Artikel geschrieben am: 14.10.04

--- (Datei: Bill Ramsey-Lener Trio)

Bill Ramsey & Werner Lener Trio, 14.10.04, Kreissparkasse Ludwigsburg
Souvenirs, Souvenirs…Bill Ramsey, vor 73 Jahren in der Rhythm-And-Blues-Stadt Cincinatti geboren, hat Deutschland manches zu verdanken: dass der Schlager nicht immer bloß schmachtend-verlogen daherkommen musste, sondern auch mal lustig sein konnte. Ramseys mit heiserer, vom Blues gefärbten Stimme gesungenen Hits, seine Mimi mit dem Krimi oder Elfriede aus Wuppertal kennt fast jeder. Doch seit Jahrzehnten tritt der einstige Wumba-Tumba-Schokoladeneisverkäufer - seit zwanzig Jahren deutscher Nationalität - vor allem als Jazzsänger auf die Bühne.
Als er noch in Wiesbaden wohnte, lernte er bei einem Auftritt die Darktown Band aus Stuttgart kennen und schätzen. Ein Trio mit Darktown-Musikern machte er darauf zu seiner regulären Combo. Erst als er vor 13 Jahren nach Hamburg zog, endete die Jazz-Entente mit den Schwaben. Bei seinem Auftritt im großen Saal der Kreissparkasse Ludwigsburg kam es erstmals wieder zu einem gemeinsamen Gig mit dem Pianisten Werner Lener aus Zuffenhausen. Der hatte seinen Bassisten Thomas Krisch und Obi Jenne, einen der stärksten Drummer in der Region, mitgebracht. Ohne proben zu müssen, nach einem kurzen Sound-Check machten sich die vier Jazzer ans Werk.
Als Opener der „Boogie Bop“, eine Glanznummer aus der Feder Leners. Das Werner-Lener-Trio machte geschmackvoll-kraftvollen Jazz, dessen Eleganz niemals glatt wirkt, Jazz, der Tradition und Moderne swingend versöhnt. Auf dem soeben erschienenen Album „A New Horizon“ (BBM 2014) ist das nachzuhören.
Dann trat der Star des Abends ans Mikrophon und intonierte den Standard „Fly Me To The Moon“. Doch wollte die Rakete wegen stimmlichen Warm-Up-Problemen nicht so recht zünden. Voll in Fahrt kam Ramsey dann bei T-Bone Walkers Sing-And-Shout-Stück „Stormy Monday“. Nun stimmte alles: die Phrasierung war sauber, die Intonation astrein und der Scat rhythmisch und flüssig. Und Thomas Krisch steuerte mit seinem wohl klingenden Kontrabass ein umjubeltes Solo bei. Kein Wunder, dass Ramsey gerade beim Blues richtig auftaute. Nun kam er richtig in Fahrt, intonierte eine rasante „Route 66“, erzählte Schwänke aus seinem Leben und brachte das zahlreich erschienene Publikum immer wieder zum Lächeln und Lachen. Das genoss sichtlich das Konzert, das mit bekannten Nummern aus dem Great American Songbook Beifall umrauscht seinen Lauf nahm. Pigalle, die große Mausefalle mitten in Paris, oder die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe vermisste vor lauter swingendem mitreißenden Jazz am Ende niemand Thomas Staiber
 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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