Artikel geschrieben am: 09.09.05

--- (Datei: Bebelaar09.05)

Patrick Bebelaar beim Europäischen Musikfest Stuttgart, 09.09.05, 21h30 Leonhardskirche
Leiden schafft Kunst. Frohsinn allerdings auch. Künstlern, die sich der Passion verschreiben, ist die Leichtigkeit des Seins anderer oft schier unerträglich. Für Jacques Loussiers locker swingendes „Play Bach“ hat Patrick Bebelaar, der vor fünf Jahren mit dem Jazzpreis des Landes ausgezeichnete Pianist, nur ein müdes Lächeln übrig: „Perwollgespülter Sound“. Der vor 34 Jahren in Trier geborene und heute in Kusterdingen wohnende Musiker hat sich mit Johann Sebastian Bach, wie er betont, „zwangsläufig“ auseinandergesetzt. Ausgehend vom Choral „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ stellte Bebelaar 1999 die Symbolkraft der Zahl sieben ins Zentrum seiner Komposition „Passion“. Bebelaar, für den Musik „alles oder nichts“ ist, geht mit einer Unbedingtheit zu Werk, die es weder ihm noch seinem Publikum leicht macht. Er kann anrührend liebevoll und innig Klavier spielen, dann aber auch derart heftig, dass sich von seinem Fingerblut schon die Tasten färbten.
Für sein neues Werk, das am 9. September um 21h30 in der Stuttgarter Leonhardskirche uraufgeführt werden wird, hat sich Bebelaar mit Bachs h-Moll-Messe beschäftigt. Er hat für seine Komposition den großen Titel Pantheon gewählt, weil jüdische, islamische, afrikanische, hinduistische und christliche Motive darin zu einem großen Ganzen verschmelzen sollen. Sein Wunsch war es, für dieses Konzert Musiker aus den unterschiedlichen Religionen zusammen zu bringen. Doch ließ sich der nicht verwirklichen.
Das archaische Serpent von Michel Godard trifft nun auf Frieder Dähns ekstatisches Elektro-Cello, dazu Improvisationen des Holzbläsers Frank Kroll und von Herbert Joos, der die Trompete, das Flügel- und das Alphorn blasen wird. Der Komponist selbst wird am Clavichord Platz nehmen – als Verbeugung vor Bach und „weil sich der lautenhafte Sound für weltmusikalische Elemente besser eignet“. Im Kyrie wird eine Melodie aus dem Judentum ertönen, dem Lob- und Bittruf des Gloria begegnet Bebelaar mit einem hinduistischen Motiv von Ravi Shankar. In einer Paraphrase auf Bachs Credo entwickelt Bebelaar eine Tonabfolge von sieben nebeneinander liegenden Halbtönen mit sieben Triolen und knüpft so an seine „Passion“ von 1999 an. Eine besondere Ausprägung minimalistischer Tonfolgen wurde im übrigen der Musik afrikanischer Naturreligionen entnommen.
Solche vielfältigen musikalischen Ideen verbindet Bebelaar in seiner 90-minütigen Komposition mit der h-Moll-Messe, an der Bach die letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens gearbeitet hat. Sein musikalisches Erbe gipfelt – bestimmt nicht nur für Patrick Bebelaar ganz aktuell – im Schlussgedanken: „Gehet hin in Frieden.“ Thomas Staiber

 

~ Thomas Staiber

Deko Füller
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