Artikel geschrieben am: 16.12.07
Wolfgang und Florian Dauner, 1. Jahr Bix, 16. 12. 2007
Wenn der Vater mit dem Sohne
Ein Jahr Bix. Das muss gefeiert werden.
Das Bix - benannt nach dem Kornettisten Beiderbecke – wird von deutschen Jazzern wie Wolfgang Haffner oder Dieter Ilg, aber auch von internationalen Größen wie Wynton Marsalis, Joshua Redman oder Vernon Reid in den höchsten Tönen gelobt: ob der stringenten Innenarchitektur (Bottega & Erhardt), der exzellenten Ausstattung und Akustik, ob des sachkundigen Publikums (bisher kamen 20.000 Besucher), des rund laufenden Betriebs (Schlensog / Hendricks) und der Organisation unter der Leitung eines inspirierten Musikers wie Mini Schulz. Vom Bix ging der Impuls zu den Stuttgarter Jazztagen XL aus, die erstmals das Miteinander der hiesigen Szene organisierte, die Bix-Bühne bespielen im Juli weltbekannte Jazzopen-Musiker, hier finden 2008 von Dienstag bis Samstag Konzerte statt. Geplant unter anderem: Al di Meola, Barbara Dennerlein, das Stuttgarter Kammerorchester. Der von der Stadt und Sponsoren Vorzeigeclub kann eine positive Bilanz aufweisen.
Vor ausverkauftem Haus betraten nun zum Geburtstagsständchen Wolfgang und Florian Dauner die Bühne. Eine überfällige Ansetzung. Schon am 16. Dezember vor einem Jahr hätten viele beim Eröffnungskonzert statt der Erik-Sumo-Band aus Budapest lieber den großen Stuttgarter Jazzpianisten erlebt. Zumal der auch ein Gründungsmitglied des neuen Clubs im denkmalgeschützten Gustav-Siegle-Haus ist. Eine gute Wahl war der Auftritt von Vater und Sohn Dauner auch, weil sich ältere und jüngere Gäste zum gemeinsamen Konzertbesuch einfanden.
Jazzstadt Stuttgart - dafür steht keiner mehr als Wolfgang Dauner. Stuttgart als Hochburg des deutschen Hiphop – da denkt man an die Fantastischen Vier und deren Drummer Florian Dauner. Zwei Musikegenerationen – kann das funktionieren? Florian Dauner, gewiss kein Jazzer, aber ein aufmerksamer und einfühlsamer Schlagzeuger, begleitet seinen Vater „querbeet durch die Stile“, wie der ankündigt: von einer indischen Raga bis zur bekannten Originalkomposition Don’t Change, von einer Jerome-Kern-Ballade bis zum heftigen Hong Kong Fu. Alles rein akustischer Jazz, Hiphop und Elektronik Fehlanzeige.
Behutsam klöppelt der Junior mit weichen Schlegeln und skizziert einen rhythmischen Weg, dem Dauner senior mit gefühlvoll perlendem Tastenspiel liebend gern folgt. Dream Talk heißt die Nummer, die er vor über vierzig Jahren zum ersten Mal in Stuttgart gespielt hat: mit Eberhard Weber und Fred Braceful in der Atlantic Bar. Nun lässt der Sohn die Becken zischen, die Bass-Drum knallen und entfacht so ein veritables Trommelfeuer.
Wolfgang Dauner spielt danach solo Präludien von George Gershwin – und setzt dem Jubiläumsabend damit ein künstlerisches Glanzlicht auf. Der Rhythmus federt auf Samtpfötchen durch den Klangraum federn, als eine Balladenmelodie aufblüht, doch beim nächsten Up-Tempo-Stück rollt er mächtig wie ein Güterzug herein und sorgt für Halt und Struktur, während der Herr Papa sich mal in freien Jazzgefilden austobt. Jubel, spitze Schreie, heiße Stimmung. So kann’s, so soll’s weitergehen im neuen Jahr.
Thomas Staiber
~ Thomas Staiber
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