Artikel geschrieben am: 01.01.70

--- (Datei: BebelaarInterview)

StN: Herr Bebelaar, Sie sind gerade von einer Konzertreise, die Sie durch Südafrika geführt hat, zurückgekommen.

Patrick Bebelaar: Ja. Nach meinem einjährigen Studienaufenthalt in Durban 1996 und einer Workshop-Reise durch Südafrika vor zwei Jahren wollte ich mit meinem Freund, dem Holzbläser Frank Kroll, unbedingt der Einladung südafrikanischer Freunde Folge leisten. Der Leonberger Oberbürgermeister Schuler hat den Kontakt zu Daimler/Chrysler hergestellt, so dass unsere Reise erfreulicherweise gesponsort wurde.

StN: Sie machen nicht gerade leichte Musik. Man hat sie zu Recht den „leisesten und lautesten Jazzpianisten hierzulande“ genannt. Wie wird dieser leidenschaftliche und widerborstige Jazz aus Baden-Württemberg in Südafrika aufgenommen?

P.B.: Überschwänglich. Darius, der Sohn von Dave Brubeck, hat einen Musik-Lehrstuhl in Durban. Er hat zu Frank Kroll und mir gesagt, wir seien an der „Formulierung einer neuen demokratischen Musiksprache“ in Südafrika beteiligt.

StN: Und wie reagiert das Konzertpublikum?

P.B.: Wir haben in Konzertsälen gespielt, aber auch vor Menschen in Townships, die noch nie ein Konzert besuchen konnten und sich nach einem friedlichen multikulturellen Miteinander sehnen.. Die Reaktionen haben uns überwältigt: Viele haben geweint, weil sie von unserer Musik, die Leid und Leidenschaft auszudrücken versucht, stark berührt waren. Nachdenklich gemacht hat mich allerdings die Bemerkung eines Besuchers, es handele sich dabei um „Selbstmordmusik“.

StN: Ihr neues Werk, die Suite „You Never Lose An Island“, klingt doch nach dem in der Tat nachtschwarzen Vorgänger „Passion“ lebensfroh und heiter.

P.B.: Ja. Wir mischen zur Zeit die Aufnahmenmit dem Trompeter Herbert Joos, dem französischen Tubaspieler Michel Godard und meinem regulären Partner Frank Kroll, die uns viel Freude gemacht haben, ab. Das wird dann unsere nächste CD.

StN: Sie haben in Südafrika nicht nur Konzerte gegeben, sondern auch Jazz-Work-Shops durchgeführt.

P.B.: Ja. Auch bei dieser Reise haben wir eine Menge junger Menschen kennengelernt. Viele unter ihnen können sich nicht einmal ein Instrument leisten. Unsere gemeinsame musikalische Arbeit in den Work-Shops aber hat ihr Selbstwertgefühl verstärkt und ihnen Mut für die Zukunft gegeben. Darius Brubeck hat uns gebeten, bald wiederzukommen und das Band-Projekt, das wir ins Leben gerufen haben, weiter zu begleiten.
Thomas Staiber 12. 06. 02

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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