Artikel geschrieben am: 28.09.03

--- (Datei: bennink-nabatov)

Han Bennink, dr, Sinom Nabatov, p, Esslinger Dieselstraße, 28. 09. 03
Acht Jahre hat Christa Wörner verantwortlich die Konzertreihe „Jazz in der Dieselstraße“ betreut, und natürlich galt ihr besonderes Interesse der weiblichen Note im neuen Jazz. Nun ist wieder ihr Vorgänger Manfred Müller dran. Mit ihm kommen verstärkt die Mannsbilder der Avantgarde zum Zug.
Den Auftakt der maskulin geprägten Herbstsaison „Jazz in der Dieselstraße“ besorgten nun der holländische Schlagzeuger Han Bennink, 61, und der russische Pianist Simon Nabatov, 44.
(Han Bennink, dessen Vater im Sinfonieorchester die Pauke bediente, hat seit den 60-er Jahren so ziemlich alles begleitet, was an USA-Prominenz in Holland tourte: von Ornette Coleman bis Aretha Franklin, von Eric Dolphy bis Ben Webster. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit tibetanischen, afrikanischen und japanischen Rhythmen.
Auch Simon Nabatov wuchs in einer Musikerfamilie auf. Klavierunterricht mit drei, erste Kompositionen mit sechs. Wunderkindsymptome. Dann mit zwanzig der Bruch: Von der Klassik zum Jazz, von Moskau nach New York. Dort hat Nabatov studiert und Jazz gemacht. Etwa mit Chet Baker, Art Farmer, Steve Lacy. Seit gut zehn Jahren nun hat er einen zweiten Wohnsitz in Köln, seit vier Jahren spielt er mit Han Bennink im Duo. Oder der mit ihm.)
Sie bilden ein Duo im Spannngsfeld von Swing und Avantgarde, magistraler Virtuosität und kindlicher Spielfreude, ein Duo von hohem Unterhaltungswert.
Das funktioniert wie eine Zweierbeziehung. Mit Annäherung, Leidenschaft, Vertrautheit und allem drum und dran. Schlimmstenfalls mit Stillstand, Langeweile, Schluss. Davon jedoch kann bei Bennink und Nabatov vorerst nicht die Rede sein.
Der Holländer lädt sich förmlich mit rhythmischer Energie auf, von den Zehen- bis zu den Haarspitzen. Er gibt dem Becken von unten einen Kick, nimmt einen Drum-Stick in den Mund, streichelt mit dem anderen ein Trommelfell und lässt es urplötzlich knallen. Wie ein Rhythmushäuptling, ein Musikclown malt er dann lautlose Schlagzeugergesten in die Luft. In der Dieselstraße (wie bestimmt auch bei jedem Kindergeburtstag) ist der Lacherfolg garantiert.
Dazu vom schwergewichtigen Exilrussen am weit geöffneten Flügel das Grollen dicht gestaffelter Blockakkorde, perkussives Tastenspiel, das wie Donnerhall.den Klangraum ausfüllt. Stille. Wie ein Regenbogen folgt dann eine kleine, zart aufleuchtende Melodie. Schnitt. Plötzlich – das Publikum quittiert es lächelnd – scheint eine Saloon-Tür aufzuschwingen, und ein fröhliches Stride-Piano ertönt. Die Finger Nabatovs tanzen über Ebenholz und Elfenbein, angetrieben vom luftigen atemlosen Swing des Schlagzeugs. Doch das Süße schmilzt allzu schnell, und das Raue gewinnt wieder die Oberhand. Das Spannendste dabei der Übergang.
Respektvolles Aufeinanderhören, aussagekräftige Kommunikation und Humor beleben das holländisch-russische Duo. Eine Trennung dieser musikalischen Zweierbeziehung ist nicht in Sicht. Thomas Staiber

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Das Eingeklammerte könnte am ehesten wegfallen.
 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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