Artikel geschrieben am: 14.05.02
Der 35-jährige Tunesier Dhafer Youssef Vokalist und Lautenspieler, konzertierte im gut besuchten Kulturzentrum Merlin mit dem um zehn Jahre älteren Trompeter Markus Stockhausen aus Köln: Eine west-östliche Begegnung im Rahmen der diesjährigen Orienttage.
Beide Musiker sind schon als Kinder aufgetreten, beide zählen sich zur jüngeren Generation „intuitiver Improvisatoren“, aber trotzdem: welch ein Unterschied! Da der Sohn einer armen elfköpfigen Familie aus der dritten Welt, in der außer dem Islam nicht viel gilt, hier der akademisch gebildete Sohn eines weltberühmten Komponisten, auf Rosen gebettet. Zueinander gefunden haben der arabische Musiknomade und der Kölner Trompeter vor drei Jahren bei der Produktion ihrer CD „Malak“, einem spannenden Projekt mit Musikern aus vier Erdteilen. Das Konzept damals wie heute: die Verschmelzung verschiedener Traditionen. Solche Fusionen ethnischer Musik mit Jazzimprovisation und zeitgenössischen Kompostionen finden durchaus ein kulturell aufgeschlossenes Publikum. Und dennoch: In allen Lagern gibt es solche, die lieber Wasser und Wein trinken an der Stelle von Schorle. Puristen verschmähen Cross-Over-Projekte. Wie findet wohl ein persischer Sufi-Anhänger im wollenen Büßergewand neue europäische E-Musik, wie ein swingender Mainstream-Jazzer im Bierkeller siebenstufige Tonleitern, Arabesken und melismatische Melodieverzierungen? Vermutlich hält sich das - etwa bei null - die Waage.
Laut Youseefs Laute, schneidend scharf Stockhausens Trompete. Mit so viel Hall abgemischt, als säße man in einem Dom und nicht in einem kleinen Club, als solle über die Kluft zwischen Orient und Okzident schönfärbend hinweggetröstet werden. Heftig auch der Gesang: wie ein Muezzin presst und schleift der Tunesier die Töne. Ob er frohlockt oder klagt, erschließt sich dem Nicht-Orientalisten jedoch nur schwer. Die Saiten seiner Oud reißt Yousseef nicht so virtuos mit dem Federkiel an wie etwa der wahl-Münchner Rabih Abou-Khalil, aber er steuert - so viel Technik muss sein – gern ein paar Samples mit dezentem Pedaldruck bei. Stockhausens Technik ist vorzüglich, sein Ton makellos. Doch manche der Improvisationen wären auch in anderen Kontexten vorstellbar, in Wildwestfilmen etwa mit mexikanischem Flair.
Die ungebrochene Spiellaune der beiden Weltreisenden in Sachen Musik teilt sich dem Publikum unmittelbar mit, und gegen Ende des Konzerts, als genug Energie verausgabt ist, entwickeln sich in der Tat hübsche moments musicaux mit dem faszinierenden Einklang einer warmen arabischen Laute und dem hellen Strahl einer Trompete, der samtenen Geschmeidigkeit eines Flügelhorns.
~ Thomas Staiber
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