vom Sound, von Komposition und Improvisation. Das ist Musik von heute. Eine Superplatte“, urteilte der bekannte Jazz-Pianist Joachim Kühn. Auch die Jazzzeitung zeigt sich begeistert – Martin Kolb schreibt: „Hyperactive Kid pflegt keinen puristischen Intellektualismus. Neben dem Vergnügen am klugen Zusammenspiel produziert das Trio auch Ausdrucksmusik vom Feinsten: Aggression, Liebe, Trauer, Freude, Verträumtheit – alle erdenklichen emotionalen Zustände werden in ihren Werken durchlebt. Eine Entdeckung.“ Alle drei Musiker waren Mitglieder des Bundesjazzorchesters, arbeiteten bereits mit Größen wie Bobby McFerrin, Richie Beirach, Ralph Towner oder Manfred Schoof und zeichnen für die intensiven, suitenartigen Kompositionen der Band verantwortlich, ihre konzentrierte Kommunikation ist atemberaubend: Elemente des Free Jazz, der E- und U-Musik verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit. Die Band ist live sehr präsent und hat sich – trotz ihrer eher experimentellen Musik – ein treues und vorwiegend junges Publikum erspielt. Dabei waren Hyperactive Kid auch viel im Ausland unterwegs und hatten Auftritte auf Festivals wie dem Copenhagen Jazz Festival. Auf der Bremer Fachmesse Jazzahead machten sie 2008 mit einem erfolgreichen Kurzauftritt im Rahmen des „German Jazz Meetings“ auf sich aufmerksam.
Die Zeit titulierte Panzerballett bereits als „Rammstein des Jazz“. Vielleicht ist diese Zuschreibung etwas überspitzt, aber im Kern bringt es den Ansatz der Münchner Band treffend auf den Punkt. Der filigran-brachiale Name beschreibt in einem Wort die musikalische Bandbreite und Funktionsweise von Panzerballett, die sich dann auch in ihrem Umgang mit musikalischen Genres zeigt. Ohne Mühe werden hier scheinbar unüberwindbare Grenzen überschritten und nebenbei klingt die Kunstform Jazz auch für ein junges Publikum wieder spannend und sexy. Dabei mutet es auf Anhieb sicher tollkühn an, ausgerechnet Jazz und Heavy Metal zusammenzuspannen. Doch der 30-jährige Jan Zehrfeld, kompositorisches Mastermind von Panzerballett, gehört eben zu der Generation von Musikern, die von mehr als nur einem Musikstil sozialisiert wurden. Bereits als Jugendlicher konnte er sich für harten Rock ebenso begeistern wie für Jazz. Dieses dualistische Prinzip spiegelt sich auch in seiner zunächst als Cellist begonnenen, dann auf die Gitarre konzentrierten Karriere: Zehrfeld studierte zunächst in Graz, Helsinki sowie München Jazzgitarre und absolvierte dann die Stationen eines talentierten Jazzers, von Peter Herbolzheimers Bundesjazzorchester bis zu Klaus Doldingers Passport. Mit dem Hilliard Ensemble arbeitete er unlängst an Arvo-Pärt-Bearbeitungen. Die zumindest in Deutschland wenig verbreitete Kombination von Härte, Komplexität und Improvisation kulminiert nun seit bald vier Jahren in Panzerballett, dem Versuch, „die Geschmeidigkeit und das Schwebende des Balletts mit der Kraft und dem Krachen eines Panzers zu verbinden“, wie es Zehrfeld formuliert. Bereits auf dem vor zwei Jahren erschienenen Debütalbum „Panzerballett“ ließ sich das gut an: Von Beginn an erstaunt bei diesem an der Kompositionstechnik von Frank Zappa geschulten Ansatz, wie die Band die aggressive Härte des Heavy Metal und die subtile Feinfühligkeit des Jazz gleichzeitig in den Griff bekommt. Für das im Februar 2008 veröffentlichte ACT-Debüt „Starke Stücke“ konzentrierte sich Zehrfeld auf Anregung von Siggi Loch erstmals nicht nur auf Eigenkompositionen, sondern wagte sich auch an Standards – aus Rock wie Jazz, versteht sich. So findet man „Pink Panther“ von Henry Mancini neben „Smoke On The Water“ von Deep Purple, dem AC/DC-Hit „Thunderstruck“ oder dem Welterfolg „Paranoid“ der Heavy-Metal-Kultband Black Sabbath. Auch Joe Zawinuls „Birdland“ wird von Zehrfeld ebenso kunstvoll dekonstruiert und auf völlig eigene Art neu zusammengesetzt wie „Wind Of Change“ von den Scorpions. „Ich habe mich bei der Auswahl schnell für extrem Bekanntes entschieden“, sagt Zehrfeld. „Das umso gnadenloser zu verfremden, ist für uns wie für den Hörer am spannendsten.“ Eine Einschätzung, die auch von der Presse uneingeschränkt geteilt wird: „Die Band verbindet die rhythmischen Staccato-Attacken und wummernden Gitarren-Sounds des Metal mit jazzigen Grooves und mit Soli auf höchstem Niveau. Das klingt umwerfend“, befand DER SPIEGEL. „Der schönste CD-Wahnsinn des Frühjahrs“, jubelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und die Stuttgarter Nachrichten fassten zusammen: „Gewalt und Zartheit, Kettenhemd und Tutu in einem Wort: Panzerballett. Was rollt da auf uns zu? Etwas Unerhörtes. Knallharter Schwermetalljazz.“ Mehr denn je gilt für dieses Panzerballett die Devise: Headbangen mit Köpfchen! In einer Stuttgart-Premiere stellen Panzerballett im Rahmen des boomtown jazzfestival stuttgart ihre Eigenkompositionen sowie „fremdverkrasste“ Titel im BIX Jazzclub vor.
Sonntag, 01. Februar 2009
BIX Jazzclub & Lounge – Beginn 20:00 Uhr
Stuttgart Jazz Orchestra
Eine Weltpremiere beim boomtown jazzfestival stuttgart: Ausgehend von den vielfältigen Aktivitäten rund um die Musiker der Band in the BIX, stellt sich das Stuttgart Jazz Orchestra erstmals der Öffentlichkeit vor. Der Grundgedanke des Ensembles ist, dass hochklassige Jazz-Kompositionen von regionalen Komponisten und Arrangeuren vor Ort von Stuttgarter Musikern in direkter Zusammenarbeit entwickelt und aufgeführt werden. Durch den unterschiedlichen Background der einzelnen Musiker ergibt sich die Möglichkeit, musikalische Grenzen zu überschreiten: Die verschiedenen Akteure des Stuttgart Jazz Orchestra sind unter anderem Mitglieder im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, Dozenten der Musikhochschule Stuttgart oder auch Leiter der Porsche Big Band bzw. des Daimler Classic Jazz Orchestra. Genres wie die große Bandbreite klassischer Musik-Stile, Soul, Funk, Free Jazz und Neue Musik können so ohne Formatbarrieren mit der Leichtigkeit des Jazz kommunizieren. Das Stuttgart Jazz Orchestra bildet in seiner einzigartigen Zusammensetzung, über die Stil-, Genre- und Generationsgrenzen hinweg, die Vielfalt und Lebendigkeit der Stuttgarter Jazzszene ab. Zu einzelnen Projekten sollen auch internationale Gäste als Komponisten und Solisten eingeladen werden. So ist etwa die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Saxofonisten Daniel Schnyder geplant. Das Programm für den ’kick-off-Abend’ am Sonntag, 01. Februar 2009, beim boomtown jazzfestival stuttgart im BIX Jazzclub umfasst neben eigens für diese Band geschriebenen Arrangements von Bigband-Klassikern auch neue Titel von Stuttgarter Komponisten wie Libor Sima, Rainer Tempel, Eberhardt Buziat und Bernd Konrad, die sich als Musiker zu einem Teil auch im Stuttgart Jazz Orchestra wiederfinden.
Besetzung:
Axel Schlosser - Tp HR-Bigband, Band in the BIX
Christian Meyers - Tp Dozent an der Musikhochschule
Thomas Nell - Tp Apollo Theater Stuttgart
Eberhardt Budziat - Tb Daimler Classic Jazz Orchestra
Uli Röser - Tb Glenn Miller Orchestra
Frank Heinz - Tb Südpool-Jazz Ensemble
Libor Sima - Saxes Radio-Sinfonieorchester Stuttgart
Arno Haas - Altosax Black Forest Jazz Orchestra
Jürgen Bothner - Tenorsax Dürr Big Band
Bernd Konrad - Baritonsax Musikhochschule Stuttgart
Olaf Polziehn - Piano Musikhochschule Graz, lebt in Stuttgart
Werner Acker - Guitar Musikhochschule Stuttgart
Mini Schulz - Basses Musikhochschule Stuttgart
Meinhard „Obi“ Jenne - Drums Porsche Big Band
Montag, 02. Februar 2009
BIX Jazzclub & Lounge – Beginn 20:00 Uhr
Ukulele Orchestra of Great Britain
Das Ukulele Orchestra of Great Britain ist eine Band von professionellen, singenden Ukulele-Spielern, die ihre Instrumente einst von ihrem Taschengeld gekauft haben und fest daran glauben, dass jede Form von Musik auf eine Neu-Interpretation wartet – so lange man sie auf der Ukulele spielt. Ein Konzert des Ukulele Orchestra ist ein amüsanter, virtuoser, gezupft-gesungener, phantastischer und eingängiger Nachruf auf Rock’n’Roll und melodiös-leichte Unterhaltung – nur mit der Unterstützung der „Bonsai-Gitarre“ und einer Menagerie aus Stimmen: kein Schlagzeug, kein Klavier, keine Hintergrundmusik und – vor allem – keine Banjos. Eine Kollision aus Punkmusik und swingenden Oldies. Das Orchester macht von der Begrenztheit des Instrumentes Gebrauch, um sich einen eigenen musikalischen Freiraum zu schaffen. Dabei entfalten sich ungeahnte Einblicke in eigentlich hinlänglich bekannte Musik. Dieses schrammelnde, zupfende und singende Ensemble löst Begeisterungsstürme aus, wo auch immer es auftritt. Das Ukulele Orchestra of Great Britain beweist mit großer musikalischer Perfektion: einfach jedes Musikstück dieser Welt ist es wert, auf der Ukulele neu interpretiert zu werden. Pop, Rock, Punk, Klassik, jedes Genre ist vertreten und altbekannte Stücke klingen plötzlich wie noch nie zuvor gehört. Provozierend, berührend, inspirierend und tiefsinnig kombinieren sie Musik, britischen Humor und Popkultur auf einzigartige Weise. Von Tschaikowsky über Nirvana bis zu Otis Redding – das Orchester nimmt den Hörer mit auf eine musikalische Weltreise – und alles, was es braucht, ist die Ukulele im Handgepäck. Das Ukulele Orchestra startete im Jahr 1985 als eine Art Gag. Der erste Auftritt sollte eigentlich auch der letzte sein: allerdings war er ausverkauft und nach nur einer weiteren Show war das Orchester bereits im Radio zu hören. Seitdem gab es hunderte von Auftritten in Fernsehen und Radio weltweit sowie ausverkaufte Konzerte in den USA, Kanada, Belgien, Schweden, Finnland, Irland, Deutschland, Neuseeland und Japan; in Spielstätten wie z.B. Ronnie Scott's World Famous London Jazz Club, The Royal Festival Hall, beim Glastonbury Festival, Chicago Chamber Music Festival, The Big Chill und The Edinburgh Festival. Das Ukulele Orchestra besteht aus den (sich abwechselnden) ersten Ukulele-Spielern und Rhythmus-, Bass-, Bariton-, Tenor- und Sopranukulele. Durch diese Besetzung sind sie in der Lage, eine reiche Palette an Möglichkeiten der Orchestrierung und musikalischen Umsetzung zu erreichen. Schulter an Schulter sitzen sie in einem Halbkreis auf der Bühne, in formeller Abendkleidung ganz wie ein Symphonie-Orchester, und interpretieren Stücke aus Rock’n’Roll, Punk, Jazz und Klassik. Sie akzentuieren die Schönheit, aber immer wieder auch die Leere ihres Materials und schwelgen dabei in trivialer, auf sich selbst verweisender E- und U-Musik. Sie schaffen den Balance-Akt zwischen anspruchsvoller Seriosität und unbeschwerter Unterhaltung. Manchmal kann ein dummes, kleines Lied das Publikum mehr rühren als die ganz hohe Kunst. Die Zuschauer möchten Spaß haben mit den „Ukes“, die eindrucksvoll beweisen, dass musikalische Intelligenz und Leichtsinn nicht unvereinbar sind mit Akustik-Versionen von Heavy Metal, kunstvoll technischer Ausführung und einer Hommage an altbekannte Pop-Hits.
~ Thomas Staiber
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