Artikel geschrieben am: 19.01.07

Lisa Bassenge

Werner Schretzmeier schaut in den Saal T 2 hinunter, aus dem nach dem Konzert von Lisa Bassenge etwa 250 zufriedene Besucher ins Foyer strömen. „Ihr viertes Konzert im Theaterhaus. Nun hat sie sich auch in Stuttgart ein Stammpublikum erobert. Sie ist wirklich gut und bewegt sich auf internationalem Niveau.“, bemerkt der Theaterhauschef anerkennend.

Aus der Klangküche von Lisa Bassenge und ihrer Berliner Band kommt sehr sorgfältig zubereitetes musikalisches Slow Food, serviert von einer aparten Sängerin und ihrer traumhaft eingespielten Combo. Mit lasziver Langsamkeit dehnt die 31-jährige Vokalistin süße Silben und lässt sie mit warmer heller Stimme schmelzen. Kindliche Verletzlichkeit liegt in dieser Stimme und die verführerische Sinnlichkeit einer erwachsenen Frau. Zugleich scheint sie immer melancholisch angehaucht.Eine reizvolle Mischung.

Lisa Bassenge, die an der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik Gesang studiert hat (und dort ihren ständigen Begleiter, den Kontrabassisten Paul Kleber kennen gelernt hat), singt natürlich traumhaft sicher, phrasiert mit lockerem Rhythmusgespür und intoniert astrein. Billige Effekte sind diesem nahezu vibratolosen Singen fremd. So singt sie sich - wie es so schön heißt - in die Herzen des Publikums. Darunter applaudieren viele ihrer Generation, Menschen um die dreißig, aber auch ältere, die sich von dieser attraktiven Musik angezogen fühlen. Ob das nun noch Jazz ist oder schon Pop? Diese Frage scheint angesichts der intelligenten Arrangements, der Ideendichte und Gefühlstiefe dieser Musik obsolet. Die junge Frau, vor kurzem zum zweiten Mal Mutter geworden, kann bekannte Jazzballaden – bloß von einem dezenten Klavier begleitet – so interpretieren, dass man glaubt, sie zum ersten Mal zu hören.

Immer wieder werden die Klangfarben neu gemischt: Der Schlagzeuger ertrommelt mit bloßen Händen einen unaufhaltsam treibenden Groove, Kai Brückner legt seine akustische Klampfe beiseite und spielt mit der E-Gitarre einen strahlenden Chorus, während der warm und voll tönende Kontrabass für Orientierung sorgt und der neue Keyboarder Christoph Adams (Erfolgspartner Andreas Schmidt ist ausgestiegen) sich merklich zurückhält. Erst bei der dritten Zugabe blüht er auf und singt in akzentfreiem Portugiesisch ein Abschiedslied, das Lisa Bassenge in einer deutschen Übersetzung weiterführt: „Ade.“ Sie lässt die Wörter im Mund zergehen und artikuliert so klar, dass man gerne zuhört und sich freut, wie schön unsere Sprache klingt. Paradebeispiele: „Ohne dich“ von Hildegard Knef oder „Junimond“ von Rio Reiser.

Ansonsten präsentiert sie Liedgut quer aus dem Gemüsegarten: Jazzstandards wie „Gee Babe, Ain’t I Good To You“, Songs von Hank Williams über Peggy Lee bis zu den Sugarbabes und The Cure. Die Dame schert sich nicht um die Grenzziehungen von Puristen, sie beweist einen vorzüglichen Geschmack und pflegt ihren eigenen lasziven, inzwischen unverwechselbaren Stil.

~ Thomas Staiber

Deko Füller
Familienbild