Artikel geschrieben am: 14.07.05
Terence Blanchard Sextett – Lynne Arriale Trio, 14.07.05 jazzopen Mozartsaal
Wenn du in einer Tätigkeit völlig aufgehst, den Alltag, ja die Zeit vergisst, wenn Denken, Fühlen und Wollen im Einklang sind und dein Handeln mühelos vonstatten geht - dann bist du glücklich. Mihaly Csikszentmihalyi nennt das „Flow“. „Flow“ hat auch der amerikanische Jazztrompeter Terence Blanchard seine aktuelle CD genannt, die Herbie Hancock produziert hat und die er nun beim LBBW Jazzopen-Festival vorstellt.
Der 42-jährige Blue-Note-Künstler aus New Orleans , bekannt auch als Komponist von Filmmusiken, macht es wie der Größte: Wie Miles Davis umgibt er sich als Star mit einer Schar junger Musiker, als Alphatier unter Young Lions, und wie Miles, der ihn einmal als den „brillantesten der jungen Trompeter“ bezeichnet hat, ist er auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Dabei wird er fündig. In der Vielfalt. Das Konzert im Mozartsaal gestaltet sich in den Farben des Regenbogens wie ein Prisma des postmodernen Jazz. Da kommt die Tradition zu ihrem Recht, wie Blanchard sie bei Art Blakey als junger Jazz Messenger gelernt hat, da zeigt sich der Jazz von seiner zeitgenössischen Seite: brodelnd, flackernd, knallhart. Dann wieder kommt er geschmeidig auf Samtpfoten daher und die Solisten geraten ins Schwelgen. Der Saxophonist Brice Winston und der blutjunge Aaron Parks am Klavier sind hier zu nennen. Ein anderes Mal („Wadagbe“) führt das Sextett mit Gitarrensynthesizer und Vokalisen (Lionel Loueke) nach Afrika Elektronik und Akustik, Vergangenheit und Gegenwart, schwarz und weiß – Terence Blanchard, mit wunderschönem Trompetenton, bewegt sich am liebsten in Spannungsfeldern. Konzentriert, mühelos und – wie es scheint - im Flow.
Der Leichtigkeit des musikalischen Seins hat sich die Pianistin Lynne Arriale verschrieben, die im ersten Teil des Konzertabends mit ihrem gut eingespielten Trio feinen glockenklaren Jazz zelebrierte. Dabei schafft sie das Kunststück, beim Publikum Wohlgefühle zu erzeugen, ohne es in seichtes Gewässer zu führen. In tadelloser Haltung, mit kultiviertem Anschlag und erlesen geschmackvollem Spiel improvisiert sie über eigene Kompositionen („Arise“) oder solchen von Chick Corea, den Beatles oder Egberto Gismonte. Das Ganze wirkt wie Orchideenjazz – edel, aber ein wenig farblos. Statt bei einem Jazzfestival wie hier könnte man sich die New Yorker Tastenkünstlerin auch gut in der Lounge eines Fünfsterne-Luxushotels vorstellen. Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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